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Wird das noch was oder kann das weg?

Ebersbach-Neugersdorf will Schandflecke loswerden. Dazu muss die Stadt erst mal festlegen: Was sind alles Brachen? Nicht jeder Eigentümer ist begeistert.

Auch der ehemalige Betrieb Thermoplast in Neugersdorf gehört zu den ausgewiesenen Brachen.
Auch der ehemalige Betrieb Thermoplast in Neugersdorf gehört zu den ausgewiesenen Brachen. © Stadtverwaltung/Montage: SZ-Bildstelle

Weil Ebersbach-Neugersdorf einst eine Hochburg der Textilindustrie war, gibt es hier besonders viele großflächige Fabrikgelände mit leerstehenden und inzwischen teils sehr verfallenen Bauten. Sie werden mehr und mehr zum Problem. Aber auch kleinere Gebäude stehen leer und sind marode. Eine neue Nutzung ist - auch aufgrund von Größe und Zustand der Gebäude - oft nicht mehr möglich. Aber kann immer nur abreißen eine Lösung sein? Auch dieser Frage will die Stadt auf den Grund gehen. Ein Brachenkonzept soll helfen. Jetzt gibt es einen ersten Entwurf dafür. Die Stadt hat ihn vorgestellt und mit Einwohnern diskutiert. 

Wozu ein Brachenkonzept?

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Beantragt der Eigentümer Fördermittel für Sanierung oder Abriss - egal, ob das die Stadt ist oder ein Privater - muss das Objekt im Brachenkonzept aufgenommen sein. Sonst gibt es kein Geld vom Freistaat oder einer anderen Fördermittelbehörde. Gleichzeitig gibt das Konzept auch ein Leitbild, wo die Stadt hin will, welche Ziele sie sich steckt, wie die Stadt einmal aussehen soll. 

Was kann das Brachenkonzept?

Das Konzept soll aufzeigen, welche Problemfälle es im Stadtgebiet gibt und was eine Lösung für diese Häuser wäre.  Es gibt einen Überblick, wie viele brach liegende und ungenutzte Flächen es gibt, wo sie liegen, wie sie über das Stadtgebiet verteilt sind und wie groß die Areale sind. Es kann Vorschläge enthalten, wie die Flächen in Zukunft genutzt werden könnten oder ob Abriss und Revitalisierung die beste Lösung wären. 

Ziel des Konzepts ist ganz klar: Das Umfeld soll aufgewertet und vor allem Leerstand von großen Gewerbeflächen reduziert werden. 

Was gilt eigentlich als Brache?

Um festzustellen, was ins Brachenkonzept aufgenommen werden kann, muss erst einmal eine Definition her. Was ist überhaupt eine Brache? Die Stadt bedient sich da bei einer Richtlinie, die besagt: "Brachen sind Grundstücke, deren vormalige industrielle, gewerbliche, soziale, verkehrstechnische, militärische, landwirtschaftliche oder in sonstiger Weise bauliche Nutzung aufgegeben wurde sowie Grundstücke mit unbewohnbaren, ruinösen Wohngebäuden oder nicht mehr genutzten DDR-Einrichtungen."

Was sind die schlimmsten Schandflecke und Ruinen?

22 Brachflächen hat die Stadt bisher ausgemacht und in ihren ersten Entwurf aufgenommen. Dazu gehören etliche ehemalige Betriebe, wie zum Beispiel  die Möbel-Fabrik an der Karl-Liebknecht-Straße in Neugersdorf, Fritzens Fabrik in Ebersbach an der Wiesenstraße, Schützenfiedler in Neugersdorf an der Breitscheidstraße. Aber auch andere nicht mehr genutzte Gebäude wertet die Stadt als Brache: den Bahnhof Ebersbach, die ehemalige BHG nahe dem Bahnhofsgelände, eine verfallene Scheune am Unteren Kirchweg in Ebersbach. 

Das sind einige der Problemfälle:

Der Ebersbacher Bahnhof zählt zu den nicht mehr genutzten Brachflächen. 
Der Ebersbacher Bahnhof zählt zu den nicht mehr genutzten Brachflächen.  © R. Altmann-Kühr
Für die ehemalige HO an der Ebersbacher Bahnhofstraße gibt es inzwischen Ideen. 
Für die ehemalige HO an der Ebersbacher Bahnhofstraße gibt es inzwischen Ideen.  © R. Altmann-Kühr
Eine alte Scheune hinter der Volksbank in Ebersbach. Sie ist in Privatbesitz. 
Eine alte Scheune hinter der Volksbank in Ebersbach. Sie ist in Privatbesitz.  © R. Altmann-Kühr
Die ehemalige Spinnerei an der Bleichstraße in Ebersbach. 
Die ehemalige Spinnerei an der Bleichstraße in Ebersbach.  © Stadtverwaltung
Das ehemalige BHG-Gelände am Ebersbacher Bahnhof.
Das ehemalige BHG-Gelände am Ebersbacher Bahnhof. © Stadtverwaltung

Wie reagieren private Eigentümer?

Die Stadt hat rund 20 Eigentümer von Gebäuden angeschrieben, die sie als Brachen einstuft. Sie will die Besitzer darüber informieren, welche Möglichkeiten sie haben und darauf aufmerksam machen, dass sie ins Brachenkonzept aufgenommen werden können und dass es dadurch auch Chancen auf finanzielle Unterstützung gibt. Einige haben sich schon zurückgemeldet, die Reaktionen sind gemischt. Mancher empfindet es als Affront, dass sein Haus überhaupt als Brache bezeichnet wird. 

Gibt es auch positive Beispiele?

In der Vergangenheit sind auch schon Brachensanierungen in Ebersbach-Neugersdorf gut gelungen, nicht mehr genutzte Ruinen wurden beseitigt und schöne Freizeitflächen geschaffen.  

Die sogenannte Stammfabrik in Ebersbach an der Bahnhofstraße ist so ein Beispiel. Heute ist hier das "Spree-Eck" - eine schön gestaltete Fläche mit Spielplatz, Stellplätzen und Sitzgelegenheiten. Außerdem ist das Areal als Gewerbefläche ausgewiesen, bisher fand sich aber hier noch kein Investor. 

Ein weiteres Beispiel gibt es in Neugersdorf: Auf dem Eiskellerberg unweit des Bismarckturmes wurde ein ehemaliger Betrieb abgerissen. Die Freifläche wurde neu gestaltet und Bauteile aus dem abgebrochenen Industriegebäude wieder verwendet, zum Beispiel Säulen. Auf dem Eiskeller gibt es heute eine Aussichtsplattform und die Fläche wird für Veranstaltungen genutzt, zum Beispiel Open-Air-Kino. 

Wie geht es jetzt weiter mit dem Brachenkonzept?

Bis Ende Februar will die Stadt erste Resonanzen gesammelt haben von den betreffenden Eigentümern, die sie angeschrieben hat, was aus ihren Objekten werden soll. Und die Stadt hofft auf die Mithilfe der Einwohner. Denn: "Natürlich", so Bauamtsleiter Lachmann, "gibt es noch mehr Standorte, die von den Bürgern als Brache angesehen werden." Wenn jemand ein Objekt kenne, wo seit Jahren niemand wohnt und das niemand pflegt, sollen Einwohner das an die Stadtverwaltung melden. Und auch, wenn jemand eine Idee hat, was aus der einen oder anderen Brache werden könnte, sind Vorschläge gern gesehen.

Der Stadtrat muss über das Brachenkonzept dann abstimmen. Anschließend liegt es öffentlich aus und Einwohner können dazu ihre Anmerkungen abgeben. Wenn es schließlich beschlossen und genehmigt ist, haben Brachenbesitzer die Chance,  Fördermittel für Sanierungen oder Abrisse zu beantragen. 

"Wir können nicht entscheiden, was mit den Häusern passiert", so Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos). "Aber wir können den Eigentümern Hinweise geben, wo und wie sie Unterstützung bekommen können." Manche brauchen auch Zeit, so Frau Hergenröder. "Manchmal tut sich nach Jahren doch noch eine Idee auf, die genau zu dem Haus passt." 

Die Eiskeller-Fläche in Neugersdorf heute. Bauteile aus der Fabrik wurden verwendet, zum Beispiel die Säulen. 
Die Eiskeller-Fläche in Neugersdorf heute. Bauteile aus der Fabrik wurden verwendet, zum Beispiel die Säulen.  © Archivfoto: Matthias Weber

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