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Blitzlichtgewitter vorm Gymnasium

Über Sinn und Unsinn von Geschwindigkeitskontrollen lässt sich bekanntlich streiten. Viele Autofahrer argumentieren mit Abzocke, da die Messgeräte auch oft dort stehen, wo auf den ersten Blick keine Fußgänger oder Kinder gefährdet werden.

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Von Peggy Zill

Über Sinn und Unsinn von Geschwindigkeitskontrollen lässt sich bekanntlich streiten. Viele Autofahrer argumentieren mit Abzocke, da die Messgeräte auch oft dort stehen, wo auf den ersten Blick keine Fußgänger oder Kinder gefährdet werden. Uwe Kranig ist Messangestellter bei der Verkehrsüberwachung der Polizeidirektion Westsachsen und kennt die Ausreden der Autofahrer und ihre Klagen. „Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Manche maulen, manche wollen einfach nur wissen, wie schnell sie waren.“ Das Kopfschütteln der Autofahrer sei normal. Seit acht Jahren ist er mit seinem Blitzgerät auf Westsachsens Straßen unterwegs. Gestern parkte er seinen VW für jeweils eine Stunde in zwei verschiedenen 30er-Zonen: an der Bahnhofstraße in Waldheim und an der Straße des Friedens in Döbeln. Den roten Blitz sahen Autofahrer erst bei mindestens 12 Stundenkilometern zu viel.

Nur zwei Autofahrer, die in Waldheim unterwegs waren, bekommen in den nächsten Tagen Post. Und auch der Radfahrer, der mit 40 Kilometern pro Stunde den Berg runterrollte, hatte Glück.

Von 178 gemessenen Fahrzeugen in Döbeln vorm Gymnasium waren 32 zu schnell – das ist jeder Fünfte. „Einige könnten jetzt argumentieren, dass ja Ferien sind. Aber wer jetzt rast, der rast auch in zwei Wochen“, erklärt Uwe Kranig. An manchen Messpunkten erwischt man besonders viele, an anderen gar keinenen, so Kranig. Der Polizei gehe es aber auch nicht darum, möglichst viele Fahrer zu blitzen, indem die Blitzgeräte regelrecht versteckt werden. Kontrollen sind auch nicht immer nur an Unfallschwerpunkten oder vor Schulen. „Diese Regelung soll der allgemeinen Disziplinierung der Fahrzeugführer dienen und verhindern, dass es zu dauerhaft unkontrollierten Bereichen kommt“, erklärt Wolfram Knauf von der Polizeidirektion Westsachsen. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten sei es selten möglich, Messgeräte direkt vor Schulen oder Kindergärten aufzubauen.

Mit der Laserpistole hat die Polizeidirektion Westsachsen im ersten Halbjahr vier Kontrollen in Döbeln, Waldheim und Leisnig durchgeführt. Von den 123 gemessenen Fahrzeugen waren 25 zu schnell. Mit der Multanova, mit der Uwe Kranig gestern unterwegs war, wurde 33 Mal gemessen. Von den mehr als 5700 Autos wurden 317 geblitzt. Auf Staats- und Bundesstraßen wird mit einer Lichtschranke gemessen. 470 von 7799 Autos waren zu schnell. Insgesamt gab es 59 Kontrollen.

Der Landkreis Mittelsachsen hat ein Fahrzeug mit mobiler Messtechnik. Damit hat er bis Ende Juni rund 200 Messungen durchgeführt und dabei 2400 Autofahrer abkassiert. Zu den häufigsten Kontrollpunkten wollte das Landratsamt keine Auskunft geben. „Die Messstellen sind flächendeckend angelegt und werden in regelmäßigen Abständen aufgesucht“, erklärt Pressesprecher André Kaiser. Da sich Stadt, Landratsamt und Polizei nicht absprechen, kann es also auch sein, dass an einer Straße doppelt geblitzt wird.