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Boom in Sexshops

Wie „Fifty Shades of Grey“ nicht nur das Kinogeschäft, sondern auch das Liebesleben vieler Paare ankurbelt.

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Von Nicole Czerwinka

Sex sells. Dieser Spruch gilt nicht nur in Erotikfachgeschäften, sondern auch im Kino. Rund 1,35 Millionen Deutsche sahen die US-amerikanische Bestsellerverfilmung „Fifty Shades of Grey“ allein in der ersten Woche nach dem Filmstart Mitte Februar. Im Riesaer Filmpalast Capitol waren es laut Chef Alexander Malt inzwischen auf jeden Fall mehrere Tausend Besucher. „Die Vorstellungen sind gut verkauft, derzeit läuft der Film bei uns täglich“, erzählt er.

Doch der Erfolg des umstrittenen Filmes ist nicht allein im Kino messbar. Die Geschichte über eine junge Liebe mit etwas anderen Sexvorlieben macht dem Publikum offenbar Lust auf mehr. Denn kaum war der Film angelaufen, profitierten auch die Sexshops im Lande von der filmischen Inspiration: Peitschen, Fesseln, Seile wurden plötzlich zur Mangelware in den Regalen. „Ja, hier kommen Kunden nur wegen des Filmes vorbei. Sie wollen etwas ausprobieren und lassen sich dazu von mir beraten, denn das geht im Internet nicht“, sagt Rita Heinicke, Inhaberin des einzigen Erotikgeschäfts in Riesa. Seit es den Film gibt, verkauft sie hier vor allem Bondage-Artikel und Fesseln häufiger als sonst, bestätigt sie. „Es ist nicht so, dass der Umsatz deswegen jetzt explodiert, aber eines ist sicher: Der Film hat viele Leute dazu angeregt, mal etwas Neues im Bett zu testen“, ist Rita Heinicke überzeugt.

Das passende Sexspielzeug zum Film

Längst hat die Erotik-Branche auf den Film reagiert und ein spezielles Shades-of-Grey-Sortiment für Sexartikel in die Läden gebracht. Eike Wächtler-Rudolph, die Inhaberin von Wächtlers-Sex-Shop in Oschatz, hat damit schon viel Umsatz gemacht. „Durch den Film kommen auf jeden Fall mehr Leute ins Geschäft“, sagt sie. Besonders gut laufen seitdem Handschellen, Fesselsets mit Augenbinden und Bondageseile. Tapeband habe sie sonst nur ein- bis zweimal im Jahr verkauft, nachdem der Film die deutschen Kinos erobert hatte, fragten ihre Kunden kurzzeitig sogar bis zu fünfmal in zwei Wochen danach.

Einige dieser „Spielzeuge“, wie Eike Wächtler-Rudolph sie nennt, liefen sogar so gut, dass sie diese bald schon beim Händler nachordern musste. „Auch nach den Büchern wird häufiger gefragt, die sind derzeit aber komplett ausverkauft“, sagt die Sexshopchefin.

Und im Baumarkt? Tun es die Riesaer vielleicht dem Film gleich und fragen dort direkt nach Kabelbindern? Eine Mitarbeiterin des Toom Baumarktes in Riesa-Weida lacht schallend am Telefon. Sie weiß schon, worauf die Frage hinausläuft. „Nein, davon haben wir nichts bemerkt. Weder Kabelbinder noch Klebeband werden seit dem Filmstart öfter verkauft“, sagt sie.

In die Sexshops kommen wohl vor allem Paare, die ihr Liebesleben nach dem Film runderneuern wollen. Der Paartherapeut Hans-Joachim Schmidt aus Meißen sieht diesen Trend aber eher kritisch. Zwar sei Sexualität ein ganz wesentlicher Bestandteil von Beziehungen und kann auch helfen, über Probleme hinwegzukommen. „Die Paare werden diese neuen Spielzeuge allerdings bald enttäuscht weglegen“, vermutet der Experte. Der Grund: „Im Film wird immer ein Ideal gezeigt. Die Paare werden dieses Ideal aber wahrscheinlich nicht erreichen und das führt am Ende nur zu Frust und noch größerer Unzufriedenheit“, sagt Hans-Joachim Schmidt. Er rät dazu, Körperlichkeit lieber gemeinsam zu entdecken, anstatt sie vom Film nachzuspielen. „Es geht nicht immer um Sex oder Orgasmen. Wichtig für die Beziehung ist, dass die Paare eine körperliche Intimität zueinander herstellen, sich Berührungen schenken“, erklärt der Therapeut.

Dennoch scheint der Erfolg des Filmes ungebrochen. Kino-Chef Alexander Malt freut es allemal. „Wir werden den Film auf jeden Fall noch bis über die Osterfeiertage spielen“, verspricht er. Ausverkauft seien die Vorstellung zwar nicht mehr, aber noch immer gut besucht. Solange der Film erfolgreich ist, wird er ihn in Riesa zeigen. Allerdings kann er nicht garantieren, dass die Romanze auch weiterhin täglich im Capitol gespielt wird. „Es gibt gerade viele neue Filme, sodass wir jetzt abwarten müssen, wie sich das weiter entwickelt.“