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Branchenkenner öffnet Landwarenhandel

Danilo Hermann bringt ab heute nützliche Dinge in den alten Aldi an der B 178. Das deutsche Pfandgesetz hat er überlistet.

Von Andreas Herrmann

Warum muss man in Strahwalde wegen eines Sacks Zement oder einer Packung Schrauben extra nach Löbau oder Zittau fahren? Das kostet doch extra Sprit, sagte sich der Kaufmann Danilo Hermann und verwirklicht aus diesem Gedanken nun seit heute auch gleich eine konkrete Geschäftsidee. Ein Landwarenhandel mit Preisen, die nicht höher sein sollen als die der Baumärkte, entsteht im ehemaligen Aldi-Markt an der Straßengabelung nach Obercunnersdorf. Sein Konzept bringe für junge Leute Zeitersparnis und auch ältere Menschen könnten das gut finden, die die langen Wege zu den Baumärkten nicht mögen, sagt er. Hermann ist dabei in dem Metier an sich kein Neuling: In seiner Regie liegen vier Metzen-Sonderpostenmärkte in Weißwasser, Görlitz, Löbau und Zittau. Mit dem neuen Konzept des Landwarenhandels betritt er selbst aber unternehmerisches Neuland. In Strahwalde solle sich das Sortiment schon von einem Sonderpostenmarkt unterscheiden, darauf legt er Wert. Einfache Sachen für den ländlichen Bedarf zwischen Schaufel und Rasendünger will er zu den Leuten bringen. In der Hutbergregion, wo man solche Dinge bis vor kurzem noch im ehemaligen Gartenbau in Herrnhut bekam, könnte das eine Marktlücke sein, ist er sicher. Vorteil dieses Geschäftes ist, dass es von seinen persönlichen Möglichkeiten als Branchenfuchs in Sachen günstiger Großeinkäufe leben würde.

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Danilo Hermann hat vor 20 Jahren mit einem kleinen Sonderpostenladen in Weißwasser angefangen. Als gebürtiger Bautzener wohnt er jetzt in Rietschen, im Norden des Landkreises Görlitz. Nach der Wende ging er für ein Jahr in den Westen, dort bildete er sich zum Kaufmann. „Die Restpostenbranche liegt mir“, sagt er und fügt aber gleich hinzu, dass das Konzept „Hauptsache billig“ hierzulande nicht mehr aufgehe. Die Leute wollten schon Qualität sehen. Auch bei Schraubenziehern oder Gartenscheren. Hermann baute jahrelang Kontakte zu Industrie und Sonderpostenhändlern auf, informiert sich täglich über Geschäftsauflösungen aus Altersgründen oder wegen Insolvenz. Man kenne sich untereinander in der Branche, sagt er. Im Zuge der Schlecker-Pleite habe es riesige Posten am Markt gegeben. Auch anderes wie hochwertige Batterien von Varta habe er schon aufgekauft. Diese kosten rund 100 Euro. Bei ihm gibt es sie für 59 Euro. Doch nicht nur Dinge, die Handwerker oder Gärtner gebrauchen können, sondern auch besondere Waschmittel hat Hermann auf dem Schirm: Dazu lässt er mischen. Duft aus Frankreich mit Seife in Polen. In Flaschen abgefüllt verkauft er solche Saubermacher heute schon bis nach Österreich. Pfandlose Getränke stellt er auch gleich selbst her und hat dabei einen Dreh gefunden, das deutsche Pfandgesetz zu überlisten. Das Pfandgesetz hält er im Vergleich zur DDR-Sekundärrohstofferfassung ohnehin für unwirksam. Es schreibt seit 2006 vor, für kohlensäurehaltige Getränke ein Pfand auf die Verpackung zu verlangen. Wenn dort aber zu 50 Prozent Fruchtsaft drin ist, gilt das nicht mehr, ebenso wie für Plasteflaschen bis zu einer Größe von drei Litern. Bei seinen Getränken sind es genau 3,001 Liter. Die sind nun pfandfrei. Hat eine vorbeifahrende Familie in Strahwalde Durst, holt sie sich eine große Flasche in seinem Markt und kann sie dann in Dresden entsorgen, so das Konzept.

Seinen neuen Markt in Strahwalde entdeckte Hermann auf seinem Arbeitswegen zwischen Löbau und Zittau. Mit den Vermietern des Gebäudes, dem Fleischer Kurt Koschowski und dem Drogeriebesitzer Siegfried Hertrampf wurde er sich einig. Wenn das Konzept funktioniert, kann er sich vorstellen damit auch in weitere kleine Gemeinden zu gehen, sagt Hermann.