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Wie Rehbraten den Wald retten kann

Löbaus Stadtförster erklärt, wie prekär die Lage nach der Borkenkäferplage ist und was er jetzt tun will. Dabei spielen auch Wild-Delikatessen eine Rolle.

Forstarbeiter Patrick Wollner zeigt eine Rinde mit deutlichen Borkenkäferspuren.
Forstarbeiter Patrick Wollner zeigt eine Rinde mit deutlichen Borkenkäferspuren. © Rafael Sampedro

Patrick Wollner hält die kleinen Übeltäter in der Hand. Die Tiere sind winzig - nur ungefähr sechs Millimeter lang - richten aber großen Schaden an. Wollner ist einer von vier Mitarbeitern in Löbaus Forst-Abteilung. Er, seine Kollegen und Lars Morgenstern - Stadtförster und Chef der Abteilung - haben derzeit alle Hände voll zu tun. Sie müssen die Schäden, die der Mini-Baumkiller angerichtet hat, beseitigen. Und die sind verheerend. Über 17.000 Festmeter Holz, das Stürmen und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen ist, haben die Forstleute in diesem Jahr bisher schon beräumt. Zum Vergleich: Im vorigen Jahr waren es insgesamt 12.000 Festmeter. "Und wir sind noch längst nicht fertig", sagt Morgenstern. Es stünden noch massig kahle und braune Bäume im Wald. 

Stadtförster Lars Morgenstern erklärt, wie die kleinen Tierchen so viel Schaden anrichten. Der Borkenkäfer - in Löbaus Stadtwald ist es der sogenannte Buchdrucker - bohrt sich in den Stamm. Der Baum versucht diese Bohrlöcher zu verstopfen, indem er Harz bildet. Fehlt dem Baum aber das Wasser, kann er kein Harz bilden - und der Buchdrucker ungehindert eindringen. Er frisst zunächst eine sogenannte Rammelkammer. Dort treffen sich der männliche und der weibliche Käfer. Dann setzt sich das Weibchen in Bewegung und gräbt einen Muttergang, erklärt Morgenstern. Dort hinein legt es Eier ab, aus denen dann Raupen und in der Folge junge Käfer entstehen. Die Jungkäfer fliegen aus und befallen neue Bäume auf die gleiche Weise. Ein Borkenkäferweibchen kann mehrmals im Jahr Eier legen. Die Tiere vermehren sich also bei guten Bedingungen rasend schnell. Gut die Hälfte des Löbauer Stadtwaldes besteht aus Fichtenbeständen. Und die mag der Borkenkäfer besonders gern. 

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Löbau ist außerdem besonders betroffen, weil die Stadt der drittgrößte kommunale Waldbesitzer in Sachsen ist - nach Zittau und Plauen. Insgesamt besitzt die Stadt 1.766 Hektar Wald. Dazu zählen unter anderem der Löbauer Berg, der Kottmar, der Ruppersdorfer Wald, der Rotstein. 

Die Borkenkäfer, in diesem Fall sind es die sogenannten Buchdrucker, sind winzig. Dennoch richten sie großen Schaden an. 
Die Borkenkäfer, in diesem Fall sind es die sogenannten Buchdrucker, sind winzig. Dennoch richten sie großen Schaden an.  © Rafael Samepdro

Die Borkenkäfer-Plage hat Konsequenzen. Auch finanzielle. Die Holzpreise sind gesunken. Der Preis für Sägeholz liegt derzeit nur noch bei einem Drittel des früheren Höchstwertes, sagt Förster Morgenstern. Und dann muss man erstmal ein Sägewerk finden, das Holz abnimmt. Denn überall liegen massenhaft Stämme in den Wäldern, die darauf warten verarbeitet zu werden. 

Und auch optisch sind schon Folgen zu erkennen. In den Wäldern gibt es viel Kahlschlag weil die befallenen Bäume gefällt werden mussten. 50 Hektar müssten im Löbauer Stadtwald aufgeforstet werden. Auch das ist eine Kostenfrage. Lars Morgenstern hofft, dass es nächstes Jahr Fördermittel dafür gibt. Doch er sieht noch nicht das Ende der Fahnenstange. "Fichten werden weiter absterben, Kahlflächen werden zunehmen, das Bild unserer Heimat wird sich verändern", prophezeit Förster Morgenstern. Er wird noch deutlicher: "Der Mensch kann da nur noch wenig tun. Wir haben die Situation nicht mehr im Griff." Das könne nur die Natur selbst regeln. Zum Beispiel mit einem kalten und feuchten Sommer. Das würde dem Borkenkäfer gar nicht schmecken und könnte die Population schwächen. Dennoch sagt er: "Der Wald stirbt nicht gänzlich, aber er verändert sich." Man müsse auch umschwenken auf Laubwald, der sei anpassungsfähiger. Außerdem könnten mehr verschiedene Baumarten dafür sorgen, das Risiko zu streuen. Denn jede Baumart hat andere Parasiten. 

Als eine weitere Konsequenz nennt Lars Morgenstern, dass man verstärkt Rehwild bejagen müsse. Denn die Rehe knabbern die jungen nachgepflanzten Bäume mit Vorliebe ab. Alles einzuzäunen ist finanziell und personell nicht machbar. Gibt es also weniger Rehe, können die jungen Bäume in Ruhe nachwachsen. "Und so ein Rehschnitzel  oder auch Rehrücken als Kurzbrater ist ja eine Delikatesse ", schwärmt der Förster. Die Forstabteilung unterhält auch einen Jagdbetrieb und vermarktet selbst Fleisch vom Wild. 

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