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Blaue Flecke und Ballett

Johanna aus Kamenz über ihre gegensätzlichen Begabungen und warum sie Mädchen-Klischees überhaupt nicht leiden kann.

© Julemarie Vollhardt

Von Julemarie Vollhardt

Kamenz. Johanna Scholz ist 18 Jahre alt und macht dieses Jahr ihr Abitur. Der eine oder andere mag sie bereits im Kamenzer Stadttheater, auf Hiphop- oder Turnwettkämpfen gesehen haben. Doch niemand ahnt, welcher Kampf hinter der jungen Frau liegt.

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Seit 15 Jahren steht Bewegung und Training bei Johanna an erster Stelle
Mit drei fängt sie an, bei SV-Einheit Kamenz zu turnen. Sie lernt, dass man durch Selbstdisziplin und viel Übung fast alles schaffen kann. Durch die vielen Wettkämpfe pusht sich Johanna oft selbst stark, um einen guten Platz zu erreichen. Fünf Jahre danach verliebt sie sich in das Tanzen, alssie einer Vorstellung des Tanztheaters Kamenz Can Dance zusieht. Sie steigt kurze Zeit danach in den Hiphop-Verein ein. 2014 nimmt die junge Tänzerin dann zum ersten Mal am Breakdance-Training des Vereins teil. Es macht ihr solchen Spaß und sie fühlt sich so wohl, dass sie sich zwei Jahre darauf dazu entscheidet, das Hiphop-Tanzen aufzugeben, um sich ganz auf den Breakdance konzentrieren zu können. Und sie entdeckt eine weitere Leidenschaft: das Ballett-Tanzen. Eine motivierende Freundin nimmt sie 2016 mit zu einem Probetraining und ein Jahr darauf nimmt Johanna ein paar Ballett-Stunden.

Eine besondere Rolle für ihre gegensätzlichen Begabungen
In dem diesjährigen Tanztheaterstück des Hiphop-Vereins kann Johanna alle ihre Stärken zum ersten Mal auch anderen zeigen. Sie tritt als gefühlvolle Tänzerin im weißen Kleid auf, macht mit einem Band weiche Bewegungen– und gleich danach kommt sie in schwarzen Sportsachen auf die Bühne, um mit den Jungen die Breakdance-Show zu tanzen. Dieser Auftritt ist für Johanna etwas ganz Besonderes, weil sie die Show mit erarbeitet hat, von der Musik bis zu den Choreografien. Die 18-Jährige ist sowohl vom Ballett fasziniert, als auch vom Breakdance.

Durch das Turnen sind gute Voraussetzungen für das Tanzen gegeben

Beweglichkeit, Sprungkraft und Ausdruck für das Ballett sowie beim Turnen erlernte Bewegungsabläufe sind im Breakdance gefragt. „Das zeigt meine zwei Seiten und, dass das eine das andere nicht ausschließt. Und so ist das auch mit meiner Persönlichkeit“, sagt Johanna. Denn nach außen hin wirkt die junge Frau eher schroff, sportlich extrem ehrgeizig und still. Die wenigsten wissen, dass sie sich und andere viel reflektiert und eher der nachdenkliche Typ ist.

Mit 16 geht gar nichts mehr. Und dann kommt die Erleuchtung.
Als sie mit 16 für ein halbes Jahr bettlägerig ist, bemerkt Johanna, was für ein großer Teil fehlt und gleichzeitig, dass sie sich bis dahin nur durch den Sport definierte. „Mich machte es stolz, unter den Mitschülern immer als die Turnerin bekannt zu sein.“ Seit der Erkenntnis beginnt sie, sich zum Beispiel auch für Musik zu interessieren. Mittlerweile tanzt die 18-Jährige auch einfach gerne allein Zuhause. „Tanzen ist einfach alles für mich, habe ich in der Zeit, in der ich krank war, festgestellt.“ Als die Gesundheit es wieder zulässt, tanzt und turnt sie weiter, konzentriert sich aber auch mehr auf ihre Freunde. Johanna ist nicht gerade das Vorzeigemädchen – zwar hat sie blaue Augen und lange, blonde Haare, doch sind diese meistens zu einem Dutt hochgebunden und Schminken kommt gar nicht infrage. „Wenn ich eine Beule oder einen Pickel habe und ihn überdecke, dann sind die danach ja immer noch da. Ich bin einfach ich. Warum sollte ich mich hinter Schminke verstecken, wenn sie das Bild der anderen von mir verfälscht?“, fragt die 18-Jährige. Der Erwartung ihrer Freunde entgegen wird sie auch zum Abiball keine Ausnahme machen und zum Make-up greifen – man kann ihr nicht gerade unterstellen, sie wäre inkonsequent.

In Zukunft gilt weiter der Sport, die Herausforderungen enden nie
Gegen dumme Sprüche wegen ihrer Art oder ihres Auftretens hat sie nichts. „Die anderen können nicht wissen, was ich durchgemacht habe. Warum sollte ich ihnen dann böse sein?“. Der einzige, der sie wirklich unter Druck setzen kann, ist sie selbst. „Wenn ich mich erst einmal in eine Sache verbissen habe, dann fällt es mir schwer, aufzugeben. Das habe ich aus meiner Vergangenheit gelernt“. In letzter Zeit trainiert die junge Frau auf ein weiteres großes Ziel hin: den Aufnahmetest für ein Sport-Studium.

Die Jugendredaktion der Kamenzer SZ spürt in ihrer selbstentwickelten Serie „Kunst - Kaff - Kamenz“ den künstlerischen Talenten junger Menschen nach.