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Bizarre Spiele enden in Gewaltorgien

Ein 44-Jähriger hat seine Ehefrau betäubt und lebensbedrohlich verletzt. Der Mann muss nun für acht Jahre hinter Gitter.

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Von Alexander Schneider

Falko K. kann charmant und eloquent. Seine Absichten jedoch dienen ausschließlich seinen eigenen Bedürfnissen. Er sei manipulativ, völlig empathielos und gewalttätig, wenn er seinen Willen nicht bekommt. So beschrieb die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand den 44-jährigen Angeklagten in ihrer Urteilsbegründung am Landgericht Dresden. Der Mann wurde gestern vom Schwurgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt.

Ein bizarrer Fall. Falko K., der aus Freiberg stammt, war dreimal verheiratet. Gearbeitet hatten die Frauen. K. hatte weder Beruf noch Arbeitsstelle – er ließ sich aushalten. Alle Ehen gipfelten in massiven Gewaltorgien zum Nachteil der Frauen. Dass sie stets deutlich jünger als er selbst waren, hatte einen Grund, wie Richterin Wiegand anmerkte: So habe K. die Frauen nach seinen Wünschen formen können. Er hatte unter anderem sehr bizarre sexuelle Bedürfnisse, so wünschte er sich etwa, dass sie Sex mit anderen Partnern haben, erfreute sich an allerlei Spielzeugen und weit derberen Praktiken. Seine Partnerinnen hätten oft nur mitgemacht, weil sie wussten, dass eine Weigerung für sie noch weit schlimmer würde, so Wiegand.

Kein versuchter Mord

Angeklagt waren jedoch „nur“ zwei Taten. Im Sommer 2005 soll er seine zweite Ehefrau – nachdem sie sich von ihm getrennt hatte – in ein Waldstück gelockt, an einem Baum gefesselt und massiv vergewaltigt haben. Damals hatte K. noch in Hessen gelebt. Die zweite Tat hatte die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord angeklagt: K. hat im Januar 2014 seine dritte Ehefrau – die Trennung war besiegelt, das Paar lebte jedoch noch in der gemeinsamen Wohnung in Leuben – mit einem Medikament betäubt. Dann schlug er mit einer gusseisernen Stange auf die Schlafende ein. Mindestens viermal habe er die Frau damit massiv an Kopf und Hals verletzt. Vor oder nach der Tat habe K. ihr die Schambehaarung entfernt. Erst nachdem sie ihn mehrfach aufgefordert hatte, den Rettungsdienst zu rufen, habe er tatsächlich den Notruf gewählt. Strafrechtlich hat das Gericht dies nun als „Rücktritt vom versuchten Mord“ und daher als gefährliche Körperverletzung gewertet.

Viel hatte nicht gefehlt, und die 32-Jährige hätte die Schläge nicht überlebt. Sie schwebte in akuter Lebensgefahr. Ein Knochensplitter, der in die Halsschlagader eindrang, hatte auch noch einen Schlaganfall ausgelöst. Dass die Frau keine bleibenden Folgen erlitt, nannte Richterin Wiegand ein Wunder. So habe die Frau wieder sprechen und laufen lernen müssen.

Volle Schuldfähigkeit bescheinigt

Was K. jedoch dazu erklärte, verschlägt einem den Atem: „Ich bin stolz darauf, dass sie das alles geschafft hat.“ Auffällig war, dass er stets bei anderen die Schuld für seine Verfehlungen suchte, und nur von sich sprach, seinen Problemen, seinen Gefühlen – am Ersten der zwölf Prozesstage seit November sogar rund sieben Stunden lang. Er sei manipulativ, habe schizoide und narzisstische Persönlichkeitszüge, sei aber nach Angaben eines Gerichtspsychiaters voll schuldfähig. K. tat dabei, als sei vieles für ihn neu. Dass er etwa manipulativ sei, wolle er nun genauer wissen. Unwahrscheinlich, dass er sein Urteil akzeptiert.