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Sachsen

Böhmische Schweiz lässt Borkenkäfer gewähren

Tschechien überlässt Teile des Nationalparks den Schädlingen. Was heißt das für die Sächsische Schweiz?

Zwischen dem Grenzort Hrensko und Mezni Louka musste schon großflächig gerodet werden.
Zwischen dem Grenzort Hrensko und Mezni Louka musste schon großflächig gerodet werden. © Vaclav Sojka/Nationalpark Böhmische Schweiz

Vom Borkenkäfer befallene Bäume fällen und schnell aus dem Wald bringen, damit gesunde Bäume nicht betroffen werden. So wurde im Nationalpark Böhmische Schweiz bisher gegen den Schädling vorgegangen. Doch damit ist ab sofort Schluss. 

Die extreme Trockenheit im vergangenen Jahr beschleunigte die Ausbreitung des Borkenkäfers. Das Ergebnis waren 45.000 Kubikmeter Holz, die der Nationalpark aus seinem Wald schaffen ließ. „Das war so viel wie noch nie zuvor“, sagt Nationalparksprecher Tomas Salov. Dabei entstanden 35 Hektar baumlose Fläche, was zusammen der Fläche von 50 Fußballfeldern entspricht. Besonders betroffen ist das touristisch beliebte Gebiet zwischen Hrensko und Mezni Louka.

Die gesunde Drittelstunde

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Das ist aber nicht der Grund, warum der Nationalpark nun eine Kehrtwende in seiner Strategie verkündet hat. Auf dem Großteil des Nationalparks sind Baumfällungen wegen Borkenkäferbefall künftig verboten. Der Nationalpark überlässt die Bäume damit ihrem Schicksal und nimmt einen weiteren Befall in Kauf. Laut Sprecher Salov bleibt dafür keine andere Wahl: „Wir mussten feststellen, dass die bisherige Strategie trotz großer Anstrengungen gescheitert ist. Der Borkenkäfer breitete sich sogar weiter aus.“

Zugleich erschweren die baumlosen Flächen eine neue Bewaldung. „Die Jungpflanzen sind schutzlos der Sonne ausgesetzt“, sagt Salov. Die abgestorbenen Baumreste dagegen könnten dem Neubewuchs bessere Bedingungen bieten. „Das Totholz spendet Schatten und hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten“, so der Sprecher weiter.

Für den Nationalpark ist das Ausbreiten des Borkenkäfers ohnehin nicht Ursache, sondern Wirkung. Das kleine Tierchen weise auf eine Fehlentwicklung hin: die großen Fichtenbestände, die in der Zwischenkriegszeit angepflanzt wurden. „Die ursprünglichen Pflanzen sind gegen Trockenheit und Borkenkäfer immun“, sagt Nationalparkdirektor Pavel Benda.

Die Fichtenmonokultur dagegen hat es auch in weniger trockenen Jahren schwer. „Für sie ist die Böhmische Schweiz zu niedrig. Dazu kommt der trockene Sandsteinboden und die südliche Lage“, sagt Sprecher Salov. In der Vergangenheit wurde der Anteil der Fichten bereits um 25 Prozent reduziert. Trotzdem sind über die Hälfte der Bäume im Nationalpark immer noch Fichten. „Wütet der Borkenkäfer so weiter, müssten wir den halben Wald fällen. Das können wir nicht riskieren“, sagt Salov.

© SZ-Grafik

Besucher müssen sich also an große Totholzflächen gewöhnen. Das ist nicht neu. In der Ruhezone (bei uns Kernzone) verbietet ein neues Gesetz Eingriffe. „Dort hat sich gezeigt, dass sich der Wald dank des Totholzes schneller erholt. Und es gibt sogar

Fichten, die die Borkenkäferinvasion überleben, die sonst gefällt worden wären. Für die Wiederaufforstung ist das eine große Hilfe“, sagt Sprecher Salov. Dieser neue natürliche Wald besteht zunächst aus Birken, Ebereschen und Kiefern. Später werden im Nationalpark gezielt Buchen, Eichen, Ahorn und Tannen angepflanzt.

Wohl keine Ausbreitung nach Sachsen

Ganz zieht sich der Nationalpark aus dem Kampf gegen den Borkenkäfer übrigens nicht zurück. „Unsere neue Strategie betrifft die stark befallenen Gebiete um Hrensko und Mezni Louka sowie Jetrichovice, wo wir nur noch fällen, wenn es die Sicherheit der Menschen erfordert. In der hinteren Böhmischen Schweiz bei Doubice tritt der Borkenkäfer dagegen nur vereinzelt auf“, skizziert Salov. Dort wolle man weiter fällen, aber so, dass keine Freifläche von mehr als einem Hektar entsteht.

Außerdem wird der Nationalpark in einer 500 Meter breiten Pufferzone an seinen Grenzen weiter fällen, um den benachbarten Waldbesitzern Zeit zu verschaffen, auf die Borkenkäferplage zu reagieren. Das gilt allerdings nicht für den Nationalpark Sächsische Schweiz, an den die Ruhezone grenzt.

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Ein Überspringen des Borkenkäfers nach Sachsen und umgekehrt droht aber laut Salov nicht. „Der Borkenkäfer breitet sich bisher eher von der Grenze weg aus“, so Salovs Diagnose. Das bestätigt auch Hanspeter Mayr vom Nationalpark Sächsische Schweiz: „Der Schwerpunkt liegt woanders.“ Über die Strategieänderung war der Nationalpark vorinformiert. „Sie ist vergleichbar mit der Herangehensweise auf sächsischer Seite“, so Mayr weiter. Auch der Nationalpark Sächsische Schweiz konzentriert sich in diesem Jahr bei der Borkenkäferbekämpfung auf die an Privatwald angrenzenden Fichtenwälder. Außerhalb dieser Randzone werden keine Maßnahmen mehr durchgeführt.