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„Bloß nicht die Hände stillhalten“

Lesen macht einsam? Von wegen. Ursula Prade hat mit ehrenamtlicher Tätigkeit Anschluss in Dresden gefunden.

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Von Iris Hellmann

Tag des Waldes, Tag des Schlafes oder Weltknuddeltag: Gestern war wieder so ein besonderes Datum. Der 5. Dezember ist internationaler Tag des Ehrenamtes, Menschen zu ehren, die anderen oft leise und ohne Bezahlung und viel Tamtam helfen. Menschen wie Ursula Prade.

Die Rentnerin wohnt seit etwa acht Jahren in Dresden. „Als ich herkam, wollte ich hier auch heimisch werden“, sagt sie. „Wenn man nicht mehr arbeitet, ist das schon etwas schwerer.“ Anschluss fand die ehemalige Lehrerin schnell beim Verein SWIS (Senioren wohnen im Stadtteil). Sie machte eine Ausbildung zur Seniorenbegleitung. Im Februar dieses Jahres hat sie außerdem die Leitung des Literaturzirkels im DRK-Seniorenzentrum Impuls in der Bürgerstraße übernommen. Hier stellt sie Bücher vor, die ihr persönlich am Herzen liegen. „Dabei profitiere ich natürlich auch vom Wissen der anderen“, erzählt sie. Mit vier Teilnehmern hat sie begonnen, mittlerweile ist die lockere Runde auf bis zu 14 Leser gewachsen. Ihre Ehrenämter sind für sie eine Arbeit, die ihr auch persönlich viel gibt. „Ich will nicht daheimsitzen und die Hände stillhalten. Die Arbeit gibt mir die Möglichkeit, aus der Einsamkeit herauszukommen und gleichzeitig etwas für andere zu tun“, sagt sie.

So wie Ursula Prade gibt es viele Dresdner, die sich für andere engagieren. Allein im Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Dresden engagieren sich etwa 650, die freiwillige Arbeit leisten. „Ihre Hilfe ist vor allem im sozialen Bereich unersetzlich“, sagt Ulrike Peter, Pressesprecherin des DRK-Verbandes Dresden. „Ob vorlesen, Einkäufe erledigen, Schach spielen oder einfach nur ein gutes Gespräch – all das sind Dinge, die Pflegefachkräfte nicht schaffen, die aber für Hilfebedürftige Lebensqualität bedeuten“, so Peter weiter.