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Boston feiert ein Jahr nach den Bomben

Der älteste Stadtmarathon der Welt ist dieses Mal auch der emotionalste. Der beste Deutsche kommt indes aus Dresden.

© dpa

Von Erik Roos

Als Meb Keflezighi im Ziel weinend den Boden küsste, wedelten die Zuschauer in Boston begeistert mit ihren US-Fähnchen. Mit dem ersten Sieg eines Amerikaners seit 31 Jahren setzte der 38-Jährige gestern beim ältesten Stadtmarathon der Welt den Höhepunkt eines emotionalen Tages, der ganz im Zeichen der Bomben-Anschläge mit drei Toten vor einem Jahr stand.

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„Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn“, stammelte Keflezighi und bekreuzigte sich immer wieder. Der in Eritrea geborene Läufer hielt nach 42,195 Kilometern den Kenianer Wilson Chebet auf Distanz und trat in die Fußstapfen von Greg Meyer, der 1983 als bislang letzter Amerikaner in Boston gewonnen hatte. „Ein phänomenaler Sieg. Es ging nicht um mich, sondern um die Leute hier. Ich habe alles für sie gegeben, und sie haben mich auf den letzten Kilometern unglaublich unterstützt“, sagte Keflezighi. Im Vorjahr war er Zuschauer und hatte den Zielbereich gerade verlassen, als die Bomben explodierten. Seit jenem Tag, so Keflezighi, habe er hier gewinnen wollen.

Mit einer US-Fahne um die Schultern genoss er den größten Triumph seiner Karriere. 2004 hatte er in Athen Olympia-Silber erlaufen und 2009 den New York-Marathon gewonnen. Doch dieser Sieg in Boston hat nicht nur für Keflezighi eine größere Bedeutung. Im Ziel weinte er Tränen der Freude in sein weißes Handtuch – seinen Coup mit persönlicher Bestzeit von 2:08:36 Stunden hatte niemand erwartet. Bei den Frauen gewann Rita Jeptoo aus Kenia in der Streckenrekordzeit von 2:18:57 Stunden zum dritten Mal in Boston, wo die Präsenz unzähliger Sicherheitskräfte an die Vorfälle vor fast genau einem Jahr erinnerte.

Schon vorm Start hatten die fast 36 000 Teilnehmer aus der ganzen Welt der Opfer der Anschläge mit einer Schweigeminute gedacht. „Wir wollen zeigen, dass unser Geist unerschütterlich und stark ist. Heute stehen doppelt so viele Zuschauer wie zuletzt an der Strecke – und sie werden doppelt so laut sein“, sagte der 67-jährige Amby Burfoot, der 1968 in Boston gewonnen hatte und den Lauf im Vorjahr wegen der Attacken nicht hatte beenden können.

Die Szenerie war perfekt: Blauer Himmel, Sonnenschein und kühle Temperaturen begrüßten die Läuferinnen und Läufer am Morgen beim Start in Hopkinton. Die Zahl der Teilnehmer war im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 9 000 gestiegen. Zum Rekord aus dem Jahr 1996, als zur 100-Jahr-Feier des Rennens sogar 38 708 Sportler an den Start gingen, reichte es jedoch nicht ganz.

Deutlich höher als gewohnt war auch die Zahl der Sicherheitsvorkehrungen. 3 500 Polizisten waren rund um die Strecke im Einsatz, Rucksäcke waren für Athleten und Zuschauer verboten. Am 15. April 2013 waren im Zielbereich zwei Bomben explodiert. Drei Menschen starben, 264 wurden zum Teil schwer verletzt. Der einzige überlebende Attentäter wartet weiter in einem Bundesgefängnis in Massachusetts auf seinen Prozess, der am 3. November beginnen soll. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, die Todesstrafe fordern zu wollen.

Der beste Deutsche kommt indes aus Dresden. Marc Schulze erreichte gestern in 2:29:41 Stunden das Ziel – und dürfte nicht zufrieden gewesen sein. Bei seinem zweiten Marathon überhaupt wollte der 29-Jährige sein starkes Debüt von 2:21 Stunden aus dem Vorjahr in Berlin mindestens bestätigen. Doch nur bis zur Hälfte, die er in 1:09:39 lief, lag er auf Kurs. (sid, mit SZ)