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Klaus Brähmig und seine fremde CDU

Der Ex-Bundestagsabgeordnete macht auf eigene Faust Politik in der Region. Zum Parteiaustritt kann er sich nicht durchringen. Noch nicht?

Wie hier bei der Glockenweihe der Kirche in Papstdorf zeigt sich Klaus Brähmig seit Monaten so engagiert in der Region wie zu besten Bundestagszeiten.
Wie hier bei der Glockenweihe der Kirche in Papstdorf zeigt sich Klaus Brähmig seit Monaten so engagiert in der Region wie zu besten Bundestagszeiten. ©  Archivfoto: Daniel Förster

Das war so nicht geplant. Klaus Brähmig wollte nach eigenem Bekunden lediglich intern geklärt wissen, ob und wie er seine Mitgliedschaft in der CDU ruhen lassen kann. Doch sein Ansinnen verbreitete sich schneller als ihm lieb war. 

In kleinem Kreis übergab er einen Brief mit seinem Anliegen an den Landesvorsitzenden der CDU Sachsen, Ministerpräsident Michael Kretschmer. Seitdem erhält Brähmig Nachfragen von Parteifreunden, was er damit bezwecke.

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Er wolle die CDU noch mal aufrütteln, erklärt der langjährige Bundestagsabgeordnete auf Nachfrage von Sächsische.de. Mehr wolle er dazu jetzt nicht sagen. Brähmig ist nicht der einzige CDU-Zweifler. Vor wenigen Wochen traten der Oberbürgermeister von Freital, Uwe Rumberg, und weitere Mandatsträger aus der Stadt enttäuscht aus der Union aus. Diesen klaren Schnitt will Brähmig offensichtlich nicht tun. Nach 30 Jahren Parteimitgliedschaft fällt ihm das möglicherweise schwerer als anderen.

In der Kreisgeschäftsstelle der CDU ist von Brähmigs Überlegungen, seine Parteimitgliedschaft ruhen zu lassen, nichts bekannt. "Bei uns gibt es keinen solchen Fall der ruhenden Mitgliedschaft", erklärt Geschäftsführer Sandro Zimmermann. Die Satzung sehe einen solchen Status nicht vor. 

Warme Worte vom Generalsekretär

Politiker, die der Neutralität verpflichtet sind, etwa im Amt des Bundespräsidenten, agieren - so gut es geht - überparteilich. Dann wird aber nur im politischen Sinne die Parteimitgliedschaft ruhen gelassen. Faktisch kann man nur austreten.

Das würde man in der Partei mit Blick auf Klaus Brähmig bedauern. Der Generalsekretär der CDU Sachsen, Alexander Dierks, erklärt auf Nachfrage: "Wir wünschen uns auch für die Zukunft, dass er sich für den Landkreis und innerhalb der sächsischen Union stark einbringt".

Dem fügt er noch bei, dass Brähmig seine Heimat über viele Jahre stark geprägt habe. "Er hat dabei zahlreiche positive Entwicklungen angestoßen und begleitet. Um die Region hat sich Klaus Brähmig sehr verdient gemacht", so Dierks.

Bekanntheit öffnet ihm Türen

In der CDU im Landkreis hat Brähmig spätestens seit der Bundestagswahl-Niederlage 2017 kaum noch Rückhalt. Sein Direktmandat verlor er damals an Frauke Petry. Die trat damals direkt nach ihrer Wahl aus der AfD aus und sitzt nun als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag. Das nagt immer noch am Vorgänger.

Nach einer kurzen Pause ist Brähmig aber wieder ständig auf Achse in der Region. Er postet im Internet, wie er versucht, Initiativen in der Region anzuschieben oder zu unterstützen. Mehr als 3.000 Freunde folgen ihm auf Facebook. So viele waren es auf seiner früheren Seite als Bundestagsabgeordneter nicht. Die stellte er im Oktober 2017 ein.

Vom Politiker-Dasein kann er offensichtlich nicht lassen. "Für die Region gibt es ja noch genug zu tun", sagt er gern. Seine Bekanntheit öffnet ihm einige Türen. Von Vertretern fast aller Parteien werde er bei verschiedenen Themen angefragt, hatte er vor einiger Zeit erklärt - nur nicht von der eigenen.

Absage an Freie Wähler

Im nächsten Jahr ist wieder Bundestagswahl. Zwar sind noch keinerlei Kandidaten für das Direktmandat im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge benannt worden. Klar ist jedoch, dass die AfD nicht noch einmal mit Frauke Petry im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge antreten wird. Es spricht auch nichts dafür, dass die CDU Wahl-Verlierer Brähmig aufbieten wird.

Dieser kokettiert damit, "nur noch ein einfacher Bürger des Landkreises" zu sein. Seine Aktivitäten wirken aber so, als wolle der 62-Jährige ein Comeback in der Politik anstreben. Befeuert wird das vom Gerücht, er werde als Bundestagskandidat der Freien Wähler antreten. Das dementiert er jedoch. "Da ist nichts dran. Es gibt auch keine Anfrage von den Freien Wählern", erklärt Brähmig.

Der Papstdorfer war im Januar 1990 in die CDU eingetreten und noch im selben Jahr erstmals in den Bundestag gewählt worden. Das Direktmandat verteidigte er sechsmal, zum Teil bekam er über 50 Prozent der Stimmen. Bis er 2017 gegen Petry, damals Parteivorsitzende der AfD, verlor. Sie erhielt über 37 Prozent, Brähmig weniger als 30. Bis zu seinem Einzug in den Bundestag arbeitete er als Elektroinstallateur-Meister.

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