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Bleibt die Fassade?

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Abriss der Freitaler Lederfabrik deutet sich ein Kompromiss an. Der gefällt nicht jedem.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Abriss oder Erhalt der Lederfabrik? Diese Frage hat in den vergangenen Wochen und Monaten Stadträte, Rathausspitze und viele Freitaler beschäftigt. Doch möglicherweise könnte nun ein Mittelweg zwischen diesen beiden Varianten gefunden werden. Die Denkmalbehörde des Landratsamtes und die Stadt Freital sind derzeit wegen eines möglichen Kompromisses im Gespräch. Wie nun bekannt wurde, geht es dabei um die Frage, ob und wie die Fassade erhalten werden könnte. Ende April/Anfang Mai soll eine Entscheidung fallen.

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Die trifft die Denkmalbehörde des Landkreises gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege, weil es sich bei der Lederfabrik um ein Denkmal handelt. Die Stadt Freital hatte im November einen Antrag auf denkmalschutzrechtliche Abrissgenehmigung gestellt und im Februar noch einmal Unterlagen nachgereicht.

Am Dienstagabend beschäftigte sich die Freitaler CDU-Stadtratsfraktion in einer öffentlichen Sitzung mit dem Thema. Oberbürgermeister Uwe Rumberg, der auch Chef der Freitaler Christdemokraten ist, informierte dabei über den aktuellen Stand der Gespräche. „Die Signale gehen in die Richtung, dass das Gebäude abgerissen werden kann“, so Rumberg. Es würden aber derzeit Überlegungen angestellt, ob es möglich sei, die Fassade zu erhalten. „Es ist aber noch alles offen. Es ist ein laufendes Verfahren.“

Verschwendung von Steuermitteln?

Auch das Landesamt für Denkmalpflege will sich derzeit nicht zu Details äußern. „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu dem laufenden Verfahren zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht medial äußern möchten“, so eine Sprecherin. Die Stellungnahme des Hauses zum Abrissantrag Freitals soll Ende April vorliegen. Das Landratsamt als untere Denkmalschutzbehörde entscheidet dann im Einvernehmen mit der Denkmalfachbehörde – dem Landesamt für Denkmalpflege.

Rumberg machte am Dienstag keinen Hehl daraus, dass er von einem Erhalt der Fassade wenig hält. „Wir reden hier von Geld, das aus der öffentlichen Kasse kommt“, sagte er. Die Kosten, nur die Fassade zu erhalten, seien immens. „Ich warne davor, zu viele Erwartungen zu hegen, dass das jemand machen würde“, so Rumberg. „Wir sollten jetzt keine Stolpersteine in den Weg legen.“

Der Oberbürgermeister macht sich seit seiner Wahl 2015 für einen Komplettabriss des Hauses stark. Im Mai 2017 hatte auch eine Stadtratsmehrheit für den Abriss gestimmt – wegen der hohen Sanierungskosten im Vergleich zu einem Abriss und wegen den Schadstoffen, die noch im Gebäude stecken und zum Risiko werden könnten. 2013 hatte die Stadt Freital die Immobilie nach einem Stadtratsbeschluss für rund 700 000 gekauft.

Unter anderem dieser Beschluss dient nun als Argument für die Befürworter eines Lederfabrik-Erhalts. FDP-Stadtrat Lothar Brandau meldete sich am Mittwoch mit einer Mitteilung zu Wort, die er auch im Stadtrat am Donnerstag verlesen will.

Der Ankauf mit dem Ziel des Erhalts und der Sanierung der Lederfabrik sei damals mit 24 zu sieben Stimmen beschlossen worden. Basis für diesen Beschluss sei ein Gutachten, das die Nachnutzung des Gebäudes voraussetzte, gewesen. „Wäre ein Abriss, wie heute von einer Mehrheit im Stadtrat beschlossen, zum Zeitpunkt des Kaufes in Erwägung gezogen worden, dann hätte der Kaufpreis damals nicht 691 000 Euro, sondern maximal einen Euro betragen dürfen. Alles andere wäre verantwortungslose Steuermittelverschwendung.“

Freital brauche dringend weitere Gewerbe- und Büroflächen. „Unsere gut ausgebildeten Kinder und Enkel finden nicht ausreichend qualifizierte Arbeitsplätze in der Stadt, müssen fortgehen und unterstützen damit andere Regionen.“ Für den Erhalt des Gebäudes würde es hohe Fördermittelquoten geben.

Rumberg und die CDU, die die mit Abstand stärkste Fraktion im Stadtrat stellt, sehen das anders. Egal, ob es sich um städtisches Geld oder um Fördermittel handele, man rede immer von Steuergeld.

Die bevorzugte Variante ist die, dass der Freistaat auf dem dann beräumten Lederfabrik-Grundstück das versprochene Haus der Bildung, ein Behördenstandort, errichtet. Wenn das nicht klappe, werde man die Fläche wohl für einen privaten Investor ausschreiben, so Rumberg. Zunächst aber muss die Entscheidung der Denkmalbehörden abgewartet werden. „Wir hoffen, dass wir den Denkmalschutz mit Fakten überzeugen können“, so Rumberg.