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Bob-WM 2020

Küsse, Tränen, Stürze - die WM hat die ersten Sieger

Die Top-Favoritin gewinnt. Für die große Überraschung bei der Bob-WM in Altenberg aber sorgt eine junge Deutsche mit kesser Lippe - und sächsischer Hilfe.

Es ist geschafft. Kim Kalicki hat fast schon sensationell die WM-Silbermedaille gewonnen, und auch der Altenberger Stützpunkt mit Cheftrainer Gerd Leopold hat daran Anteil.
Es ist geschafft. Kim Kalicki hat fast schon sensationell die WM-Silbermedaille gewonnen, und auch der Altenberger Stützpunkt mit Cheftrainer Gerd Leopold hat daran Anteil. ©  dpa/Robert Michael

Der erste Titel bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Altenberg ist vergeben - und das erwartungsgemäß an Kaillie Humphries. Die kanadische Olympiasiegerin, die seit dieser Saison für die USA startet, triumphierte mit 0,37 Sekunden Vorsprung. Noch im Schlitten sitzend schickte sie Handküsse ans Publikum, danach fiel sie sich mit ihren tränenüberströmten Anschieberin Lauren Gibbs in die Arme.

Noch mehr als die Weltmeisterinnen jubelte indes die erst 22-jährige Kim Kalicki. Als Junioren-Weltmeisterin hatte sie sich für die WM-Tage von Altenberg qualifiziert - und nun für eine riesige Überraschung gesorgt. Kalicki und ihre Anschieberin Kira Lipperheide sicherten sich den zweiten Platz auf der so anspruchsvollen Strecke.

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Kaillie Humphries (links) und Anschieberin Lauren Gibbs aus den USA werden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewinnen WM-Gold.
Kaillie Humphries (links) und Anschieberin Lauren Gibbs aus den USA werden ihrer Favoritenrolle gerecht und gewinnen WM-Gold. ©  dpa/Robert Michael

Befragt nach ihrer Taktik auf der Bahn mit den komplizierten Kurvenkombinationen, erklärte Kalicki kess: "Ich lasse es einfach ballern hier." Übersetzt aus dem Bobdeutsch heißt das: nicht viel lenken. 

Dass diese Fahrweise für Platz zwei reichte, konnte Kalicki nicht fassen. "Ich kann es noch gar nicht richtig realisieren, was hier gerade passiert ist. Aber es fühlt sich toll an", sagte sie, und war doch nicht ganz zufrieden, auch nicht nach der Bestzeit im dritten Lauf: "Ich bin Perfektionist, wäre gerne ein bisschen besser fahren."

Für jeden Spaß zu haben: die WM-Zweite Kim Kalicki (rechts), hier bei der Siegerehrung mit ihrer Anschieberin Kira Lipperheide.
Für jeden Spaß zu haben: die WM-Zweite Kim Kalicki (rechts), hier bei der Siegerehrung mit ihrer Anschieberin Kira Lipperheide. ©  dpa/Robert Michael

Keinen geringen Anteil an dem Überraschungserfolg haben aber auch die Sachsen: Kalicki hat in den vergangenen Jahren oft und viel in Altenberg trainiert, die hiesigen Stützpunkttrainer René Thierfelder und Andreas Zschocke haben entscheidend an ihrer Entwicklung vom Talent zur WM-Zweiten mitgewirkt, seit dieser Saison dann auch Stützpunktleiter Gerd Leopold. Den herzte Kalicki im Zielbereich. "Es ist immer von Vorteil, mit Profis zusammenzuarbeiten. Ich kann die Trainer alles fragen, jeder hat ein offenes Wort für mich", betonte Kalicki.

Titelverteidigerin Mariama Jamanka und Gesamtweltcupsiegerin Stephanie Schneider, die erfahrenden deutschen Pilotinnen, blieben indes ohne WM-Medaille. Zu viele Fahrfehler sorgten dafür, dass die Kanadierin Christine de Bruin noch auf Platz drei vorfahren konnte. Jamanka wurde Vierte, Schneider belegte Rang fünf. 

Den Altenberger Eiskanal empfindet sie immer wieder als ganz besondere Herausforderung, obwohl die Pilotin des BSC Sachsen Oberbärenburg seit Jahren im Kohlgrund unterwegs ist. „Das ist meine Heimbahn, aber nicht meine Lieblingsbahn. Aber man kann ja an Beziehungen immer arbeiten“, sagte Schneider im Vorfeld, und sie meinte: „Es ist schon besser geworden.“

Die Bestätigung dafür konnte die 29-Jährige lediglich im ersten und letzten der vier WM-Läufe liefern. Zunächst lag sie lediglich 0,03 Sekunden hinter der einmal mehr dominierenden Humphries. Danach wurde es zunehmend schlechter: die viertbeste Zeit in Lauf zwei, die achtbeste im dritten Lauf, die sechstbeste zum Schluss. "Es ist sehr unglücklich gelaufen, wir hatten uns mehr erhofft", sagte Schneider. 

Erst Junioren-Weltmeisterinnen und nun WM-Zweite bei den Großen: Kim Kalicki und Kira Lipperheide fahren unerwartet die Silbermedaille ein.
Erst Junioren-Weltmeisterinnen und nun WM-Zweite bei den Großen: Kim Kalicki und Kira Lipperheide fahren unerwartet die Silbermedaille ein. © dpa/Robert Michael

Die vierte Deutsche liefert die Erklärung für ihren Sturz

Das vierte deutsche Team, Laura Nolte mit Anschieberin Ann-Christin Strack, trat indes am zweiten WM-Tag nicht zum dritten Lauf an. Die deutsche Meisterin, die noch im November in Altenberg souverän den nationalen Titel gewann, war mit ihrem Bob am Freitag wie drei weitere Teams schwer gestürzt. Physisch gehe es ihnen zwar weitestgehend gut, erklärte Bundestrainer René Spies, psychisch sehe das aber anders aus. 

Auch die anderen gestürzten Frauen, sie erlitten kleinere Blessuren, mussten das Rennen aufgeben. "Nach dem Sturz im ersten Training hatte ich eine Blockade im Kopf, habe das nicht mehr aus dem Kopf gekriegt. Vergangene Woche lief noch alles super. Ich denke, ich wollte es mir selbst zu sehr beweisen", sagte Nolte am Samstag als Zuschauerin.

Deutsche Männer können alle Medaillen gewinnen

Bei den Männern ist am Sonntag ein deutscher Dreifach-Erfolg wahrscheinlich, womöglich sogar mit den drei Piloten des BSC Sachsen Oberbärenburg, also Francesco Friedrich, Nico Walther und Richard Oelsner. Olympiasieger und Titelverteidiger Friedrich liegt nach zwei von vier Läufen beinahe uneinholbar in Führung. Angeschoben von Thorsten Margis hat der Pirnaer fast eine Sekunde Vorsprung. Auf den Plätzen dahinter folgen die deutschen Duos Walther/Franke, Lochner/Weber und Oelsner/Schwenzfeier.

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