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Bleiben die Retter noch länger im Container?

Die Gerüchteküche brodelt: Der Bau der neuen Radeberger Rettungswache soll sich verzögern, heißt es.

Von Jens Fritzsche

Radebergs Rettungswache kommt nicht aus den Schlagzeilen. Erst sind es die wirklich skandalösen Zustände, unter denen die Mitarbeiter – die für den Rettungsdienst im Raum Radeberg zuständig sind – hier arbeiten müssen. Denn die vom Landratsamt Bautzen – das ist für den Rettungsdienst zuständig – für die Rettungswache angemieteten Räume im Untergeschoss des Radeberger Krankenhauses sind viel zu klein, es gibt keine nach Geschlecht getrennten Sanitärräume, hieß es deshalb im Frühjahr in einem anonymen Brief von Mitarbeitern an die SZ. Der Putz riesele von den Wänden, auch Schimmelbefall gebe es, hieß es weiter. Dann stellte der Landkreis Container als Zusatzquartier für die Retter auf dem Parkplatz des Krankenhauses auf – allerdings lange Wochen ohne eine Stromversorgung und ohne Licht … Und nun – so kocht es derzeit heftig in der Radeberger Gerüchteküche – drohe der seit Jahren avisierte Neubau der Rettungswache zwischen Parkplatz und Hubschrauberlandeplatz gegenüber des Radeberger Krankenhauses auch noch ganz zu kippen. Grund, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, sei der Hubschrauberlandeplatz, der nicht wie geplant ein paar Meter verlegt werden könne. Damit müsste das Projekt erneut um Jahre verschoben werden – weil ein neuer Platz für die neue Rettungswache gefunden werden müsste … Zudem, so köchelt es in der Gerüchteküche weiter, werde das eingeplante Geld – immerhin zwischen drei und vier Millionen Euro – vom Landkreis anderweitig benötigt. So dass dem Kreis, die Verschiebung des Baus sehr gelegen komme.

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Aber Madlen Paul von der Pressestelle des zuständigen Landratsamtes in Bautzen kann beruhigen: Von einem Verschieben der Neubaupläne könne im Moment keine Rede sein, auch nicht von finanziellen Problemen. „Die Hubschrauberlandestelle soll erhalten werden, dafür musste allerdings im Bebauungsplan das Baufeld für die Rettungswache und die künftige Landestelle noch etwas verschoben werden“, beschreibt sie. Und räumt ein, dass es „im Rahmen des Planverfahrens Irritationen zu den technischen Anforderungen an die Landestelle gab, diese sind aber ausgeräumt.“ Das für den Bau der Rettungswache notwendige Bebauungsplanverfahren sei zwar noch nicht abgeschlossen, „sollte aber demnächst zum Abschluss kommen“, so Madlen Paul. Die Realisierung des Bauvorhabens sei jedenfalls im Haushaltsplan 2014 vorgesehen. Heißt, es wird gebaut! Bisher geplant ist ein Baubeginn im zweiten Quartal 2014, die Fertigstellung ist für Ende 2015 angestrebt. Der Landkreis plant eine Rettungswache mit elf Stellplätzen für Rettungsfahrzeuge und etwa 60 Mitarbeitern, die im Schichtdienst arbeiten sollen.

Das Landratsamt hatte sich in den vergangenen Monaten wegen der Radeberger Rettungswache immer wieder heftige Kritik anhören müssen. Im Mai hatten sich Mitarbeiter der Rettungswache wie erwähnt mit einem anonymen Brief an die SZ gewandt und die schlimmen Zustände beschrieben. Die Wache hatte dabei bereits Ende 2011 kurz vor der Schließung gestanden. Wegen Blauschimmelbefalls. Zudem, so hieß es in dem Brief weiter, müssten sich stellenweise bei Dienstübergabezeiten bis zu 25 Mitarbeiter in den beengten Räumlichkeiten drängen. Frauen und Männer gemeinsam … Und auch die Stellplatzsituation für die Rettungsfahrzeuge sei unzureichend. Vor allem im Winter, wenn die Fahrzeuge bei Minusgraden dem Angriff des Frostes ausgesetzt sind.

Das Landratsamt hatte nach der Veröffentlichung in der SZ versprochen, bis zu einem geplanten Neubau zumindest Umkleidecontainer aufstellen zu lassen. Das war dann im Sommer auch passiert, aber wie erwähnt zunächst ohne Strom. „Anfangs haben wir dann Autos so postiert, dass wir mit dem Scheinwerferlicht die Innenräume beleuchten konnten, bis wir dann die Idee mit den Stirnlampen hatten“, erzählte daraufhin ein Mitarbeiter, der seinen Namen vorsichtshalber nicht in der Zeitung lesen wollte. Ende September gab’s dann auch Licht und Strom in den Containern.

Seit 2008 wird über den notwendigen Neubau einer Rettungswache in Radeberg gesprochen. Zunächst prüfte der Landkreis verschiedene mögliche Standorte. So war beispielsweise auch ein Neubau neben der Feuerwache am Bruno-Thum-Weg ins Auge gefasst worden. Letztlich entschied man sich aber für die Nähe zum Radeberger Krankenhaus, was sicher auch durchaus Sinn machen dürfte.