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"Boahnl" muss mehr Kilometer schrubben

Wegen Corona ist die Zittauer Schmalspurbahn mit 4.250 Fahr-Kilometern in Verzug. Aber das ist nicht das einzige Problem.

Die Zittauer Schmalspurbahn fährt wieder mit Volldampf ins Gebirge.
Die Zittauer Schmalspurbahn fährt wieder mit Volldampf ins Gebirge. © Matthias Weber (Archiv)

Viel öfter, als sonst muss die Zittauer Schmalspurbahn jetzt ins Gebirge dampfen. Denn das Boahnl hat ein Problem. Es muss aufholen. Viel aufholen. Und das macht das jetzt unter Volldampf. 58.000 Kilometer soll das Boahnl jährlich zwischen Zittau, Jonsdorf und Oybin auf den Schienen rollen. So ist es vertraglich für den öffentlichen Personen-Nahverkehr(ÖPNV) geregelt. Da gibt es auch in einem Corona-Jahr keine Ausnahmen. 

"Wir sind aber wegen Corona im April deutlich weniger gefahren", berichtet der Geschäftsführer der Sächsisch-Oberlausitzer-Eisenbahngesellschaft (Soeg), Ingo Neidhardt. Allein im April mussten unter anderem die sonst so gut angenommenen Angebote wie der Osterhasen-Zug, der Tag der offenen Soeg, die Kräutertour in den Frühling und der "Theaterwagen" ausfallen. Wegen des sehr begrenzten touristischen Angebotes ist die Soeg aus Kostengründen ab dem 18. März bis zum Mai zudem mit Dieselfahrzeugen statt mit Dampfloks gefahren. 

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Eine Lösung gefunden

Mit 4.250 Kilometern ist die Soeg in Verzug. Aber das Eisenbahnunternehmen weiß schon, wie es die verlorenen Kilometer wieder rausholt. Seit dem 15. Mai wird nicht nur wieder das volle Programm angeboten. Eigentlich fahren die Dampfloks bis in den Herbst hinein im Drei-Zug-Betrieb nur sonnabends und sonntags stündlich von Zittau ins Gebirge und wieder zurück. Jetzt machen sie das auch freitags. Und das nicht, wie sonst üblich bis zum 1. November, sondern in diesem Jahr bis zum 8. November. Von Montag bis Donnerstag wird dagegen weiter im Zwei-Stundentakt gefahren.

"Wir brauchen unsere Fahrgäste – besonders jetzt – nur so können wir den Fortbestand unserer Bahn sicherstellen", sagt Ingo Neidhardt. Nach den Umfragen in den Nachrichten, wollen in diesem Jahr viele Familien auf Auslandsreisen verzichten und lieber in Deutschland Urlaub machen. Der Soeg-Geschäftsführer hofft, dass es dabei auch viele Familien in den Naturpark Zittauer Gebirge verschlägt. "Es wäre schön, wenn möglichst viele Tagesgäste für ihre Wanderung im Zittauer Gebirge mit unserer Bahn anreisen – natürlich unter Einhaltung der hygienischen Vorgaben", schildert er. 

Denn finanziell wird es für die Zittauer Schmalspurbahn ein ganz kritisches Jahr. In Abstimmung mit dem Landratsamt hat das Eisenbahnunternehmen für seine Mitarbeiter auf Kurzarbeit verzichtet. "Wir haben das aus sozialem Gewissen heraus getan und auch, weil wir unsere guten Leute halten wollen", berichtet er.

"Unsere Mitarbeiter haben in der Zeit sinnvolle Arbeiten an den Fahrzeugen, Bahnhöfen und entlang der Strecke durchgeführt, die wir sonst an andere Firmen vergeben hätten", schildert Ingo Neidhardt. Die Mitarbeiter haben Wasserkräne lackiert, Signale gewartet, auf Bahnhöfen Dächer, Treppenaufgänge und anderes gestrichen.

Bei der Hilfe für die große DB, die Kleinen nicht vergessen

Ingo Neidhardt denkt positiv. Aber er ist ebenso enttäuscht von der Politik. In den kritischen Corona-Zeiten April bis Mitte Mai hat die Soeg etwa 100.000 Euro weniger Geld eingenommen. Dagegen aber unter anderem 150.000 Euro an Gehälter gezahlt. "Wir erwarten vom Land Sachsen und vom Bund,  dass Fahrgeldausfälle für alle Unternehmen ausgeglichen werden, die für den ÖPNV fahren", schildert er.  Verhandlungen darüber würden ja derzeit laufen. 

 "Wer zweistellige Millionen-Beträge für die Deutsche Bahn AG in die Hand nimmt, sollte auch die Privatbahnen nicht vergessen", sagt er. Schließlich erfüllt beispielsweise auch die Zittauer Schmalspurbahn einen Tourismus-Auftrag  für die Region. 

Mittlerweile sind die beliebten Zeitreisezüge im Reichsbahnzug und andere Themenzüge wieder möglich. Und ab dem 12. Juni wird dann auch der legendäre Sachsenzug IV K wie gewohnt ins Zittauer Gebirge dampfen. Die Burg- und Klosterzüge sind genauso im Angebot, wie die Nachtfahrten im Aussichtswagen. Zudem ist der Kinderbahnhof bereits  geöffnet.

Heißer Tipp: "Kabarett an schmaler Spur"

Erstmals sollte in diesem Jahr die Veranstaltung "Kabarett an schmaler Spur" mit dem aktuellen Programm von Robby Mörre angeboten werden. Der Mann aus Gera ist Eisenbahnfreunden vor allem als langjähriger Macher des MDR-Bahnmagazins "Auf schmaler Spur" bekannt. "Die erste Veranstaltung musste leider im Mai ausfallen, aber eine zweite findet statt", verrät schon mal der Geschäftsführer. 

Ingo Neidhardt weist die Bahngäste darauf hin, dass trotz der Lockerungen der Corona-Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, in den Zügen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht ist. Dafür kann auch ein Tuch, ein Schal oder ein herkömmlicher Mundschutz verwendet werden.

Er ist froh, dass in diesem Jahr Historik Mobil nicht ausfallen muss, sondern auf den 4. bis 6. September verlegt werden konnte. Leider muss es diesmal allerdings ohne das Lückendorfer Bergrennen stattfinden. 

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Aber es gibt auch positive Signale: Um den Tourismus in der Region wieder anzukurbeln, hat die Soeg jetzt binnen kürzester Zeit eine Broschüre auf die Beine gestellt, die am Donnerstag in der Druckerei der Sächsischen Zeitung in Dresden gedruckt wird. "Hierbei haben uns einige Gemeinden finanziell mit unterstützt", berichtet Ingo Neidhardt. Auf 16 Seiten wird in der Broschüre für die touristischen Angebote in der Region geworben.  Der Leser erfährt, was alles wieder geöffnet ist und welche Angebote es gibt. Ende nächster Woche ist sie erhältlich. 

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