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Pirna

Boofer ignorieren Waldsperrung

Wegen Waldbrandgefahr ist der Nationalpark Sächsische Schweiz nachts gesperrt. Das weiß offenbar nicht jeder. Manche machen sogar Feuer.

A4-große Zettel an den Eingangsschildern zum Nationalpark verkünden das nächtliche Verbot. Ist das deutlich genug?
A4-große Zettel an den Eingangsschildern zum Nationalpark verkünden das nächtliche Verbot. Ist das deutlich genug? © Mike Jäger

Ein Trupp von sechs jungen Leuten fiel einem Schmilkaer am Freitagabend auf der Winterbergstraße auf. Ausgerüstet mit Rucksäcken wollten sie offensichtlich zum Boofen. 

Vom nächtlichen Betretungsverbot des Waldes hätten sie nichts gehört, sagten sie, nachdem sie der Mann angesprochen hatte. Den A4-Zettel, der an einem Schild am Wegesrand hängt, wollen sie in der Dämmerung gegen halb zehn nicht gesehen haben. Kurz zuvor hatte derselbe Schmilkaer schon zwei Wanderer aus Polen angesprochen, die vorgaben, den Sonnenuntergang fotografieren zu wollen – mit Zelt, Schlafsack und Isomatte im Gepäck. Nach einer Diskussion drehten sie missmutig ab. Nur zwei Beispiele, die keine Einzelfälle sein dürften.

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Die Wälder im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind wegen akuter Waldbrandgefahr gesperrt. Zwischen 21 Uhr und sechs Uhr darf sich kein Besucher im Wald aufhalten. Das gilt auch und besonders für den Nationalpark Sächsische Schweiz und die dortigen Übernachtungsstellen, die Boofen. Allein in der vergangenen Saison hatte es im Nationalpark 19 Waldbrände gegeben – fast immer durch illegale Feuerstellen ausgelöst.

Das aktuelle Verbot hatten das Landratsamt Pirna und die Nationalparkverwaltung am vergangenen Donnerstagabend bekannt gegeben. Die Sächsische Zeitung und andere Medien berichteten darüber.

Doch wie gelangen Menschen, die keine Nachrichten verfolgen, an die Information? Sowohl das Landratsamt als auch der Tourismusverband Sächsische Schweiz haben die Mitteilung auch über Facebook verbreitet. Auf der Website des Nationalparks selbst prangt sie in roter Schrift und mit Ausrufungszeichen direkt auf der Startseite: „Der Wald ist erneut nachts gesperrt! – Keep out of the forest at night!“, heißt es auf Deutsch und auf Englisch. „Wer sich also minimal auf seinen Aufenthalt in der Sächsischen Schweiz vorbereitet hat, kam an der Meldung nicht vorbei“, sagt Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr. Vor Ort hängen die A4-großen Hinweiszettel an mindestens 80 von 110 Hinweistafeln an den Zugängen des Nationalparks.

Illegale Lagerfeuer entdeckt

Bei den vorangegangen Sperrung wegen akuter Waldbrandgefahr war die Meldung auch auf den Monitoren in den S-Bahnen zu sehen, mit denen viele Besucher von Dresden in die Sächsischen Schweiz anreisen. Das hat dieses Mal urlaubsbedingt leider nicht mehr vor dem Wochenende geklappt, erklärt Hanspeter Mayr vom Nationalpark. Seit Montag ist der Hinweis auch auf den Monitoren im Zug präsent.

Mitarbeiter der Nationalparkwacht waren am Wochenende zudem im Wald unterwegs. Am Freitagabend haben sich Gebietskontrollen auf den Großen Zschand konzentriert. Im Schmilkaer Gebiet war die Nationalparkwacht am Sonnabend- und Sonntagabend unterwegs und hat die Besucher auf das nächtliche Betretungsverbot hingewiesen, berichtet Sprecher Mayr. Alle wichtigen Eingänge zu besetzen, sei aber personell nicht möglich.

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Ab sofort gelten strenge Verbote beim Wandern und für Waldbesucher. Grund ist die extrem hohe Brandgefahr.

Bei ihren Kontrollgängen wurden die Nationalparkwächter durchaus fündig. „Wir haben eine Reihe von Leuten abends aus dem Wald hinaus gebeten“, sagt Hanspeter Mayr. Auch nachträglich wurden noch einige Verstöße festgestellt – darunter illegale Feuer im Wald. Eine Lagerfeuerstelle wurde am oberen Ende des Schwarzberggrundwegs zwischen Wehlen und der Basteistraße entdeckt. Um das Feuer zu löschen, musste die Nationalparkwacht die Lohmener Feuerwehr zu Hilfe rufen. Aufmerksame Wanderer hatten das Feuer zuvor gemeldet. Sie haben damit einen größeren Waldbrand verhindert.

Nächtliche Sperrung

Das Verbot gilt für den gesamten Landkreis zwischen 21 Uhr und 6 Uhr. In dieser Zeit ist das Betreten des Waldes untersagt.

Tagsüber darf der Wald betreten, die Wege aber nicht verlassen werden.

Ausgenommen sind die Trekkinghütten und Biwakplätze des linkselbischen Forststeigs.

Offenes Feuer sowie das Rauchen sind in allen sächsischen Wäldern generell und ganzjährig verboten.

Bei Verstößen gegen das nächtliche Betretungsverbot drohen Geldbußen bis zu 2 500 Euro, in besonders schweren Fällen bis zu 10 000 Euro.

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