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Waggonbau: Görlitz setzt alle Hoffnungen auf Alstom

Die Bürgschaft für die Rettung der Jobs findet Zustimmung. Bombardier aber hat jegliches Vertrauen verspielt.

Zum 170-jährigen Bestehen des Görlitzer Waggonbaus trafen sich Politik und Unternehmensleitung noch und tauschten sich aus.
Zum 170-jährigen Bestehen des Görlitzer Waggonbaus trafen sich Politik und Unternehmensleitung noch und tauschten sich aus. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Bombardier scheint auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Am Montag wurde bekannt, dass Land und Bund eine Bürgschaft zur Sicherung der Bombardier-Standorte Görlitz und Bautzen geben wollen. Beteiligt sind auch noch weitere Bundesländer, in denen Bombardier Standorte unterhält. Dem Vernehmen nach soll es allein in Sachsen um die Haftung für einen dreistelligen Millionenbetrag für Auftragsausfälle gehen.

Die Zusagen treffen in Görlitz auf ein geteiltes Echo. So begrüßt der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu einerseits die Bürgschaft als kurzfristiges Instrument, um die "Arbeitsplätze zu sichern". Andererseits aber erwartet er sich erst durch die Übernahme des Görlitzer Waggonbaus durch Alstom eine "längerfristige Lösung und positive Entwicklung".  

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"Das ständige Zittern um die Standorte ist unwürdig"

Auch der Görlitzer Landtagsabgeordnete Mirko Schultze hält es für entscheidend, dass die Bombardier-Jobs in Bautzen und Görlitz erhalten bleiben. "Das ständige Zittern um die Standorte ist unwürdig", erklärt er.  Auch Schultze nimmt deswegen bereits den französischen Bahnkonzern Alstom in die Pflicht. "Die Staatsregierung muss unbedingt vermeiden, dass sich Alstom im Falle einer Fusion für den Abbau von Arbeitsplätzen mit Steuergeld belohnen lässt", erklärt der Landtagsabgeordnete der Linkspartei weiter.

Entscheidung über Alstom-Kauf bis 16. Juli

Ob Alstom übernehmen kann und welche Auswirkungen das auf die beiden Oberlausitzer Standorte haben wird, dürfte sich in den nächsten zwei Wochen entscheiden. So hat der französische Bahnkonzern Alstom am 11. Juni die Übernahme in Brüssel bei der EU angemeldet. 

Bis zum 16. Juli wird mit einer Stellungnahme der EU-Kommission gerechnet. Dann wird klar sein, ob das Verfahren mit einer vertieften Prüfung fortgesetzt wird oder ob die Kommission bereits ihre Auflagen bekannt gibt. Dazu könnte auch gehören, dass sich Alstom/Bombardier von Werken trennen muss, um eine zu große Dominanz auf dem Markt zu verhindern. Das Handelsblatt berichtete letztens darüber, dass die Werke in Hennigsdorf und Salzgitter in Gefahr seien und damit rund 4.000 Jobs. Von Görlitz und Bautzen war in dem Bericht keine Rede. Der Görlitzer OB fordert daher von der Europäischen Union "bald eine Entscheidung". 

Möglicherweise gibt es auch bereits Neuigkeiten am 8. Juli. Dann findet die Hauptversammlung des Alstom-Konzerns statt. 

Erhebliche Schwierigkeiten von Bombardier

Dass aber Bombardier  in erheblichen Schwierigkeiten steckt, ist mittlerweile branchenweit bekannt. Einige Zulieferer, so hieß es im Handelsblatt, würden nur noch per Vorkasse liefern. In Görlitz zog sich der langjährige Industriepartner KSC zurück. Wie es hieß, wollte Bombardier für die geforderten Leistungen nicht alle Kosten übernehmen. 

Die neu angekündigte Sparrunde von Bombardier, die konzernweit 1.000 Jobs kosten könnte, bedroht allein in Görlitz nach SZ-Informationen rund 250 Stellen.  Die Stimmung im Görlitzer Werk ist so düster wie lange nicht mehr. Auch vor diesem Hintergrund appelliert Ursu an alle: "Jetzt brauchen wir aber eine positive Grundhaltung, um die Zukunft der Standorte in der Region zu sichern".

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