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Böhmische Künstlerin trotzt der Krise

Petra Sindelarova betreibt ein Glaskunst-Atelier inKamenicky Šenov.

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Von Arndt Bretschneider

Niemand in ihrer Familie hatte irgendetwas mit der Glasmacherei zu tun, in Prag nicht und später in Österreich auch nicht. Der Vater war Eishockeytrainer, die Mutter Architektin. Petra Sindelarova ist im Glasfach, was man landläufig eine „Seiteneinsteigerin“nennt. Dass die junge Frau sich nun ausgerechnet das kleine nordböhmische Kamenicky Šenov (Steinschönau) als Wirkungsstätte ausgesucht hat, hat mit dem Zufall zu tun.

Zufällig lernte sie in Wien während ihrer Ausbildung zur Glaskünstlerin Peter Rath kennen. Der hatte tiefe Wurzeln in der Zunft und speziell bei den Glasmachern in Steinschönau. 15 Jahre betrieb der Wiener nach der samtenen Revolution1989 wieder ein Glasatelier in Kamenicky Šenov – und suchte einen Nachfolger. So bekam die junge Tschechin, die den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend in Österreich verbrachte, ihre Chance.

„Ich wusste vorher nicht, dass die erste Glasmacherschule der Welt hier im damaligen Steinschönau vor 157 Jahren gegründet wurde“, schwärmt Petra Sindelarova und sieht die Tradition auch als große Verpflichtung.

Den Beruf einer Hohlglasveredlerin lernte sie in Tirol. Sie arbeitete als Glasschleiferin bei der bekannten österreichischen Firma Lobmeyr. Seit dem Jahre 2000 ist sie als freischaffende Glaskünstlerin tätig, studierte nebenbei in Koblenz „Freie Kunst Glas“. Heute entwirft sie individuelle Glaskunstwerke und aquiriert Aufträge für Glasfirmen. „Jedes Objekt kann ein Einzelstück bleiben, eine kleine Serie umfassen oder in größerer Stückzahl hergestellt werden, das ist mein Vorteil“, sagt sie. Der jüngste Großauftrag kam aus Schloss Sanssouci.

„Ich muss immer die Konkurrenz im Auge behalten“, schmunzelt sie. Dafür ist sie viel unterwegs, besucht Symposien und Ausstellungen und hält immer persönlich Kontakt mit ihrer Kundschaft in der ganzen Welt. „Mit Schrecken muss ich erleben, wie die großen Traditionsunternehmen in Tschechien Insolvenz anmelden müssen“, sagt sie. „Aber das Besondere wird überleben und sich weiter am Markt halten“ ist sie überzeugt. Und will dazugehören.