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Nirgends blitzt es öfter

Der Landkreis Meißen ist Sachsens Blitzerkönig – das spült Millionen in die öffentlichen Kassen.

Der Starenkasten in Diesbar-Seußlitz an der S 88 wird vom Landratsamt betrieben – er gehört zu den „erfolgreichsten“ im Altkreis Riesa.
Der Starenkasten in Diesbar-Seußlitz an der S 88 wird vom Landratsamt betrieben – er gehört zu den „erfolgreichsten“ im Altkreis Riesa. © Sebastian Schultz

Riesa/Meißen. Der Landkreis Meißen ist und bleibt beim Thema Blitzen die Nummer eins in Sachsen. Wie schon im Vorjahr wurden auch 2018 die meisten Geschwindigkeitskontrollen im Kreis Meißen durchgeführt. Das gab das sächsische Innenministerium jetzt im Rahmen einer Kleinen Anfrage aus den Reihen der Landtagsfraktion der Linken bekannt. Demnach wurden im Landkreis knapp 7 600 Kontrollen durchgeführt. Mit weitem Abstand folgen die Landkreise Bautzen und Leipzig mit mehr als 3.100 beziehungsweise 2.100 Kontrollen. In der Zahl der tatsächlichen Kontrollstunden und der gemessenen Geschwindigkeitsüberschreitungen liegt der Landkreis allerdings eher im Mittelfeld. Zudem weist das Innenministerium darauf hin, dass es keine Vorgaben für die statistische Erfassung dieser Daten gibt und ein Vergleich deshalb schwierig ist. Die SZ hat im Landkreis noch einmal nachgefragt.

Denn neben dem Landratsamt betreiben auch mehrere Kommunen stationäre und mobile Blitzer. So führen Coswig und Radebeul, Großenhain, Riesa und Meißen Geschwindigkeitskontrollen in Eigenregie durch. Sowohl bei der Anzahl der Messgeräte als auch bei den Einnahmen hat jedoch das Landratsamt die Nase weit vorn.

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Raser bescheren dem Landkreis mehr als zwei Millionen Euro

Insgesamt hat das Landratsamt 13 Blitzer im Einsatz. Die zehn stationären Anlagen sind im gesamten Kreis verteilt und stehen in den Gemeinden Thiendorf, Nünchritz und Diera-Zehren sowie je zweimal in den Gemeinden Stauchitz und Käbschütztal und sogar dreimal in der Gemeinde Klipphausen. Die Starenkästen zählten im vergangenen Jahr knapp 54.400 Geschwindigkeitsüberschreitungen, heißt es aus dem Kreisordnungsamt. Welche Blitzer am meisten auslösten, werde nicht statistisch erhoben. Allerdings hatte der MDR im vergangenen Jahr den Blitzer an der S 88 in Diesbar-Seußlitz zu den „Blitzer-Meistern“ gekürt. Neben den stationären Anlagen betreibt das Landratsamt auch noch drei mobile Blitzer vom Typ Leivtec XV 3, die im gesamten Kreisgebiet eingesetzt werden und noch einmal knapp 30.000 Geschwindigkeitsüberschreitungen zählten.

Insgesamt nahm der Landkreis damit im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Euro ein, im Vorjahr brachten die Blitzer mit knapp 1,9 Millionen Euro noch etwas weniger ein.

Radebeul und Coswig blitzen weniger als im Vorjahr

Von den Kommunen im Landkreis ahnden Radebeul und Coswig Temposünder am aktivsten. Fünf stationäre Anlagen stehen allein in Radebeul – sie wurden im vergangenen Jahr knapp 27.000 Mal ausgelöst, informiert Stadtsprecherin Ute Leder. Die beiden Starenkästen an der Waldstraße gehören laut MDR ebenfalls zu den „Blitzer-Meistern“. Zudem setzen beide Städte auf eine ähnliche Technik wie der Landkreis und betreiben zwei mobile Blitzer vom Typ Leivtec SV 3. Die beiden Geräte erfassten im vergangenen Jahr insgesamt knapp 8 500 Geschwindigkeitsüberschreitungen in Coswig und Radebeul.

Dennoch gab es für die Kommunen, die gemeinsam die Geschwindigkeitskontrollen durchführen, ein dickes Minus bei den Einnahmen. Nahmen sie 2017 noch etwa 802.000 Euro an Verwarn- und Bußgeldern ein, waren es 2018 nur 663.000 Euro.


© SZ-Infografik

Meißner Blitzer im Schottenbergtunnel ist am effektivsten

Die Stadt Meißen betreibt nach eigenen Angaben lediglich einen einzigen Blitzer – der ist allerdings sehr effektiv und zählt laut MDR ebenfalls zu den „Blitzer-Meistern“ in Sachsen. Der Traffistar S 330 im Schottenbergtunnel wurde 2018 mehr als 9.600 Mal ausgelöst. Damit hat die Stadt vergleichsweise hohe Einnahmen erzielt: Waren es 2017 noch 177.000 Euro, sind es 2018 knapp 182.000 Euro gewesen. Und es könnten künftig noch mehr werden, denn Meißen will aufrüsten. Geplant ist die Anschaffung eines mobilen Geschwindigkeitsmessgerätes.

Riesas Blitzer melden auch Straftaten

Wie Meißen hat auch Riesa beziehungsweise die beauftragte Firma nur einen Blitzer im Einsatz – und zwar das mobile Messgerät Poliscan Speed. 2018 ahndete die Stadt knapp 6.600 Fälle von Geschwindigkeitsüberschreitungen und nahm damit etwa 153.000 Euro ein. Ähnliche Zahlen gab es auch bereits im Vorjahr.

Laut Innenministerium ist Riesa jedoch die einzige Kommune im Kreis, die auch fünf Straftaten gemeldet hat. „Es werden von uns grundsätzlich bei Verdacht auf Vorliegen einer Straftat entsprechend Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft erstattet“, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler dazu. Dabei handele es sich zumeist um Verdachtsfälle auf Kennzeichenmissbrauch oder Fahren ohne Führerschein.

Ansonsten spreche man bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung um bis zu 20 Kilometer pro Stunde in der Regel von einer Verwarnung, darüber hinaus erfolge die Festsetzung der Geldbuße per Bußgeldbescheid. Auch bei Nichtakzeptieren der Verwarnung beziehungsweise bei Nichtbezahlung des Verwarngeldes wird in der Regel ein kostenpflichtiger Bußgeldbescheid erlassen, so Riesas Stadtsprecher.

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Im kreisweiten Vergleich verdient Großenhain mit den Geschwindigkeitskontrollen zwar am wenigsten – im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Stadt aber ein dickes Plus. Mehr als 5.100 Geschwindigkeitsüberschreitungen wurden im vergangenen Jahr geahndet, im Jahr zuvor waren es mit mehr als 4.150 noch knapp tausend Überschreitungen weniger. Dementsprechend stiegen auch die Einnahmen für die Stadtkasse: von knapp 105.000 auf knapp 124.000 Euro.

In Großenhain finden die Geschwindigkeitsmessungen vor allem mit dem Schwerpunkt Kindereinrichtungen statt, sagt Stadtsprecherin Diana Schulze. Die mobilen Messgeräte werden von der beauftragten Firma gestellt und sind vom Typ Leivtec oder Radar.

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