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Schon wieder ein Brand im Zittauer Gebirge

Ein illegales Lagerfeuer in einer Felsspalte hat den Oybiner Feuerwehrleuten sehr viel abverlangt. Nicht zum ersten Mal. Ist die Polizei den Campern diesmal auf der Spur?

Hier muss geklettert werden: Die Kameraden der Oybiner Feuerwehr haben einen langen, steinigen Fußmarsch zurücklegen müssen, um zur Stelle der Wildcamper zu gelangen. Mit dabei: Löschrucksäcke.
Hier muss geklettert werden: Die Kameraden der Oybiner Feuerwehr haben einen langen, steinigen Fußmarsch zurücklegen müssen, um zur Stelle der Wildcamper zu gelangen. Mit dabei: Löschrucksäcke. © Feuerwehr Oybin

Es ist ein Einsatz, der den Oybiner Feuerwehrleuten noch lange in den Knochen stecken wird: Als sie am vergangenen Sonnabendnachmittag zu einem Waldbrand in das Töpfergebiet gerufen werden, ahnen sie allerdings schon, was da mal wieder auf sie zukommen wird: Es ist ja nicht das erste Mal.

Völlig abgelegen und nur sehr schwer zugänglich ist die Stelle, an der es diesmal brennt: In einer Felsenspalte im Töpfergebiet, unterhalb der "Böhmischen Aussicht", steigt Rauch auf. "Allein schon die Suche nach der Stelle, an der es brennt, war schwierig", berichtet Oybins Wehrleiter Wolfgang Rücker. "Erst nach einer knappen Stunde konnten wir die genaue Stelle finden." 

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Zu Fuß, über einen weiten Anmarsch, müssen sich die Feuerwehrleute, die nicht von vornherein auch gute Bergsteiger sind, an den Brandort kämpfen - inmitten von Felsen, nur über diverse Schluchten und Felsvorsprünge zu erreichen. Das Löschwasser und die Gerätschaften, die sie brauchen, müssen die Kameraden in Rucksäcken auf ihren Rücken mitschleppen.

Es ist mal wieder ein Lagerfeuer außer Kontrolle geraten. Wildcamper - sogenannte Boofer - werden wahrscheinlich hier zwischen den Felsen übernachtet haben. Irgendwann zwischen Freitagabend und Sonnabendmorgen müssen sie das Lagerfeuer entfacht haben. Als es sich Stunden später zu einem Schwelbrand entwickelt, sind die Boofer schon nicht mehr da. 

Der Einsatzort der Feuerwehr hat im Töpfergebiet gelegen. Dort verbrachten Wildcamper wohl die Nacht zum Sonnabend.
Der Einsatzort der Feuerwehr hat im Töpfergebiet gelegen. Dort verbrachten Wildcamper wohl die Nacht zum Sonnabend. © Feuerwehr

Aber möglicherweise kommt man ihnen diesmal auf die Spur. Die Betreiber der Töpferbaude haben ein verdächtiges Auto mit einheimischem Kennzeichen gesehen, das von Freitagabend bis Sonnabend früh in der Nähe gestanden hat. Die Polizei ermittelt.

Es ist der dritte Feuerwehreinsatz dieser Art innerhalb kurzer Zeit im Zittauer Gebirge. Noch keine zwei Wochen zuvor müssen die Jonsdorfer Kameraden in die Mühlsteinbrüche ausrücken, um ein illegales Lagerfeuer zu löschen, das wieder aufgeflammt war. Nur wenige Tage später erwischt ein Feuerwehrmann zufällig drei junge Männer aus Tschechien an einem Lagerfeuer bei den Nonnenfelsen.

Kreisbrandmeister Björn Mierisch macht das fassungslos: "Wer bei dieser Trockenheit im Wald ein Feuer anzündet, der muss mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden", fordert er und schüttelt den Kopf: "Auch Wanderer und Bergsteiger müssten doch wissen, wie gefährlich das werden kann."

Bisher habe der Regen noch lange nicht ausgereicht, den trockenen Waldboden wieder ausreichend zu befeuchten. Ein Feuer könne sich bei solchen Bedingungen im Wurzelwerk der Bäume weiter ausbreiten - und möglicherweise an einer ganz anderen Stelle wieder aufflammen.  

An dieser Stelle haben die Wildcamper ein Lagerfeuer gemacht, das sich zu einem Schwelbrand entwickelte.
An dieser Stelle haben die Wildcamper ein Lagerfeuer gemacht, das sich zu einem Schwelbrand entwickelte. © Feuerwehr

In den letzten Jahren habe sich das Übernachten im Wald zu einem regelrechten Trend entwickelt, sagt der Kreisbrandmeister. Dabei ist das grundsätzlich gar nicht erlaubt, erklärt Angela Bültemeier vom Zittauer Forstbetrieb - die Stadt ist größtenteils Eigentümer der Waldflächen im Zittauer Gebirge.

"Nach unserer Auffassung ist das im Waldgesetz geregelt", sagt die Forstbetriebs-Chefin. Demnach fällt das Übernachten im Wald nicht unter das allgemeine Betretungsrecht. Und auch ein Feuer darf laut Waldgesetz nur an behördlich genehmigten Feuerstellen entzündet werden. Zudem steht in der Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet Zittauer Gebirge, dass alle Handlungen verboten sind, "die den Naturhaushalt schädigen und die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter stören". "Darunter zähle ich auch das Entzünden von Feuer im Wald", sagt Angela Bültemeier.

Boofern könnten demnach empfindliche Strafen drohen: Je nach Schwere des Falls können Geldbußen bis zu 2.500 Euro, in besonders schweren Fällen bis zu 10.000 Euro verhängt werden. Doch dafür müssen die Wildcamper erst einmal erwischt werden. Und das ist im Zittauer Gebirge leichter gesagt als getan - eben auch, weil sich die in Bergsteiger-Kreisen bekannten Boofen meistens an schwer zugänglichen Stellen befinden.

"Natürlich geht jeder Mitarbeiter des Forstbetriebes mit offenen Augen durch den Wald", sagt Angela Bültemeier, nur sei der Umfang der Aufgaben groß und die personellen Ressourcen einschließlich der Arbeitszeit begrenzt. "Mit unseren Möglichkeiten können wir keine Überwachung des Gebirges leisten", muss die Forstbetriebs-Chefin ganz nüchtern konstatieren.

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Auch deswegen will sie vor allem an die Vernunft und den gesunden Menschenverstand appellieren: "Jedes Feuer ist eins zuviel und ein Riesenproblem für den Wald", sagt sie. Und deshalb wäre auch sie sehr froh, wenn die Polizei den Wildcampern aus dem Töpfergebiet diesmal tatsächlich auf die Spur kommen würde.

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