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Bösewicht mit Vorbild

Eine Autorin aus der Nähe von Bautzen hat ihren ersten Roman veröffentlicht. Dass sie unter Pseudonym schreibt, hat eine besondere Bewandtnis.

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© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Bautzen. Der Typ ist ein echter Fiesling. Um seine Interessen durchzusetzen, geht er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, dieser Friedemann Steinbacher. „Ich hab’ zwar viel Fantasie, aber so viel Bösartigkeit konnte ich mir nicht ausdenken“, sagt Catharina Berndt, die in Wirklichkeit anders heißt. Weil es in ihrem Umfeld ein reales Vorbild für den Bösewicht in ihrem ersten Roman gibt, hat sie es vorgezogen, ihn unter Pseudonym zu veröffentlichen. Zufrieden hält sie das Werk nun in den Händen. „Die Magie der Rache“ – der Titel ist nicht zufällig gewählt. Sie habe beim Schreiben diesen gewissen Kick empfunden, das sei wohl so etwas wie Rache gewesen, sagt die Endvierzigerin. Dabei sei sie sonst ein friedfertiger Mensch. „Im wahren Leben möchte ich nicht auf Konfrontation gehen.“

In ihrem Roman dagegen versucht die junge Werbedesignerin Leonie, die Machenschaften ihres Onkels Friedemann Steinbacher aufzudecken. Dabei gerät sie mitunter in gefährliche Situationen. Stück für Stück lüften sich schließlich die Geheimnisse ihrer Familie. Doch die ganze Wahrheit erfährt sie erst, als sie schon nicht mehr daran geglaubt hat. Ein Schmöker, wie sie ihn selbst gern liest, ist Catharina Berndt da aus der Feder geflossen. Romane mit ausufernden Beschreibungen seien nicht so ihr Ding, gibt sie zu. Sie mag es lieber, wenn die Handlung flott vorankommt – und es ein Happy End gibt. Den Weg dorthin pflastert sie großzügig mit mannigfaltigen menschlichen Verfehlungen und schicksalhaften Begegnungen.

Doch so schnell, wie sich das Buch herunterliest, ist es freilich nicht entstanden. Sieben Jahre habe sie daran gearbeitet – neben ihrer eigentlichen Arbeit, erzählt Catharina Berndt. Die hat auch mit Schreiben zu tun, statt Fantasie sind dabei aber Fakten gefragt. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten gibt sie eine Fachzeitschrift für Lehrer heraus. Geschrieben habe sie schon immer gern, blickt sie zurück. So pflegte sie als Jugendliche viele Brieffreundschaften. Als sie später mit ihrem Sohn im Babyjahr zu Hause war, begann sie aus Langeweile Kurzgeschichten zu verfassen. „Einige Frauenzeitschriften haben die tatsächlich abgedruckt.“

Jahre später schwirrte ihr dann die Idee für den Roman im Kopf herum. Und ihr Lebenspartner ermunterte sie zum Schreiben – auch wenn sich fortan in der Wohnung überall kleine Notizzettel fanden, um Einfälle für einzelne Szenen immer sofort aufschreiben zu können. Als die Geschichte endlich fertig war, habe sie zu ihrem Erstaunen relativ schnell einen Verlag gefunden, der Interesse zeigte. Mittlerweile liege schon ein Ordner voller neuer Ideen parat – darunter eine Geschichte für ihren zweiten Roman. Der soll dann – anders als beim ersten, der an einem fiktiven Ort spielte – in Dresden angesiedelt sein.

Die Magie der Rache, hansanord Verlag, 9,99 Euro, ISBN 978-3-940873-97-2. Erhältlich unter anderem im SZ-Treffpunkt Görlitz, City-Center.