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Blasewitzer protestieren gegen Kitaschließung

In Blasewitz protestieren Eltern derzeit gegen die anstehende Schließung der Kita in der Prellerstraße. Nach Auskunft der Stadt darf die alte Villa wegen Brandschutzmängeln und fehlenden Rettungstreppen nur noch bis Heiligabend weitergenutzt werden.

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In Blasewitz protestieren Eltern derzeit gegen die anstehende Schließung der Kita in der Prellerstraße. Nach Auskunft der Stadt darf die alte Villa wegen Brandschutzmängeln und fehlenden Rettungstreppen nur noch bis Heiligabend weitergenutzt werden. Nun müssen die Kinder in ein Ausweichquartier in der Junghansstraße umziehen. „Jahrelang wurde uns versprochen, dass die Kita neue Fluchttreppen erhält“, schimpft Stefanie Peschke, Mutter von zwei Kita-Kindern. „Und nun sollen unsere Kinder plötzlich woanders hingehen, wo es noch viel schlimmer ist.“

Nach SZ-Informationen sollte das Gebäude in der Junghansstraße aber wegen eklatanter Brandschutzmängel bereits vor Jahren außer Betrieb genommen werden. Behelfsmäßig angebrachte Nottreppen werden von der Bauaufsichtsbehörde jedoch immer wieder befristet genehmigt. Diese bestehen aus Baugerüsten, die an der Hauswand befestigt sind. Deren Geländer sind aber nicht kindersicher. Als Zugang dienen nach innen öffnende Fenster, die gemäß Bauordnung aber viel zu klein sind. Die müssten bei der Größe aber mindestens nach außen aufgehen.

„Eigentlich ist bei einem durch Kinder benutzten Gebäude nur eine brandschutztechnische Abweichung erlaubt“, sagt Stadtrat und Brandschutzexperte Tilo Wirtz (Linke). „Auf der Junghansstraße machen Feuerwehr, Unfallkasse und Bauaufsicht immer wieder Kompromisse und lassen mehrere Mängel gelten.“ Gleichzeitig würden aber an die Prellerstraße andere Anforderungen gestellt.

Beim Brandschutz durchgefallen

Das dortige Gebäude war bei einer Brandschutzbegutachtung im September überraschend durchgefallen. „Das ist eine Riesensauerei“, sagt Christiane Eberts. „Es ist absurd, dass plötzlich nicht mehr funktionieren soll, was vorher rechtens war.“

Bauexperte Wolfgang Sperling hält die Probleme für lösbar. „Treppenhaus und Fluchtwege können problemlos und mit relativ wenig Geld an die Schutzvorschriften angepasst werden“, sagt der Ausbilder für angehende Bauingenieure. „Gemessen an den Millionenkosten für den Umbau des Rathauses handelt es sich um fast vernachlässigbare Bagatellaufwendungen.“

Würde eine innenliegende Fluchttreppe eingebaut, könnten weniger Kinder betreut werden, hält die Leiterin des städtischen Kita-Eigenbetriebs, Sabine Bibas, dagegen. Dabei hatte der Eigenbetrieb schon 2003 eine Baugenehmigung für zwei zusätzliche Außentreppen am Gebäude in der Prellerstraße erhalten. Doch die verfiel nach zwei Jahren Untätigkeit. „Meiner Ansicht nach wurde die Kita absichtlich von der Stadt vernachlässigt“, sagt Wolfgang Sperling. „Das sollte endlich mal untersucht werden, und zwar mit Folgen für die Verantwortlichen.“ (two)