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Blamieren sich unsere Politiker am See?

Die Studien von Naturschützern spielen bislang kaum eine Rolle bei der Zukunftsdebatte. Das sorgt für Verstimmung.

Von Peter Stosiek

Die Anrainer, die am Berzdorfer See lebenden, wohnenden und arbeitenden Menschen, können sich bisher kaum hinter die touristische Leitidee gestellt haben, da die Studie in ihrer Ausführlichkeit bisher nicht öffentlich zugänglich ist. Die Abwehrreaktionen aus Schönau-Berzdorf zum Zweckverband und zur Namensänderung stellen wichtige Elemente der Leitidee bereits jetzt infrage und überraschen nicht mehr. Mit welcher Oberflächlichkeit nun einer Waldsiedlung am Nordstrand eine Vereinbarkeit zu dieser Studie attestiert wird, dann doch. Allein die geplante Holzbauweise reicht aus, einen Aufstellungsbeschluss voranzutreiben, dessen Spiegelung in der Kurzfassung der Leitidee nicht auszumachen ist. Fast möchte man sagen: Wie immer! Förmliche Verfahren werden eröffnet im Widerspruch selbst zur derzeit gültigen strukturellen Rahmenplanung.

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Herr Engel konnte die „lange bekannten“ Pläne der Investoren zur Waldsiedlung nicht bewerten, weil sie in diesem Rahmenplan nicht vorkommen und Übernachtungstourismus am Nordufer als nachrangig angesehen wird. Hierüber sollten sich die Verbandsmitglieder zuerst und grundsätzlich Gedanken machen, bevor man Aufstellungsbeschlüsse nur noch von fehlenden Grundstückstauschverträgen abhängig macht. Die Frage nach der Verantwortung für die Privatisierung von Strand und Seefläche wird sowieso nicht gestellt, man möge nach vorn schauen. Der OB soll bis September einzelne Module der Studie auf Umsetzbarkeit überprüfen. Gleichzeitig wird der nächste Aufstellungsbeschluss vorangetrieben.

Offensichtlicher kann ein Widerspruch zwischen der Bedienung von Interessen einzelner Investoren und einer fundierten Regionalplanung nicht sein. Man darf gespannt sein, welches Format bürgerschaftlicher Beteiligung auf derartige Vorgehensweisen Einfluss nehmen soll. Im Übrigen werden wichtige, fundierte Positionspapiere zur Gestaltung des Berzdorfer Sees für die Planung nicht einmal ins Auge gefasst: Das Papier der Naturforschenden Gesellschaft vom September vorigen Jahres, das Papier der Bürgerinitiative „Seensucht“, der hoch aktuelle Bericht über die avifaunistische Schutzwürdigkeit des Westufers von europäischem Rang von Markus Ritz und der Beschluss des Regionalverbandes der Bündnisgrünen über die naturverträgliche Nutzung des Berzdorfer Sees.

Die Gestaltung des Sees ist ein Jahrhundert-Projekt. Hier kann man sich als Politiker unsterblich machen. Man kann sich aber auch unsterblich blamieren.