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Bluthochdruck macht das Herz zu dick

Eine Folge kann Herzinsuffizienz sein – der zweithäufigste Grund, warum Deutsche ins Krankenhaus müssen.

Bluthochdruck kann zur einer Herzschwäche führen und sollte daher kontrolliert werden.
Bluthochdruck kann zur einer Herzschwäche führen und sollte daher kontrolliert werden. © dpa

Bautzen. Niemals ausruhen – das menschliche Herz wird ständig beansprucht und ist darum auch gefährdet. Darüber sprach die SZ mit dem Kamenzer Internisten Rüdiger Soukup.

Herr Dr. Soukup, Herzinsuffizienz ist vielleicht nicht jedem gleich verständlich. Gibt es ein anderes Wort dafür?

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Ja, Herzinsuffizienz meint Herzschwäche.

Was konkret bedeutet dieses schwache Herz?

Dafür muss man erst einmal verstehen, was ein gesundes Herz leistet. Es schlägt etwa 100 000 Mal am Tag. Bis zum 70. Geburtstag eines Menschen sind das in etwa 2,5 Milliarden Schläge. Täglich werden so 7 000 bis 10 000 Liter Blut durch den Körper gepumpt. Wenn das nicht mehr gut funktioniert, können Symptome auftreten, die auf eine Herzinsuffizienz hindeuten.

Was sind das für Symptome?

Kurzatmigkeit bereits bei geringer Belastung und sogar in Ruhephasen, Atemschwierigkeiten beim flachen Liegen, Rasselgeräusche und Husten. Manche Betroffene können nur noch in aufrechter (sitzender) Position schlafen. Rasche ernährungsunabhängige Gewichtszunahme ist möglich, wenn es das Herz nicht mehr schafft, das Blut effektiv zu pumpen. Das Blut staut sich dann vor dem Herz. Die Beine werden dick. Es kann, insbesondere bei überwiegend liegenden Patienten, auch zu Flüssigkeitseinlagerungen im Steiß- und Beckenbereich kommen. Zudem treten häufig vermehrtes nächtliches Wasserlassen oder auch Appetitlosigkeit auf, weil sich das Blut in die Magen- und Lebergefäße zurückstaut, was im Extremfall bis zu einer Leberzirrhose führen kann.

Was passiert im Körper bei einer Herzinsuffizienz?

Wir unterscheiden zwei Fälle. Einmal kann es vorkommen, dass sich das Herz nicht mehr gut zusammenzieht. Umgekehrt ist es möglich, dass es sich sehr gut kontrahiert. Aber weil die Herzwände versteift sind, lässt es sich nicht so gut dehnen, kann vor dem eigentlichen Pumpen also nicht mehr so viel Blut ins Herz fließen, sodass das Pumpen weniger effizient wird. Das Herz muss sich auch entspannen können.

Woher kommt die Herzschwäche – ist sie angeboren?

Es gibt angeborene Herzfehler. Allerdings fallen diese bereits bei vorgeburtlichen Untersuchungen häufig auf und können dann nach der Geburt gegebenenfalls operativ behoben werden. Eine Herzschwäche kann zudem genetisch bedingt sein. Häufiger ist jedoch der Auslöser eine akute Minderversorgung des Herzens mit Sauerstoff durch Herzinfarkt oder eine chronische durch Arteriosklerose. Daneben sind auch virale oder bakterielle Infektionen des Herzmuskels und/oder der Herzklappen eine typische Ursache. Herzinsuffizienz kann zudem als Folge von chronischen Lungenerkrankungen, einer Chemotherapie und Bestrahlung auftreten. Auch übermäßiger Alkoholkonsum wirkt kardiotoxisch, also herzschädigend. Vor allem bei älteren Menschen kann sie auch auf unbehandelte Herzrhythmusstörungen zurückgehen. Auch ein anhaltend zu hoher Blutdruck kann eine Herzschwäche auslösen.

Wie wirkt sich zu hoher Blutdruck aus?

Das Herz ist ein Muskel und funktioniert entsprechend. Wenn es immer gegen einen erhöhten Blutdruck anpumpen muss, werden die Herzwände langsam dicker. Das ist prinzipiell der gleiche Effekt, der auftritt, wenn jemand täglich ins Fitnessstudio geht und die Oberarme trainiert, dann wird der Bizeps größer. Kräftigere Herzwände sind aber weniger elastisch. Die Dehnbarkeit des Herzens lässt nach. Es kann weniger gut mit Blut befüllt werden. Hauptursache für die chronische Herzschwäche ist aber die Atherosklerose der Herzkranzgefäße.

Was genau bedeutet das?

Das Blut, das durchs Herz gepumpt wird, versorgt das Herz nicht selbst mit Sauerstoff und mit Nährstoffen. Beides gelangt über kleine Adern ins Herz, die von der Hauptschlagader abgehen. Es handelt sich um die Herzkranzgefäße. Wenn diese verkalken, wird die Durchblutung des Herzens gestört. Dann wird der Herzmuskel nur noch vermindert mit Sauerstoff versorgt. Darunter leidet auf Dauer die Kontraktilität des Herzens, also die Fähigkeit, sich zusammenzuziehen. Das ist meist ein Prozess und passiert allmählich. Betroffene merken das zu Beginn häufig gar nicht. Der Körper bildet zudem kleine Bypässe an den verkalkten Gefäßen vorbei. Wenn ein Gefäßverschluss jedoch akut auftritt, haben wir einen Herzinfarkt.

Können wir irgendwie beeinflussen, ob wir eine Herzschwäche bekommen?

Eine gesunde Lebensweise ist empfehlenswert. Nicht Rauchen, denn das begünstigt Arteriosklerose. Ein Diabetes fördert die Gefäßverkalkung. Hier sollte man vorbeugen beziehungsweise den Blutzucker gut einstellen lassen und sich konsequent verhalten, wenn man erkrankt ist. Insbesondere Übergewicht und Bewegungsmangel wirken sich negativ aus. Ausdauersport wie Wandern und Walken und eine Gewichtsreduktion sind dann sinnvoll.

Liegt das an unserem ungesunden Lebenswandel?

Es gibt zwei Hauptgründe dafür. Die Menschen leben länger und im Alter nimmt die Dehnbarkeit des Herzmuskels ab. Statistische Daten signalisieren, dass es bis 2030 noch einmal etwa 25 Prozent mehr Fälle geben wird – schlicht, weil wir immer älter werden. Der zweite wesentliche Grund für die Zunahme ist, dass die Sterblichkeit durch einen Herzinfarkt gesunken ist, Herzinfarkte aber eine Herzschwäche auslösen können. Patienten, die vor 30 Jahren noch verstorben wären, überleben den Herzinfarkt heute. Sie leiden in der Folge unter Umständen an einer Herzschwäche.

Wenn der Patient tatsächlich an Herzschwäche leidet, wie wird behandelt?

Die Basis der Therapie stellt natürlich eine gesunde Lebensführung dar. Dazu zählen neben einer Gewichtsnormalisierung und ausreichend Bewegung, der Verzicht auf den übermäßigen Konsum kardiotoxischer Genussmittel wie Alkohol und Nikotin. Ein Diabetes mellitus oder ein Bluthochdruck sollten zudem medikamentös gut eingestellt werden. Daneben gibt es bei schon vorhandener Herzschwäche eine Reihe von Medikamenten, die sich statistisch prognostisch günstig auf die Erkrankung auswirken. Dazu zählen unter a

Wie sind denn die Überlebenschancen mit einer Herzinsuffizienz?

Die Prognose der Herzschwäche hängt einerseits von ihrer Ursache ab, andererseits stark von der bereits erwähnten Therapietreue der Patienten. Die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz ist heute leider höher als bei vielen Tumorerkrankungen. Vor Einführung einer medikamentösen Therapie betrug die Fünfjahressterblichkeit bei Männern nach Diagnosestellung 70 bis 80 Prozent und bei Frauen etwa 60 Prozent. Auch heute beträgt die Fünfjahressterblichkeit bei einer Pumpfunktionsstörung des Herzens noch bis zu 50 Prozent. Die Gefahr einer Herzinsuffizienz sollte somit nicht unterschätzt werden.

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