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Blumen vor der Brandruine

Fünf Wochen nach dem Feuer auf einem Markt in Rozany bemühen sich die Händler um Normalität. Und es gibt Aussagen zur Ursache.

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Von Katja Schäfer und Steffen Neumann

Größer könnte der Kontrast kaum sein: Auf der einen Seite ein buntes Blumenmeer. Dicht an dicht stehen und hängen rote Geranien, violette Petunien, gelbe Begonien, bunter Mohn … Auf der anderen Seite die Brandruine eines Umgebindehauses. Angekohlte Dachbalkenreste ragen in den Himmel. Die dicken Bohlen der Blockstube sind durchgehend schwarz. Es riecht ganz leicht nach verkohltem Holz.

Blumen für Balkon und Garten bestimmen das Angebot auf dem Grenzmarkt in Rozany, auf dem es vor gut einem Monat gebrannt hatte. Simone und Hans Gehrmann aus Sohland suchten sich vor der Brandruine ein paar Pflanzen aus.Foto: SZ/Uwe Soeder
Blumen für Balkon und Garten bestimmen das Angebot auf dem Grenzmarkt in Rozany, auf dem es vor gut einem Monat gebrannt hatte. Simone und Hans Gehrmann aus Sohland suchten sich vor der Brandruine ein paar Pflanzen aus.Foto: SZ/Uwe Soeder © Uwe Soeder

Fünf Wochen ist es her, dass ein Feuer das Haus und den angrenzenden Vietnamesen-Markt im tschechischen Rozany (Rosenhain) zerstört hat. Die große Rauchwolke war bis ins benachbarte Sohland zu sehen. Vor Ort sorgte vor allem für Aufregung, dass es immer wieder kleine Explosionen gab; verursacht von Pyrotechnik, die durch die Flammen gezündet wurde. Die Propangasflaschen, die ebenfalls zum Angebot des Standes gehörten, gingen zum Glück nicht in die Luft. Die tschechischen Feuerwehrleute konnten sie rechtzeitig vom Brandort entfernen, legten einige zum Abkühlen in den nahen Rosenbach.

Neue Dächer, neue Ware

Etliche Gasbehälter stehen jetzt – teilweise verrußt, teilweise verrostet – an der Giebelwand der Umgebindehaus-Ruine. Hinterm Gebäude lagern andere Dinge, die beim Brand übrig geblieben sind. Doch auf der angrenzenden großen gepflasterten Fläche erinnert nichts mehr an den Vorfall. Aus Holzlatten und Blechplatten haben die Betreiber neue Dächer gebaut, unter denen sie ihre Ware präsentieren. Das sind derzeit vor allem Blumenpflanzen; so wie an den meisten Ständen entlang der durch Rozany führenden Straße. Doch während bei den anderen Händlern am Freitagvormittag immer wieder Autos mit deutschen Nummernschildern halten, herrscht Ruhe auf dem vom Brand betroffenen Gelände, das sich etwa 700 Meter hinter der Grenze befindet. Ein sehr schlanker Mann – dem Aussehen nach ein Vietnamese – kehrt neben dem abgebrannten Umgebindehaus Dreck zusammen. Eine kleine schmale Frau mit langem schwarzen Pferdeschwanz läuft wartend hin und her. Die beiden betreiben offenbar den Stand. Ein Gespräch ist nicht möglich. Weder auf Deutsch – obwohl auf den Grenzmärkten fast ausschließlich Deutsche kaufen – noch auf Englisch. Scheinbar beherrschen die Händler nur ein paar wenige Worte, die sie jeden Tag brauchen. „Vier Euro“, sagt die Frau knapp, als endlich ein älteres Paar an den Stand kommt und sich einen Blumentopf mit einer Glockenblume aussucht.

Simone und Hans Gehrmann sind mit dem Preis einverstanden. Sie nehmen gleich noch eine weitere Glockenblume mit, zudem eine Lilie und ein gelb blühendes Gewächs mit unbekanntem Namen. „Wir kaufen hier in Tschechien vor allem Pflanzen. Lebensmittel nicht und essen gehen wir auch nicht“, sagt Hans Gehrmann. Seine Frau fügt an: „Die Pflanzen sind zwar nicht deutlich billiger als bei uns. Aber wenn man viele braucht, machen 20 oder 40 Cent schon was aus.“ An den Brand-Stand ist das Sohlander Ehepaar vor allem gekommen, weil es nirgendwo anders die gesuchten Glockenblumen gefunden hat. Aber auch, weil ihnen die Händler leidtun. „Ich habe gesehen, dass keine anderen Kunden sind. Deshalb sind wir hier rangefahren“, sagt Simone Gehrmann und fügt mit Blick auf die beiden Vietnamesen, die bedrückt wirken und sehr zurückhaltend sind, an: „Ich kann mir vorstellen, dass das ein hartes Geschäft ist.“ – Erst recht, wenn man einmal den kompletten Warenbestand eingebüßt hat. Die Höhe des Schadens, die bei dem Brand vor vier Wochen insgesamt entstanden ist, wird auf zwei Millionen tschechische Kronen geschätzt. Das sind umgerechnet rund 74 000 Euro. Die genaue Schadenshöhe konnte bisher nicht ermittelt werden. Pavla Kofrova, Sprecherin der tschechischen Staatspolizei, begründet das damit, dass die auf dem betroffenen Markt gelagerten Waren nicht ordnungsgemäß inventarisiert waren.

Klare Aussagen gibt es hingegen zur Brandursache. Fremdeinwirkung konnte ausgeschlossen werden. Laut Aussagen der Polizei in Tschechien brach das Feuer im Umgebindehaus aus, das als Lager diente. Es ging von einem selbst gebauten Heizkörper aus, mit dem nicht fachgerecht umgegangen wurde. Der vietnamesisch-stämmige Händler soll in dem Haus auch Pflanzen gelagert haben. Deswegen heizte er die ganze über Zeit, als es draußen noch kühl war. Ob es sich bei den Feuerwerkskörpern, die beim Feuer laut Polizei das größte Problem darstellten, um illegale Ware gehandelt hat, kann nicht gesagt werden, weil der gesamte Vorrat verbrannte. Bis auf einige Ausnahmen ist in Tschechien Pyrotechnik ganzjährig erhältlich und vor allem auf den Grenzmärkten gefragt. Künftig soll der Verkauf von Feuerwerkskörpern jedoch auf wenige Tage im Jahr beschränkt werden. Das kündigte der tschechische Justizminister Robert Pelikán Anfang der Woche bei einem Besuch in Dresden an.