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Bleibt Kesselsdorf auf den Bauschuttbergen sitzen?

Die Abfallberge türmen sich. Aber der Grumbacher Unternehmer versichert, er halte an seiner geplanten Recyclinganlage fest.

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Von Stephan Klingbeil

Eigentlich sollte die Recyclinganlage an der Unkersdorfer Straße/ Ecke Inselstraße in Kesselsdorf auf Hochtouren laufen. Doch statt brummender Maschinen hört man momentan lediglich die Vögel zwitschern. Die Firma Erd- und Tiefbau Jens Barth wollte auf dem Privatgelände einen mobilen Backenbrecher in Betrieb nehmen.

Beton- und Ziegelbruch sollte dort zerkleinert und wieder aufbereitet werden. 100000 Tonnen pro Jahr. So hatten es die Unternehmer aus Grumbach in ihrem Antrag vorgesehen. Außerdem war auf dem lange Zeit verwaisten Areal ein Lagerplatz für nicht gefährliche Recyclingbaustoffe geplant.

Bauschutt und Erde stapeln sich bereits dort, wo einst, in Bauboomzeiten, die Ready Beton Sachsen GmbH Beton gemischt hat. Spaziergänger und Anwohner aus Kesselsdorf sind nun besorgt, dass die Stadt Wilsdruff auf den Kosten für die Beseitigung des Bauschutts sitzen bleibt. „Da sich dort lange nichts getan hat, befürchten manche, dass die öffentliche Hand jetzt dafür aufkommen muss“, sagt der Kesselsdorfer Ortsvorsteher Türk Müller.

Lärmtests verliefen positiv

Die Stadtverwaltung habe bereits „alles getan, was in ihrer Macht steht“ und den Eigentümer informiert. Im Technischen Ausschuss und im Ortschaftsrat hatte es 2008 und 2009 Stellungnahmen zu dem Thema gegeben. „Wir haben aber nicht die Kompetenzen, darüber zu entscheiden“, sagt Müller. Positive Testläufe der Maschinen habe es auf dem Firmengelände schon gegeben. Es ging um emissionsrechtliche Bestimmungen. Darum, ob benachbarte Anlieger unerträglichen Lärm befürchten müssten.

Für das Vorhaben ist das Bundesimmissionsschutzgesetz maßgeblich. Zuständige Genehmigungsbehörde für die im April 2008 beantragte Abfallbehandlungsanlage ist somit das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Ob die Anlage aber selbst im Falle einer Genehmigung jemals in Betrieb genommen werden kann, ist ungewiss. „Ob und wann wir beginnen können, steht in den Sternen“, sagt Jens Barth. Der Unternehmer verweist auf das ausstehende Genehmigungsverfahren. „Normalerweise dauert ein solches Verfahren nicht so lange“, wundert er sich.

Am 2. Juni habe die Firma Barth die letzten Antragsergänzungen im Referat Immissionsschutz abgegeben, erklärt die Abteilungsleiterin Umwelt, Ingrid Krumlovsky. Derzeit würden „abschließende Stellungnahmen durch die noch zu beteiligenden Fachreferate erarbeitet“. Erst im Anschluss wird über eine Genehmigung entschieden. Und da der Antragsteller seinen Antrag bisher nicht zurückgezogen habe, sei ihm nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz die Genehmigung zu erteilen, sofern „die Voraussetzungen erfüllt werden“.

Firma müsste Abfall beseitigen

Sorgen, dass die Kommune womöglich auf den Kesselsdorfer Bauabfällensitzen bleibt, könnten dennoch nicht ganz unbegründet sein. Auch wenn das Landratsamt erklärt, dass, falls die Betreiberfirma die Ablagerung des Bauschutts veranlasst habe, ihr auch die Beräumung der Fläche auferlegt werden kann.

Denn der Stadtverwaltung liegen Informationen vor, dass im Juni eine Umfirmierung stattgefunden habe und die Firma Erd- und Tiefbau Jens Barth „so nicht mehr existieren“ würde. „Die Firma gibt es, sie arbeitet noch“, versicherte dagegen Jens Barth am Freitag. Außerdem halte man an der Recyclinganlage fest. Man warte eben nur noch auf grünes Licht vom Landkreis.