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Die Krönung! Friedrich jetzt auch Rekordweltmeister

Der Bobpilot aus Pirna hat Historisches vollbracht. Bei seiner Heim-WM in Altenberg fährt er zum sechsten WM-Titel in Folge. Und das nicht irgendwie.

Da ist das Ding, zum sechsten Mal. Francesco Friedrich (rechts) und sein Anschieber Thorsten Margis stemmen die WM-Pokal in die Luft. Sie sind jetzt Rekordweltmeister.
Da ist das Ding, zum sechsten Mal. Francesco Friedrich (rechts) und sein Anschieber Thorsten Margis stemmen die WM-Pokal in die Luft. Sie sind jetzt Rekordweltmeister. ©  dpa/Robert Michael

Er hat es geschafft. Am Sonntagnachmittag punkt 16.53 Uhr steht fest: Francesco Friedrich aus Pirna ist neuer Rekordweltmeister im Bobsport. Bei seiner Heim-Weltmeisterschaft in Altenberg fährt er am Sonntagnachmittag mit seinem Anschieber Thorsten Margis zum sechsten WM-Titel im Zweier hintereinander. Und das mit einer Machtdemonstration, wie man sie in der über hundertjähriger Historie dieser Sportart noch nie gesehen hat.

"Wir haben alles für den Moment getan, so viele Fahrten auf dieser Bahn geschrubbt, so viel getestet. Ich bin einfach nur glücklich und wahnsinnig stolz auf meine Mannschaft", sagt Friedrich danach im ersten Siegerinterview - und hebt seine Anschieber hervor. 

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Zum einen Margis, der jetzt fünfmal hintereinander den WM-Zweier gewonnen hat, auch das ist Weltrekord, und außerdem Martin Grothkopp, Candy Bauer und Alexander Schüller, die nächste Woche den Viererbob anschieben. "Das ist der Hauptschlüssel für den Erfolg: Dass wir so eine geschlossene Mannschaft sind und zusammen durch dick und dünn gehen. Auch wenn es mal schlecht läuft, raufen wir uns wieder zusammen. Die Jungs sind klasse!"

Nach den vier WM-Durchgängen hat der Pilot des BSC Sachsen Oberbärenburg schier unglaubliche 1,65 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Johannes Lochner vom Königssee mit Christopher Weber. Auf den Dritten Oskars Kibermanis mit Matiss Miknis aus Lettland sind es 1,79. Im Eiskanal, wo oft Hundertstel entscheiden, sind das Welten.

Unterwegs zum sechsten WM-Titel: Francesco Friedrich und Thorsten Margis. In Altenberg sind die Olympiasieger dominanter denn je.
Unterwegs zum sechsten WM-Titel: Francesco Friedrich und Thorsten Margis. In Altenberg sind die Olympiasieger dominanter denn je. © dpa/Robert Michael

Doch dieser Friedrich ist eine Welt für sich. Das hat er am Wochenende in Altenberg noch einmal eindrucksvoll bewiesen - und sich zugleich zum Rekordweltmeister gekrönt mit dem sechsten Zweier-Erfolg hintereinander. Damit übertrifft der 29-Jährige, der mindestens noch bis zu Olympia 2022 weiterfahren will, nun auch die italienische Legende Eugenio Monti, der in den 1960er Jahren fünf Siege holte. 

Als Top-Favorit ist Friedrich ins Rennen gegangen und hätte sich, das haben im Vorfeld insgeheim auch seine ärgsten Konkurrenten geahnt, im Prinzip nur selbst schlagen können. Die Überlegenheit, mit der er die anderen Bobs deklassierte, überrascht aber dann doch. 

Friedrich schockt die Konkurrenz gleich zu Beginn

Gleich im ersten Lauf schockt er sie mit der Verbesserung des Bahnrekords um sagenhafte 0,48 Sekunden auf exakt 54,00 Sekunden - und ärgert sich, nicht 53,99 Sekunden erreicht zu haben. Was die Fabelzeit aber bedeutet, wird direkt im Anschluss deutlich. Der lettische Europameister Oskars Kibermanis hat trotz starkem Start am Ende eine halbe Sekunde Rückstand, alle anderen noch mehr.

Als wäre das nicht genug, verdoppeln Friedrich/Margis den ohnehin schon komfortablen Vorsprung im zweiten Lauf auf fast eine Sekunde, damit ist die WM de facto schon am Samstagmittag entschieden. Friedrich zweifelt daran nicht, warnt aber dennoch:  "Auf dieser Bahn gibt es keine Vorentscheidung. Und mit dem erwarteten Wetterumschwung wird es am Sonntag ganz sicher noch mal spannend", erklärt er im Hinblick auf die WM-Läufe drei und vier - und meint damit vermutlich den Kampf um die Plätze hinter ihm.

Und so kommt es dann auch. Heftige Sturmböen und Dauerregen können dem Dominator auf seiner historischen Mission nichts anhaben. Als Erster geht Friedrich im dritten Lauf in die Bahn - und fährt wieder Laufbestzeit, wenngleich die aufgrund der Witterungsbedingungen fast zwei Sekunden langsamer ist als der neue Bahnrekord. Wieder ist er deutlich schneller als die anderen. 1,32 Sekunden beträgt der Vorsprung nun, so dass der letzte Lauf tatsächlich einer zum Genießen ist. Eine Triumpfahrt. 

Die Bedingungen am Sonntag sind grenzwertig. Doch Friedrich kann das nicht bremsen, und seine Fans beweisen Einfallsreichtum.
Die Bedingungen am Sonntag sind grenzwertig. Doch Friedrich kann das nicht bremsen, und seine Fans beweisen Einfallsreichtum. © dpa/Robert Michael

Nach den WM-Siegen in St. Moritz 2013, Winterberg 2015, Innsbruck 2016, Königssee 2017 und Whistler 2019 nun also auch in Altenberg 2020 - Friedrich ist Rekordweltmeister! Was das wirklich bedeutet, wird der Pirnaer erst in den nächsten Tagen realisieren. "Ich hatte nicht gedacht, dass es so deutlich wird. Jahrelang haben wir auf dieses Rennen hintrainiert", sagt er.

Aus Rekorden macht sich Friedrich, der Perfektionist, eigentlich nicht viel, den aber hat er unbedingt haben wollen. Und das nächste Ziel steht auch schon fest: den WM-Sieg im Vierer am nächsten Sonntag an gleicher Stelle. Dann wäre er seit der WM 2017 sowohl mit dem Zweier als auch dem Vierer in allen großen Rennen ungeschlagen, Olympia 2018 inklusive. Der schlagzeilentaugliche Begriff dafür, wie ihn speziell Sportjournalisten gerne benutzen, ist noch nicht erfunden. Doch dafür bleibt ja jetzt eine Woche.

Dramatisch wird es in Lauf vier für Nico Walther

Die Tragik des Tages widerfährt Friedrichs Oberbärenburger Teamkollegen Nico Walther, der in Altenberg aufgewachsen ist und bei seiner ganz persönlichen Heim-WM auf Platz zwei liegend im letzten Lauf noch auf den vierten Rang zurückfällt. Am Ende fehlen ihm, angeschoben von Eric Franke, 0,08 Sekunden zur Bronzemedaille. "Das tut mir echt wahnsinnig leid. Nico hatte schon die gesamte Saison so viel Pech. Und dann passiert das ausgerechnet im letzten Lauf, das ist unglaublich schade. Aber für das Wetter kann niemand was", meint Friedrich, was Walther mit bitter-süßem Verlegensheitslächeln bestätigt. Er hat sich für die falschen Kufen entschieden. 

Richard Oelsner, der dritte Oberbärenburger, belegt zusammen miz Anschieber Malte Schwenzfeier den fünften Rang - was der Junioren-Weltmeister vor allem als Motivation für den nächsten Winter nimmt.

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