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Meißen

Blut, Betrug und böse Buben

Der fünfte Braukmann-Krimi um Detektiv Steffen Schroeder dreht sich auch um Meißens Weißes Gold.

Sollte der Manufaktur Meissen zu neuem Glanz verhelfen. Die 2012 eröffnete Villa Meissen in Mailand wurde jetzt zu einem Krimi-Motiv.
Sollte der Manufaktur Meissen zu neuem Glanz verhelfen. Die 2012 eröffnete Villa Meissen in Mailand wurde jetzt zu einem Krimi-Motiv. © Foto: Thomas Gasparini

Meißen. Eigentlich schafft der Meißner Autor Peter Braukmann in Jahresscheiben. Zwischen 2015 und 2018 ist alljährlich ein neuer Krimi von ihm erschienen. Für sein neustes Werk um den grummeligen und mitunter etwas ruppigen Privatdetektiv Steffen Schroeder hat sich der 67-Jährige etwas mehr Zeit genommen. In diesen Tagen ist das Buch in den Handel gekommen.

Vielleicht liegt die längere Spanne zwischen dem Erscheinen des vierten und fünften Schroeders am Stoff, den sich der Autor vorgeknöpft hat?

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„Rächer der Blauen Schwerter“ – so steht es in von Blut befleckten Lettern auf dem Cover des Paperbacks zu lesen. Das Porzellan sollte somit eine wichtige Rolle spielen. Keine andere Stadt in Europa ist in Geschichte und Gegenwart so eng mit dem Weißen Gold verbunden wie die Wiege Sachsens. Fast alle alteingessenen Familien sind in irgendeiner Art und Weise mit der Manufaktur verflochten. Meissen hat den Stadtnamen in der Welt bekannt gemacht und gerade in jüngster Vergangenheit auch für reichlich Kopfschütteln und negative Schlagzeilen gesorgt.

Dabei braucht es 40 der gut 200 Seiten, bis Meissen und seine Blauen Schwerter so richtig ins Spiel kommen. Zuvor lernt der Leser Profi-Killer Horst aus Bremen kennen, welcher paradoxerweise über einen ersten Mord in der DDR zu seinem Job kam. Es wird – wie es in Braukmann-Krimis gar nicht anders sein kann – viel und gut gegessen sowie getrunken. Dazu gibt es Lokalkolorit mit der Fuchshöhl sowie dem Griechen am Theaterplatz und natürlich das ebenfalls bereits vertraute Meissen-Bashing mit Verweisen etwa auf den Pannenlift oder Zeilen wie: „Und heiße Luft gab es ja immer und in jeder gewünschten Menge umsonst in Meißen.“

Als routinierter Schreiber weiß Braukmann, welche Vorgänge aus der letzten Manufaktur-Vergangenheit sich am besten als Dreh- und Angelpunkte eines Kriminalromans eignen. Zielsicher greift er sich die Episode um die italienische Tochtergesellschaft und ihre als Lösung aller Probleme gefeierte Villa Meissen in Mailand heraus. Die Aufdeckung dahinter liegender Ungereimtheiten stürzt die Stadt in Verwirrung und fordert schnell ein erstes Opfer. Nur so viel sei verraten: Der fein säuberlich vom Rumpf getrennte Kopf eines aussichtsreichen Oberbürgermeister-Kandidaten taucht im Kohlregal der Gemüseabteilung eines Supermarktes auf. Anschließend geraten Schroeder, seine Frau und ein guter Freund in das Visier von Auftrags-Killer Horst.

Wie vom Autor gewohnt, erzählt der Meißner, die sich immer weiter verwickelnde Geschichte schnell, ohne große Schnörkel in einem schnoddrigen Ton, wie ihn auch seine klassischen Vorbilder wie Raymond Chandler oder Dashiell Hammett in der von ihnen begründeten Schwarzen Serie pflegten. Die Zahl der Leichen nimmt stetig zu. Die Spielorte wechseln. Überraschende Wendungen nehmen überhand. Dafür geraten die dubiosen Geschehnisse rund um die Mailänder Villa Meissen der Manufaktur ins Hintertreffen. Hier bleibt genügend Stoff für ein weiteres Buch, allerdings vielleicht weniger einen Krimi als einen Polit-Thriller um alte Männer, junge Gigolos und Eitelkeit.

  • Das Buch kostet 9,90 Euro und kann über die Internet-Seite des Autors und Meißner Künstlers bestellt werden: https://peterbraukmann.com/

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