merken
PLUS

Görlitz

Blumenpracht trotzt der Saharahitze

Mitarbeiter von Stadtgrün sind nun im Dauereinsatz in Görlitz. Langfristig steuert die Stadt aber bei der Bepflanzung um.

Robert Grohmann ist im Sommer oft mit dem Wassertankwagen im Görlitzer Stadtgebiet unterwegs. Hier spendiert er den Hochbeeten auf dem Marienplatz eine kräftige Dusche.
Robert Grohmann ist im Sommer oft mit dem Wassertankwagen im Görlitzer Stadtgebiet unterwegs. Hier spendiert er den Hochbeeten auf dem Marienplatz eine kräftige Dusche. © Nikolai Schmidt

Robert Grohmann ist in diesen Tagen der Wassermann. Der Meister im Städtischen Betriebshof ist mit einem Wasserwagen in der Stadt unterwegs. Grohmann und sein Team sorgen dafür, dass die Sommerblumen nicht vertrocknen. Auch die Palmen in den Kübeln bekommen Wasser. Sie stehen unter anderem auf dem Marienplatz und am City-Center. Angesichts der angekündigten Saharahitze in der nächsten Woche ist abzusehen, dass die Stadtgärtner dann fast pausenlos gießen müssen. 

5.270 Sommerblumen haben sie in dieser Saison in die Beete auf dem Postplatz gepflanzt, 480 Pflanzen schmücken den Marienplatz und mehr als 8 000 Pflanzen sorgen auf dem Wilhelmsplatz für bunte Tupfer auf dem frisch sanierten Rasen. Der hat von den Gärtnern Lockerung, Nachsaat, Düngung und Mahd erhalten. Und eine achtwöchige Schonzeit. Seit dem 11. Juni ist der Bauzaun um den Platz verschwunden. Der Rasen kann wieder als Liegewiese genutzt werden. „Der bisherige Niederschlag sorgte dafür, dass sich der Rasen auf dem Wilhelmsplatz gut entwickeln konnte“, betont Christian Freudrich aus dem Sachgebiet Stadtgrün. Ausreichend sei der Regen in diesem Jahr bisher – außer im April – auch für Bäume und Sträucher in der Stadt gewesen, sodass hier derzeit nicht zusätzlich gewässert werden muss. Bäume und Sträucher, die in den letzten drei Jahren gepflanzt wurden, erhalten aber noch regelmäßig Wasser und Pflege. 

Anzeige
Studium für Pflegeprofis
Studium für Pflegeprofis

Studium & Praxis vereinen? Bis zum 1. Oktober an der ehs Dresden für die innovativen pflegerischen Bachelor- & Masterstudiengänge bewerben!

„Falls in der Stadt künftig zusätzliches Nass für die Pflanzen nötig ist, steht die Berufsfeuerwehr wie schon im Vorjahr in den Startlöchern“, berichtet Steffen Leder, der ebenfalls bei Stadtgrün arbeitet. Auf die Unterstützung von Bürgerinitiativen zum Beispiel zur Bewässerung großer Flächen zählt der Betriebshof aber nicht. Ausnahmen beschränken sich auf kleine Schalen oder Kübel, die bepflanzt oder aufgestellt werden können, da Ehrenamtliche sich bereiterklären, regelmäßig zu gießen. Freudrich nennt als Beispiele eine Schale und einen Kübel am Ochsenzwinger, eine Blumenschale am Parkhäuschen im Stadtpark und städtische Kübelpflanzen vor Cafés in der Innenstadt. Darüber hinaus ist auch in diesem Jahr jede private Unterstützung beim Wässern von Bäumen willkommen. Bisher sind den Mitarbeitern solche Initiativen aber nicht bekannt.

Eine Entlastung für die Stadtgärtner bringen automatische Bewässerungen wie auf dem Postplatz und an der Blumenuhr vor dem Theater. Dort kann immer die günstigste Gießzeit früh am Morgen eingehalten werden. Wünschenswert wäre die automatische Bewässerung auch für den Wilhelmsplatz und ausgewählte Rasenflächen sowie für alle Schmuckplätze. „Das ist derzeit jedoch nicht finanzierbar“, bedauert Christian Freudrich.

Auch wenn Görlitz wegen eines dreisten Blumendiebs auf dem Wilhelmsplatz in die Schlagzeilen geriet, freuen sich die Stadtgärtner über den Respekt, den viele Görlitzer und Besucher gegenüber den Anpflanzungen haben. „Wir staunen über die positive Resonanz insbesondere zum Wechselflor auf den innerstädtischen Schmuckplätzen“, betonen Christian Freudrich und Steffen Leder.

Reaktion auf den Klimawandel

Über ein anderes Thema machen sich die Stadtgärtner schon seit einiger Zeit viele Gedanken: über den Kimawandel. Es wird in unserer Region künftig weniger Niederschläge geben, dafür aber intensivere und längere Sonneneinstrahlung. Bei der Auswahl der Gehölze, die neu gepflanzt werden, achten die Stadtgärtner auf entsprechende Widerstandsfähigkeit. 

Bekanntestes Beispiel dafür ist der Baumartenwechsel auf dem Lutherplatz. Als der 2007/2008 neu gestaltet wurde, machten Berg- und Spitzahorn Platz für die Gleditschie, auch Lederhülsenbaum genannt. Diese Baumart aus dem Osten der USA ist sehr tolerant gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Bei Staudenpflanzungen denken die Stadtgärtner zunehmend an trockenheitsresistente Arten wie Präriestauden und Gräser, die mit weniger Niederschlägen auskommen. „Dies wird in Zukunft beim Umbau von Flächen sicher noch mehr Berücksichtigung finden, spielt aktuell jedoch aufgrund fehlender Gelder eine untergeordnete Rolle“, bedauert Freudrich.

Welch dramatische Folgen die Trockenheit im vergangenen Jahr hatte, ist nicht nur an den Rhododendron-Gehölzen im Stadtpark zu sehen, die stark heruntergeschnitten werden mussten und erst in ein paar Jahren wieder ein Blickfang sein werden. Im Stadtwald Kunnerwitz und an der Landeskrone müssen von Borkenkäfern befallene Fichten beziehungsweise Eschen gefällt werden. Ganz oder teilweise aufgrund von zu viel Sonne abgestorbene Rot-Buchen auf dem Weinberg und auf der Landeskrone müssen ebenfalls geschlagen und schnell aus dem Wald geschafft werden.

Mehr Lokales unter:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Görlitz