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Bob-WM 2020

Altenberger Bobbahn wird vor der WM grün

Die ewig nach Energie hungrige Eisschlange wird jetzt ökologisch gefüttert. Das dürfte nicht nur Greta freuen.

Auf Dachflächen an Bobgarage (vorn) und Bobstart wurde eine Fotovoltaikanlage installiert.
Auf Dachflächen an Bobgarage (vorn) und Bobstart wurde eine Fotovoltaikanlage installiert. © Egbert Kamprath

Die Kältetechnik an der Rennschlitten- und Bobbahn im Altenberger Kohlgrund läuft auf Touren. Selbst im oberen Osterzgebirge pendelt mitten im Januar die Quecksilbersäule des Thermometers im Plusbereich. Damit werden die Maschinen zwar locker fertig. Sie könnten selbst bei plus 20 Grad Celsius noch die Betonröhre vereisen. Ihre Leistung entspricht nach Angaben des Bahnbetreibers, der Wintersport Altenberg GmbH, der von rund 12.000 Kühlschränken. Aber das ist teuer und fürs Klima alles andere als gesund.

Am Mittwoch nun, wenige Wochen vor den Weltmeisterschaften im Bob und Skeleton,  die Mitte Februar in Altenberg beginnen, wurden offiziell die Schalter umgelegt, begann eine neue Zeitrechnung. Die Bobbahn wird nunmehr zu 100 Prozent aus Ökostrom versorgt. "Wir arbeiten damit CO2-neutral", sagt Geschäftsführer Jens Morgenstern, "mit Zertifikat." Ihm ist nicht bekannt, dass das eine andere Bobbahn in Deutschland vorweisen kann. Umso glücklicher ist er.

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Probleme mit dem Image

"Die Bob- und Rodelbahnen werden sich messen müssen", sagt er. Und das ist nicht nur sportlich gemeint. Solche Anlagen haben schlicht und ergreifend einen hohen Energieverbrauch. Der Eiskanal in Altenberg etwa frisst über eine Million Kilowattstunden im Jahr, eigentlich nicht einmal in sechs Monaten. Denn vereist wird die Bahn nur im Winter. Zum Vergleich: Mit dieser Strommenge könnten im Durchschnitt rund 430 Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Energie versorgt werden.

Was da durch die Bobbahn an Kohlendioxid in die Luft geblasen wird, ist in Zeiten der Klimaveränderung immer schwerer zu vermitteln und zu verantworten. Das wird über kurz oder lang auch zu einem Image-Problem. Doch Klima-Aktivistin Greta Thunberg braucht aus Schweden nicht mehr mit dem Zug anzureisen. Die Osterzgebirgler sind helle und haben selbst reagiert.

Enso engagiert sich stark

Möglich wurde das durch die Energie Sachsen Ost AG Enso, die schon lange zu den wichtigsten Sponsoren gehört und seit über einem Jahr auch Namensgeber für den Eiskanal ist. "Der Landkreis ist Eigentümer der Bahn", sagt Vize-Landrat Heiko Weigel, "aber ohne Partner wären wir gar nichts." Es sei eine gute Fügung gewesen, dass die Enso sich hier engagiert. Denn hinter dem Unternehmen stehe nicht nur Wirtschaftskraft. Damit verbunden seien auch inhaltliche Anliegen. "Wir können gute Projekte an der Bahn durchführen", so Weigel. Die Bahn, die viel Energie brauche, strahle wiederum für die Region viel Kraft aus. Der Einsatz erneuerbarer Energien werde jetzt hier sichtbar gemacht. Ein anderer Partner, der dem Landkreis bei der Bobbahn zur Seite steht, sei der Freistaat, der auch immer wieder Gelder zur Verfügung stellt.

Die Enso hat für 65.000 Euro eine Fotovoltaikanlage an der Bobbahn installiert. Auf 400 Quadratmeter großen Dachflächen am Bobstart und auf der benachbarten Bobgarage kann jetzt von der Sonne Energie getankt werden. Das funktioniere laut Enso-Experten sogar noch, wenn eine dünne Schneeschicht auf den Modulen liegt. Die Anlage kann rund 66.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Das entspreche etwa fünfeinhalb Prozent des Stromverbrauches der Bobbahn, erläutert Ralph Buder, der für die Enso das Projekt leitete. Seit Jahresanfang, als die Anlage in Betrieb ging, wurden bereits 350 Kilowattstunden ins öffentliche Netz eingespeist.

Vorteile im Wettbewerb

Parallel dazu hat die Wintersport Altenberg GmbH die Stromversorgung umgestellt. Die Bobbahn bezieht ihren Strom nunmehr ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Erstmals setzt die Enso in ihrem Gebiet Regionalstrom ein. Zu 55 Prozent kommt dieser aus der Windenergieanlage in Mohorn und aus dem Wasserkraftwerk in Klingenberg. Der Rest werde zugekauft aus anderen Wasserkraftanlagen, so Buder weiter. Damit ist es möglich, die Treibhausgase zu senken. Nach Angaben der Enso wird beim Betrieb der Bobbahn der Ausstoß von Kohlendioxid um rund 380 Tonnen jährlich reduziert. Die Menge entspreche den Emissionen, die etwa bei 100 Langstreckenflügen entstehen.

"Das ist der Beginn eines Prozesses", sagt Bahnchef Morgenstern. "Es gibt noch viele Dachflächen hier, wo das fortgeführt werden kann." Er ist überzeugt, das neue Energiekonzept wird die Altenberger Sportstätte im Vergleich mit internationalen Bahnen vorwärtsbringen. "Der ökologische Fußabdruck wird wesentlich kleiner."

Großer Auflauf zur Energiewende am Leuchtturm des Landkreises, der Bobbahn in Altenberg: Bürgermeister, Landtagsabgeordnete, Kreisvertreter, Enso und Bahnbetreiber freuen sich, vor der WM ein sichtbares Zeichen setzen zu können.
Großer Auflauf zur Energiewende am Leuchtturm des Landkreises, der Bobbahn in Altenberg: Bürgermeister, Landtagsabgeordnete, Kreisvertreter, Enso und Bahnbetreiber freuen sich, vor der WM ein sichtbares Zeichen setzen zu können. © Egbert Kamprath

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