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Borkenkäfer: Jetzt trifft es auch die Kiefern

Forstleute im Landkreis Bautzen schlagen Alarm: Bisher setzte der Schädling vor allem den Fichten zu. Doch dabei bleibt es nicht.

Mit einem Bügelschaber löst Katharina Winkler, Leiterin des Forstreviers Bernsdorf, einen Teil der Kiefernrinde. So kann die Forstingenieurin den Borkenkäferbefall bestimmen.
Mit einem Bügelschaber löst Katharina Winkler, Leiterin des Forstreviers Bernsdorf, einen Teil der Kiefernrinde. So kann die Forstingenieurin den Borkenkäferbefall bestimmen. © René Plaul

Leippe. Es macht einmal kräftig „ratsch“, während Revierleiterin Katharina Winkler mit dem Bügelschaber über die blätterige Haut der Kiefer fährt. Ein Stück Rinde löst sich. Sorgenvoll betrachtet die Forstingenieurin den Stamm. Ein fast filigranes Muster aus Gängen und Einkerbungen durchzieht das Holz. „Das sind die Spuren des Großen Zwölfzähnigen Borkenkäfers“, sagt sie und schaut nach oben im Wald bei Leippe ganz im Norden des Landkreises Bautzen. Dort wiegen sich zahlreiche Kronen der Nadelhölzer in rostigen Tönen im warmen Sommerwind.

Zu retten sind diese Bäume nicht mehr. „Ich befürchte, dass wir im Herbst noch mehr rote Wolken in unseren Kiefernbeständen sehen werden“, sagt die Waldexpertin. Dann geht sie zum nächsten Sorgenkind.Mit ihr zusammen im Wald ist Thomas Sobczyk, in der Unteren Forstbehörde zuständig für den Waldschutz. Auch er beugt sich mit einem Messer über eine umgestürzte Kiefer, die den Kampf gegen die Schädlinge schon verloren hat. Er löst ein Stück Rinde. „Bisher war der Borkenkäferbefall ein Problem bei den Fichten. Jetzt sind die Käfer in den Kiefern im Norden des Landkreises angekommen“, sagt der Forstingenieur.

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An der Grenze zu Brandenburg überwiegt der sandige Boden. Über Jahrhunderte sind hier Kiefern, Birken und Eichen heimisch, anders als die Fichten im Bergland. „Früher gab es in der Oberlausitz nur vereinzelt Fichten, aber ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser Baum aufgrund seines schnellen und geraden Wuchses angebaut“, sagt Thomas Sobczyk. Heute finden sich in der Region auf 15.000 Hektar der hoch aufgeschossenen Bäume. „Nach zwei durchlaufenen Fichtengenerationen war absehbar, dass die Kultur anfällig ist“, sagt der Experte.

Thomas Sobczyk begutachtet die Schäden, die Borkenkäfer bei Kiefern im Norden des Landkreises Bautzen angerichtet haben. Er ist in der Unteren Forstbehörde zuständig für den Waldschutz.
Thomas Sobczyk begutachtet die Schäden, die Borkenkäfer bei Kiefern im Norden des Landkreises Bautzen angerichtet haben. Er ist in der Unteren Forstbehörde zuständig für den Waldschutz. © René Plaul

Erschwerend für diese Bestände ist die seit drei Jahren anhaltende Dürre. Die durch Trockenheit entkräfteten Bäume können den Schädlingen nichts entgegensetzen. „Im Juni und Juli müssten 60 bis 70 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. In diesem Jahr sind es wieder nur durchschnittlich 20 Liter“, sagt Thomas Sobczyk. Neben den viel zu heißen und trockenen Sommern sind auch die Winter zu mild. Die Vegetationsphasen verlängern sich so. Im Falle des Borkenkäfers entwickeln sich nun drei statt zwei Generationen im Jahr.

Forstingenieur Thomas Sobczyk zeigt auf ein winziges, kreisrundes Loch in der Rinde mit weißlichem Rand. Das ist Harz. Mit dem klebrigen Sekret wehren sich die Bäume gegen Schädlinge. Die Insekten und ihre Eier verkleben und ersticken so. Doch auch die Kiefern, die karge Trockenheit auf den sandigen Boden eigentlich gewöhnt sind, können sich aufgrund der Dürre eben nur noch schwer selbst verteidigen: ohne Wasser keine Harzherstellung und damit ein gefundenes Fressen für die Schädlinge.

„Auf das Konto der Borkenkäfer gehen 2019/2020 in unserem Zuständigkeitsbereich 300.000 Festmeter Fichtenholz“, sagt Sobczyk. Er zeigt auf einen Holzpolter von zwei Metern Höhe und zwei Metern Breite. Auf 75 Kilometern müsste man solche Stapel aneinanderreihen, um auf diese Mengen zu kommen.

So sieht die Rinde eines vom Borkenkäfer befallenen Baumes von innen aus.
So sieht die Rinde eines vom Borkenkäfer befallenen Baumes von innen aus. © René Plaul

Die Zahlen für das laufende Forstjahr sind ebenso beängstigend. „In der Fichte sind es bisher 115.000 Festmeter Holz, bei der Kiefer kommen wir auf 30.000 Festmeter“, sagt Sobczyk. Zehn Reviere betreut die Untere Forstbehörde im Landkreis Bautzen. Dahinter stehen 13.500 Waldbesitzer. Katharina Winkler ist in ihrem Revier Bernsdorf mit rund 10.000 Hektar Wald der erste Ansprechpartner für sie.

„Viele haben nur kleine Flächen. Eigentlich müssten sie derzeit jede Woche in den Wald gehen, um nach Schädlingsbefall zu schauen. Das ist eine Herausforderung“, sagt die 46- Jährige. Mit dieser Aufgabe und dem Erkennen des Schädlingsbefalls sei ein Laie oft überfordert. Denn selbst für Experten-Augen ist der Schädling schwer auszumachen.

Winklers Blick geht nach oben in die „roten Wolken“ aus Nadeln in der Höhe. „Der Sechszähnige Borkenkäfer befällt zuerst weit oben die Krone. Er hinterlässt erst mit seinem Ausflug diese rotgefärbten Nadeln. Und danach kommt noch der Zwölfzähnige Borkenkäfer“, sagt die Forstingenieurin.

Ein weiteres Nadelöhr sei es, eine Firma für den Holzeinschlag zu finden. Denn es gibt nur eine sichere Methode, um eine weitere Verbreitung der Kiefernborkenkäferarten innerhalb der näheren Umgebung zu verhindern. Betroffene Bäume müssen schnell geschlagen und aus dem Umkreis von 500 Metern zum nächsten Waldbestand beräumt werden. In Leippe hat sich ein Forstunternehmen gefunden, das sich um die Kiefern kümmert. Markiert sind die Sorgenkinder schon. Die Zeit der gut 70-jährigen Riesen ist gezählt.

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