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Böttger-Museum im Prälatenhaus

Im Kulturausschuss stellt die Verwaltung ein Konzept zur Nutzung des Denkmals vor.

Prälaten – also christliche Würdenträger – bewohnten einst das gleichnamige Haus von 1509.
Prälaten – also christliche Würdenträger – bewohnten einst das gleichnamige Haus von 1509. © Claudia Hübschmann

Meißen. Pünktlich zu seinem 500. Geburtstag im Jahr 2009 soll das Meißner Prälatenhaus fertig saniert sein. Museum, Weinkeller, Hausbrunnen und Vereinsräume sollen das historische Gebäude dann zu einer Attraktion machen.“ So stand es im Mai 2002 in der SZ zu lesen. Jetzt– fast 18 Jahre und einen gescheiterten Verkauf später – soll wieder Bewegung in das Projekt Prälatenhaus kommen.

Das legt der Punkt „Vorstellung des Konzeptes zur Entwicklung des Prälatenhauses Rote Stufen 3“ nahe, der auf der Tagesordnung des Sozial- und Kulturausschusses am 8. Januar steht. Wie das Konzept der Stadtverwaltung aussehen soll, ist nicht ausgeführt. 

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Allerdings gibt es mehr als genug Material, um die Situation des Prälatenhauses zu beleuchten. Der wichtigste Punkt: Das um 1509/10 errichtete Gebäude zählt zu den wertvollsten in Meißen, Sachsen und darüber hinaus. Grund ist, dass es auch nach mehr als 500 Jahren in seiner Bausubstanz ziemlich vollständig erhalten ist und seltene spätgotische Decken- und Wandmalereien enthält.

Im Prälatenhaus finden sich mehr als 500 Jahre alte wertvolle Wand- und Deckenbilder.
Im Prälatenhaus finden sich mehr als 500 Jahre alte wertvolle Wand- und Deckenbilder. ©  Claudia Hübschmann

Im erwähnten SZ-Artikel war auch zu lesen, dass insgesamt 1,7 Millionen Euro für die Sanierung des Prälatenhauses aufgewendet werden sollen, wovon 1,2 Millionen Euro von Bund und Freistaat kommen sollen. Die Stiftung Denkmalschutz und die Denkmalförderung Sachsen wollten 380.000 Euro dazugeben und der Verein Kuratorium „Rettet Meißen Jetzt“ 136.000 Euro. 

Abgesehen von der Sicherung der Bausubstanz und der Sanierung der Fassade sind die beiden wertvollsten Räume des Hauses, Bohlenstuben – so genannt wegen ihrer aus Holzbohlen bestehenden Wände und Decken mit Malereien aus der Entstehungszeit – inzwischen auch restauriert worden.

Allerdings war damit erst ein Anfang gemacht. Weitere Arbeiten warten auf ihre Erledigung. So ist die Decke im Erdgeschoss noch nicht angerührt worden. Hier muss etwa das Tragwerk verstärkt werden, um heutigen Nutzungsbedingungen zu genügen. Im ersten Obergeschoss finden sich weitere wertvolle Wandmalereien mit Figuren und Spruchbändern, die noch nicht freigelegt sind. 

Und außerdem ist die barocke Holztreppe, die bis ins Dachgeschoss führte, ausgelagert. Sie soll restauriert und wieder eingebaut werden. Zudem sind weitere Holzbalkendecken und Sandsteingewände im Haus zu restaurieren.

Warum all dies nach so vielen Jahren noch nicht erledigt worden ist, erklärte der im vergangenen Jahr verstorbene Kreisdenkmalpfleger Andreas Christl: „Die Stagnation im Baufortschritt in den letzten zehn Jahren ist den fehlenden Eigenmitteln bei Stadt und Kuratorium geschuldet.“ Eine Lösung für das Problem schien dann endlich im März 2017 gefunden. Mit 23 von 24 Stimmen beschloss der Stadtrat den Verkauf der Roten Stufen 3, Prälatenhaus, an die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung für 240 000 Euro.

Das Bild zeigt die unsanierte Fassade in den 1990er Jahren.
Das Bild zeigt die unsanierte Fassade in den 1990er Jahren. © SZ/Archiv

Doch dann erklärte die Stiftung im Oktober 2018, dass sie vom Kauf wieder Abstand nimmt. Stiftungsverwalter Tom Lauerwald hatte die voraussichtlichen Sanierungskosten prüfen lassen und kam statt der ursprünglich angenommenen 700.000 Euro auf rund zwei Millionen. Weil sich die Stadt nicht „in irgendeiner Form an den gestiegenen Kosten beteiligen wollte“ und das Projekt generell zu wenig unterstützte, trat die Stiftung zurück.

Zwar wissen die Stadträte bis heute nicht, wie der Haushalt für dieses und das kommende Jahr aussehen soll, allerdings sind ihnen Mittelanmeldungen vorgelegt worden. Aus diesen geht hervor, dass für die Jahre 2020/2021 genau 725.000 Euro für die Sanierung des Prälatenhauses vorgesehen sind. Davon sollen 580.000 Euro aus Fördermitteln finanziert werden, die Eigenmittel der Stadt würden demnach 145.000 Euro betragen.

Kritik an Museumsplänen

Bislang war immer davon ausgegangen worden, dass die Fertigstellung des Prälatenhauses noch etwa eine Million Euro kosten wird. Das Kuratorium „Rettet Meißen Jetzt“ hatte vor etwa sieben Jahren einen Förderantrag beim europäischen Efre-Programm über 900.000 Euro gestellt. Gut möglich, dass die Stadt auch nach 2021 Mittel in den Haushalt einstellen will.

Und was soll aus dem Prälatenhaus einmal werden? Die Hornsche Stiftung wollte ein Vereinshaus daraus machen. Kolportiert wird jetzt die Einrichtung eines Porzellanmuseums, eventuell zum Miterfinder des Meissener Porzellans, Johann Friedrich Böttger (1682 – 1719). 

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Kritiker sagen, das Prälatenhaus sei als solches ein Museum und der Blick auf Architektur und Malereien im Innern sollte nicht durch Porzellan verstellt werden. Befürworter meinen, Porzellan eigne sich hervorragend, weil es den komplizierten klimatischen Bedingungen im Prälatenhaus gewachsen sei. 

Worin sich alle einig sein dürften: Die Zugänglichkeit zum und im Prälatenhaus für ältere und behinderte Menschen bleibt ein großes Problem – ganz gleich, wie es genutzt werden wird.

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