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Boofen bald nur noch mit Ausweis?

Statt Kletterern übernachten immer mehr Ausflügler im Freien. Das ist nicht im Sinne des Nationalparks. Nun könnte es Konsequenzen geben.

Steffen Elsner, Mitarbeiter Nationalparkverwaltung (l.) geht mit zwei Polizeibeamten auf Streife.  Die Polizei hat die Ranger in diesem Jahr unterstützt.
Steffen Elsner, Mitarbeiter Nationalparkverwaltung (l.) geht mit zwei Polizeibeamten auf Streife. Die Polizei hat die Ranger in diesem Jahr unterstützt. © Daniel Schäfer

Boofen hat bei Bergsteigern und Kletterern in der Sächsischen Schweiz schon immer etwas mit einem Stück Freiheit zu tun.

Diese Übernachtungsart entwickelte sich vor mehr als hundert Jahren mit dem Klettersport im Elbsandsteingebirge. Sie galt als kostenlose Quartieralternative für die Bergsteiger gleich am Felsen - auch wegen der damals kürzeren Wochenenden, der geringeren Freizeit und den längeren Anreisezeiten. Und Boofen bedeutete Freiheit, draußen sein. 

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Wohl auch deshalb wurde dieses Stück Bergsteigertradition über die Wende gerettet. Bis vor wenigen Jahren waren einige der Boofen sogar liebevoll ausgebaut und mit Feuerstellen versehen worden. Doch die Zeiten haben sich geändert - und offenbar auch die eigentliche Tradition des Boofens. 

In ihrer Verordnung weist die Nationalparkverwaltung darauf hin, dass nur derjenige im Freien übernachten darf, der tatsächlich auch klettert. Durch das Boofen darf der Schutzzweck des Nationalparks nicht beeinträchtigt werden.

Doch diese Bedingungen - also Boofen nur, wenn man davor oder danach klettert und wenn man den Naturschutz nicht beeinträchtigt - seien seit Längerem nicht mehr erfüllt, sagt Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr. Der Anteil der Kletterer liege mittlerweile bei unter zehn Prozent.

Die 58 gekennzeichneten Boofen außerhalb der Kernzone des Nationalparks sind aber gut besucht. So zählte die Nationalparkverwaltung zum Beispiel in der Saison 2017 rund 21.000 Freiübernachter.

Damit könnte bald Schluss sein, zumindest mit solch hohen Zahlen. Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft als Oberste Naturschutzbehörde erwägt, das Boofen weiter zu reglementieren. Erste Details sickerten jetzt durch.

Demnach gibt es Ideen für sogenannte Boof-Tickets. Diese sollen personalisiert werden, Datum und Ort der Boofe enthalten. Darüber hinaus müsste das Boofen angemeldet werden und der Anmelder dann auch eine Haftpflichtversicherung abschließen. Hintergrund ist offenbar, dass das Übernachten im Freien offenbar unter bestimmten Personengruppen ein Trend geworden ist. Und deshalb sieht die Nationalparkverwaltung auch den Schutzzweck nicht mehr gewährleistet. 

Wie geht es mit den 58 Boofen weiter?

2018 seien im Nationalpark die Zahlen von Wanderfalke, Uhu und Schwarzstorch zurückgegangen. Viele Indizien, so heißt es, weisen darauf hin, dass dies auch mit der nächtlichen Anwesenheit von Menschen zu begründen ist. 

Darüber hinaus waren im vergangenen Jahr  17 von 19 Waldbränden von illegalen Feuerstellen ausgegangen, sagt Hanspeter Mayr. In diesem Jahr waren  bisher vier Waldbrände aufgetreten, wovon einer von einem Lagerfeuer ausgegangen war.

 "Viele weitere illegale Feuerstellen haben wir im Nationalpark gefunden, aus denen sich jedoch glücklicherweise kein Waldbrand entwickelt hat", sagt der Nationalpark-Sprecher.

Wie es in Zukunft mit den 58 Boofen weitergeht, ist noch nicht sicher. Die Entscheidung werde vorher mit allen betroffenen Verbänden und Vereinen sowie den Kommunen abgestimmt. Darüber hinaus gebe es auch noch keine detaillierten Planungen, wie das Boofen möglicherweise weiter reglementiert werden kann. Auf jeden Fall würden die Nationalparkwacht und deren ehrenamtliche Helfer weiter  kontrollieren. 

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Darüber hinaus weist die Nationalparkverwaltung  darauf hin,  dass im  Landschaftsschutzgebiet Elbsandsteingebirge, welches die umliegenden Gebiete der Nationalparkregion umfasst,  das Freie Übernachten erlaubt, Zelten jedoch verboten ist. Naturschutzgebiete, wie der Pfaffenstein, sind hiervon ausgenommen. Dort empfiehlt die Verwaltung,  die Biwak-Unterkünfte entlang des Forststeiges zu nutzen.

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