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Blumen für die Opfer des Nationalsozialismus

Zum 15. Mal wurde in einer würdigen Veranstaltung an die Zeit erinnert. Wichtige Gäste wurden auch diesmal vermisst.

Von Heike Sabel

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Seit 2001 nehmen sich die Heidenauer am 27. Januar bewusst Zeit zum Gedenken. Kein schnelles Niederlegen von Blumen im Vorbeigehen, sondern „wir setzen uns dem Gedenken und Erinnern aus, auch wenn es schmerzhaft ist“, sagt der katholische Pfarrer Peter Opitz. Dafür arbeitet eine Vorbereitungsgruppe meist monatelang. Beim Gedenken in der Kapelle des Friedhofs in Heidenau-Nord steht dabei jährlich ein Mensch im Mittelpunkt, der im Nationalsozialismus ermordet wurde. Abwechselnd sind es regionale und überregionale, gläubige und atheistische Persönlichkeiten.

In diesem Jahr war es Edith Stein. Acht Frauen und Männer stellten die Philosophin, Schriftstellerin und zum Katholizismus übergetretene Jüdin vor. Das persönliche Leben wird in die große Geschichte eingeordnet, die große Geschichte spiegelt sich in ihrem Leben wider. Als sie zum Katholizismus übertritt, ist im Verhältnis zu ihrer Mutter die „absolute Grenze des Verständnisses“ erreicht.

Edith Stein ging in ein Kölner Karmeliterkloster. Über den Aufenthalt schrieb sie unter anderem: „An sich gilt es gleich bei uns, ob man Kartoffeln schält, Fenster putzt oder Bücher schreibt. Im allgemeinen verwendet man aber die Leute zu dem, wozu sie am ehesten taugen, und darum habe ich viel seltener Kartoffeln zu schälen als zu schreiben.“ Für Peter Opitz gehören auch diese augenzwinkernden Momente zum Gedenken.

Edith Stein flüchtete danach in die Niederlande, um das Kloster und seine Bewohner nicht zu gefährden. Ihre Anträge, in die Schweiz zu emigrieren, wurden schleppend bearbeitet. Die Verhaftung ging schneller. Von der Verhaftung bis zur Gaskammer in Auschwitz am 9. August 1942 vergingen nur sieben Tage. In diesen Tagen wird sie als tröstend, helfend, beruhigend wie ein Engel beschrieben. Die Philosophin ist praktische Helferin. Ihre letzte Bitte an das Kloster ist die nach Wäsche und Zahnputzcreme.

Die Heidenauer Frauen und Männer haben Fakten ausgewählt, die mit wenigen Worten erzählen, die Frau charakterisieren, deren Bild in der Gedenkveranstaltung am Rand steht. 1998 wurde Edith Stein heiliggesprochen, ein Jahr später vom Papst zur Mit-Patronin Europas ernannt. Anlässlich des 120. Geburtstags sowie des 70. Jahrestags ihres Todes haben die Karmeliter-Ordensgemeinschaften 2011/12 ein Edith- Stein-Gedenkjahr ausgerufen. Das Jahr wird mit Edith-Stein-Tagen fortgeführt.

Die Heidenauer Vorbereitungsgruppe, die auch die Texte las, entschied, die Teilnehmer des Gedenkens einzubeziehen. Gemeinsam wurden zwei jüdische Lieder in Hebräisch und Deutsch gesungen. Schalom, schalom alejchem – Frieden, Frieden aller Welt. Anschließend wurde schweigend im Regen der von Fackeln gesäumte Weg zum Gedenkstein gelaufen. Dort legten Stadt, Ratsfraktionen und viele Einzelpersonen Blumen nieder.

„Damit ein Volk leben kann, braucht es eine Kultur des Erinnerns und Gedenkens“, ist das Motto der jährlichen Heidenauer Veranstaltung. Etwa 70 kamen am Montag, Bürgermeister, Stellvertreterin, Alt-Bürgermeister, Stadträte, Pirnaer, Dresdner. Schüler fehlten auch in diesem Jahr. Nicht nur Pfarrer Opitz bedauert das. Seit Jahren wird das Fehlen kritisiert. Die Leiter der Mittelschule und des Gymnasiums waren gestern für Nachfragen nicht erreichbar.

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