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Blues und Jazz treffen auf Rap und Hip-Hop

Rocknacht. Die achte Auflage mit vier Bands aus der Region findet am Sonnabend statt. Die SZ stellt eine Gruppe vor: „Mischgemüse“.

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Von Ingo Kramer

Rock lebt, will man meinen. Bisweilen aber ist heute alles anders als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten. Da werden Stile vermengt, an die sich damals noch keiner rangetraut hätte oder die es noch nicht einmal gab.

„Mischgemüse“ sind der beste Beweis. Eine Band aus fünf individuellen Charakteren mit Wohnorten im Dreieck Görlitz-Ostritz-Löbau, die allesamt ihre eigenen Einflüsse mit in die Band bringen. Diese reichen von Blues, Jazz und 50er-Jahre-Rock ’n’ Roll über Country, Punk, Metal und Rock bis zu Reggae, Rap und Hip-Hop. Heraus kommt „Mischgemüse“, ein Stil, den die Musiker selbst kaum in einem prägnanten Wort zusammenfassen können. „Roots Rock trifft es wohl am ehesten“, sagt Bassist Norman Weickert (21). Und so wie Gitarrist René Schindler (25) sind alle fünf froh über die Mischung: „Es ist gut, dass wir uns nicht zu irgendetwas zwingen müssen.“

In eine Schublade stecken lässt sich das Quintett aber auch deshalb nicht, weil ihre Stücke bei jedem Auftritt anders klingen. „Selbst ein ruhiges Stück kann bei uns schon mal eskalieren“, sagt Schlagzeuger Daniel Hüttig (23). „Wir lassen es einfach fließen“, ergänzt Sänger Gabriel Rafelt (24). Was übrigens nicht heißen soll, dass die fünf ihre vor drei Jahren gegründete Band nicht ernst nehmen.

Ausschweifende Proben

Zwei- bis dreimal in der Woche wird im Ostritzer Proberaum geübt und das kann sehr ausschweifend sein. „Wir haben schon einmal sieben Stunden am Stück geschafft“, erläutert Gitarrist Martin Hennig (18). Dabei werde nichts erzwungen, aber es komme dennoch immer etwas heraus. Außerdem habe keiner der fünf eine Zweitband. Alle Energien fließen in die eine Formation, denn, so Martin, „das Mischgemüse soll ja auch schmecken.“

Wert legt das Quintett auf eine ausgewogene Mischung aus eigenen Stücken und Covers. Letztere stammen übrigens, wie sollte es anders sein, von sehr unterschiedlichen Künstlern.

Songs der Blues Brothers und von Bob Dylan finden sich bei „Mischgemüse“ ebenso wieder wie deutschsprachige Stücke, etwa der „Rauchhaussong“ von Ton Steine Scherben. Die eigenen Stücke hingegen sind komplett deutschsprachig und stammen zumeist aus Gabriels Feder. „Ich versuche, Irrwege in unserer Gesellschaft offenzulegen und die Leute zum Nachdenken anzuregen“, sagt der Texter. Dazu eigne sich die eigene Muttersprache am Besten.

Spaßsongs finden sich dennoch im Repertoire der Band. Die gehören schon deshalb dazu, weil „Mischgemüse“ eine absolute Liveband sind und das Publikum live Spaß haben will. Im Detail geplant werden die Auftritte vorher nicht. Stattdessen entwickelt sich jedes ihrer Konzerte entsprechend der Stimmung im Publikum.

Ruf als Liveband

„Für Studioaufnahmen fehlt uns hingegen die Technik“, sagt Martin, und Gabriel fügt an, dass es wohl auch an der Disziplin mangele. Ihren Ruf als Liveband können sie an diesem Sonnabend unter Beweis stellen. Ab 20 Uhr werden sie die 8. Görlitzer Rocknacht in der Landskron-KulturBrauerei eröffnen.