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Blühende Herausforderung

Nur noch drei Kamenzer Gärtnereien fertigen Forstfestschmuck. So auch Schefflers. Am Sonnabend ist Großkampftag.

© René Plaul

Von Ina Förster

Kamenz. Lila Aster. Draht dran. Weiße Aster. Draht dran. Rosa Aster. Draht dran. Und das bitte 10 000 Mal. Die fleißigen Helfer der Gärtnerei Scheffler werden Sonnabendnacht sicherlich von Blumen träumen, wenn sie nach der Bierprobe müde ins Bett fallen. Vorausgesetzt, sie schaffen es überhaupt noch bis auf den Festplatz. Denn der Job, den die 25 Forstfest-Enthusiasten zu leisten haben, ist hart. Pünktlich zum Sonnabend ist Großkampftag in der Gärtnerei Scheffler. Wie bei den Kollegen auch. Und wie jedes Jahr im August.

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Im Keller der Gärtnerei hängen die fertig gebundenen Kränze bereits seit ein paar Tagen. Fehlen noch die Blumen. Horst Scheffler ist der Meister der Koordination.
Im Keller der Gärtnerei hängen die fertig gebundenen Kränze bereits seit ein paar Tagen. Fehlen noch die Blumen. Horst Scheffler ist der Meister der Koordination. © René Plaul
Tochter Astrid kennt die Tradition seit ihrer Kindheit, musste immer mit anpacken. Ein Eichenkranz ist für sie keine Schwierigkeit. Auch ihre Freunde helfen fleißig mit.
Tochter Astrid kennt die Tradition seit ihrer Kindheit, musste immer mit anpacken. Ein Eichenkranz ist für sie keine Schwierigkeit. Auch ihre Freunde helfen fleißig mit. © René Plaul

Dazu hat man Bekannte und Nachbarn und nicht zuletzt die komplette Familie aus nah und fern eingeladen. Alte Hasen sind dabei. Und neue Gesichter. Die Jugend muss langsam nachrutschen, weiß man. Schließlich mögen ja, wie im alten Lied beschrieben, auch „in später Zeit Forstfestlieder tönen“. Kommenden Montagmittag muss jedenfalls alles fertig sein – die Kränze und Lyren, die Bögen und Füllhörner, die großen und kleinen Blumenkörbchen. Dann stehen die Mamas und Papas der Forstfestkinder vor der Tür und möchten fast alle zur gleichen Zeit den Umzugsschmuck abholen. Da heißt es nur: Ruhe bewahren und die alt bewährten Handgriffe erledigen.

Astern werden selbst angebaut

Familie Scheffler kennt den Stress, den das liebste Heimatfest ihnen Jahr für Jahr ins Haus beschert. Das heißt – eigentlich beginnen die Vorbereitungen bereits lange vor der Bartholomäuswoche. Seit 14. August wurden Reisig geschnitten und Kränze vorgewunden. „Und bereits im März säe ich die Astern aus“, so Chef Horst Scheffler. Später werden sie pikiert. Zukaufen wäre später viel zu teuer. Aktuell liegt der Preis für eine Blume bei 20 bis 30 Cent. Eine einzige Lyra hat allein etwa 170 Blüten. Insgesamt brauchen Schefflers auch 2016 wieder weit über 10 000 Stück davon. Wer sollte das bezahlen?

So bleibt der Kranz frisch

Tipp vom Fachmann: Nach dem Umzug Kränze, Bögen, Lyren und andere Schmuckelemente einmal kräftig mit der Gießkanne anfeuchten. Dann in Ruhe lassen. Achtung: Nicht zu viel gießen – dann fault‘s!

Lagerung: Kühl abstellen, es muss aber nicht unbedingt dunkel sein.

Eichenkränze brauchen eine besonders kräftige Dusche nach dem Umzug.

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Die Stadt selbst muss ab diesem Jahre ohnehin mehr investieren in den Forstfestschmuck. Und auch die Eltern werden – wenn auch verträglich – etwas mehr zur Kasse gebeten. Horst Scheffler war einer der Kamenzer Gärtner, die bereits im Frühling im Stadtrat die missliche Lage aufzeigten. „Es ging einfach nicht mehr so weiter wie in den letzten Jahren“, meint er. „Die Preise sind gestiegen, sei es beim Steckdraht, beim Saatgut, nicht zuletzt die Betriebskosten einer Gärtnerei“, so Scheffler.

Altersbedingte Probleme

„Müssten wir die kompletten Arbeitskräfte entlohnen, dann ginge überhaupt gar nichts.“ Anders sieht es bei den Kollegen Petasch im Herrental und Steiger an der Güterbahnhofstraße auch nicht aus. Ohne ehrenamtliche Helfer wäre die blühende Herausforderung nicht zu stemmen. Man möchte eigentlich gar nicht darüber nachdenken, was in einigen Jahren wird, wenn die drei Kamenzer Gärtnereien altersbedingt vor Problemen stehen. Nachwuchs ist kaum vorhanden. Neue Gärtnereien werden nicht wie Pilze aus dem Boden schießen. Ist das Forstfest dann in Gefahr?

„Man sollte seitens der Stadt jedenfalls rechtzeitig nach Lösungen suchen. Noch vor Jahren waren wir einige Kollegen mehr. Nun meistern wir den Festumzug zu dritt. Auswärtige Gärtner wurden angefragt, aber da will keiner richtig ran. Auch wegen des Aufwand-Nutzen-Faktors. Und die Teilnehmerzahlen beim Forstfestumzug stiegen in den letzten Jahren wieder“, gibt Horst Scheffler zu bedenken. Was also zum einen erfreulich für die Stadt ist, bereitet den hiesigen Gärtnern mehr und mehr Kopfzerbrechen. „Hätten wir unsere treuen Helfer nicht, liefe gar nichts“, so der Chef.

Trotzdem will man nicht verzagen. Und nichts schlechtreden. Das Forstfest muss weiterleben. Da ist man sich einig. Die Kraft dafür holt sich das Traditionsunternehmen auch aus seiner Heimatliebe. Tochter Astrid war die allererste Blütenkönigin von Kamenz. Die Firma gibt es in vierter Generation. Da schwingt Stolz mit. Und Kraft. Sonnabendmorgen 7 Uhr stürzte man sich jedenfalls mit der motivierten Helferschar in die Arbeit. Der Einsatz dauert bis abends. Unter Vollverpflegung und bei guter Laune. Dann muss das Gros fertig sein. Die Tonnengewölbekeller und spezielle Halterungen warten schon auf die Ware. Die Logistik unterliegt dem Chef persönlich. Nur kein Durcheinander, nur keine Panik! Schleifen müssen angebracht , alles klassenweise sortiert werden.

Wenn Montagmittag der Umzug beginnt, steht Familie Scheffler geschafft, aber stolz am Rand. Und danach geht es endlich mit dem Taxi in den Forst.