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Borlaser Baugebiet mit acht Fledermausarten

Borlas

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Ursprünglich sollte es nur eine kleine Planung für ein halbes Dutzend Eigenheime werden. Die Gemeinde hatte sich dazu mit einem Privateigentümer zusammengetan und das Projekt in Angriff genommen. Doch das Vorhaben entwickelte sich zu einem komplizierten Projekt, welches fast das ganze Jahr dauerte und am Ende erst mit einem Vogelarten- und einem Fledermausgutachten vollständig wurde.

Zuletzt hatten die Landesdirektion und das Landratsamt Einwände gegen das Vorhaben. Es gibt Bedenken wegen Überflutungen von den Feldern oberhalb. Die sind in den letzten Jahren aber genau in zwei kleinen Tälern oberhalb und unterhalb des Baugebiets vorbei geflossen, argumentiert die Gemeinde.

Außerdem steht auf dem Gelände ein alter Baum, der Vögeln Nistplätze bot. Er müsste gefällt werden. Dafür sollen aber in der Umgebung als Ausgleich Nistkästen aufgestellt werden. Das beschloss der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung. Darüber werden nun die Behörden informiert, wenn sie keine weiteren Einwände haben, soll der Bebauungsplan Anfang 2009 beschlossen werden.

Gemeinderat Carsten Henkel (Wählervereinigung) kritisierte die umfangreichen Anforderungen der Behörden an die Planung. Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Wählervereinigung) bringt etwas Verständnis auf. „Das Gebiet liegt im Unterdorf am Bach. Da könnte es schon sein, dass geschützte Arten vorkommen. Es ist besser, wir klären das vorher“, sagt er.

Außerdem lernte auch er als Einheimischer noch dazu. „Ich habe ja auch nicht gewusst, dass dort acht verschiedene Fledermausarten leben“, erzählt er. Der Dresdner Biologe Thomas Frank betreibt „Chiroplan — Büro für Fledermauskunde.“ Er untersuchte das Flurstück mit einem speziellen Detektor. Dieser kann die Rufe der Tiere aufnehmen und in Diagramme umsetzen. Damit lässt sich am Computer die Art bestimmen. Die Ecke direkt neben dem Bach mit ihren Bäumen ist ein gutes Jagdrevier für die Insektenfresser. Frank spricht von einem hochwertigen Nahrungshabitat. Den Fachmann überraschte die Zahl von acht Fledermausarten in Borlas nicht. Ganz im Gegenteil. Er vermutet sogar noch mehr Fledermäuse in der Gegend.

„Das Osterzgebirge mit seinen vielen Stollen ist für Fledermäuse aus der weiten Umgebung ein Gebiet zum Überwintern. Teilweise kommen sie bis aus Nordbrandenburg, um hier ein Quartier für die kalte Jahreszeit zu suchen“, berichtet er.

Auch die Umgebung von Borlas bietet den Tieren gute Lebensmöglichkeiten. Die Winterquartiere im Weißeritztal und in Kohls Erbstolln in Borlas sind bekannt. Weiter existiert eine Fledermausgruppe in der Höckendorfer Heide. Auf dem geplanten Baugebiet fand der Biologe allerdings keine Spuren eines Quartiers der Tiere. Daher werden die Fledermäuse den Borlaser Wohnbauplänen keine Schwierigkeiten machen.