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Einer Katastrophe knapp entkommen

Auf ein Wohnhaus in Großharthau wurde in der Nacht zum Freitag ein Brandanschlag verübt. Die Bewohner erlebten Szenen wie aus einem Horrorfilm.

Roland Hornig steht am Zaun seines Grundstückes in Großharthau. In der Nacht zum Freitag wurde auf sein Haus ein Brandanschlag verübt. An der Tür rechts sind die Spuren deutlich zu sehen.
Roland Hornig steht am Zaun seines Grundstückes in Großharthau. In der Nacht zum Freitag wurde auf sein Haus ein Brandanschlag verübt. An der Tür rechts sind die Spuren deutlich zu sehen. © SZ/Uwe Soeder

Großharthau. Roland Hornig sieht man die Betroffenheit an. Auf sein Wohnhaus in Großharthau wurde in der Nacht zum Freitag ein Brandanschlag verübt. Trotzdem wirkt  er gefasst. Er spricht ruhig und mit fester Stimme. "Meine Frau war nach Mitternacht noch auf. Sie bemerkte die Flammen und alarmierte sofort die Feuerwehr und die Polizei. Beide waren schnell vor Ort und haben so Schlimmeres verhindert", berichtet er den Reportern am Gartenzaun.   

Mehr möchte Roland Hornig auf Anraten seines Anwaltes zur Brandnacht nicht sagen - "um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden".  

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Von der schmalen Straße aus sind an einer Tür zum Hof hin die Brandspuren deutlich zu sehen. Der untere Teil ist schwarz vom Ruß. Kriminaltechniker waren bereits am frühen Freitagmorgen vor Ort und sicherten Spuren. Kurz vor dem Mittag kommt ein Mann von der Kriminalpolizei, um weitere Informationen einzuholen.  

Szenen wie aus einem Horrorfilm

Was Roland Hornig und seine Frau in der Nacht zum Freitag erlebten, gleicht den Szenen aus einem Horrorfilm. Seine Frau bemerkte kurz nach Mitternacht, dass auf ihrem Grundstück der Bewegungsmelder ständig leuchtete. Sie schaute aus dem Fenster und sah, wie ein Mann um das Haus herumschlich.

Dann schlugen plötzlich Flammen am Wohnhaus nach oben. Kurz darauf sei die Bewohnerin mit Steinen beworfen worden, berichten Augenzeugen. Diesen Angaben zufolge soll der Täter mit einer Sturmhaube vermummt gewesen sein. Als ihr Mann nach draußen ging, floh der Täter mit einem dunklen Kombi den Mittelweg entlang und verschwand über die Straße der Einheit. Diese verbindet die Dörfer Großharthau und Frankenthal miteinander. 

Acht Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Großharthau rückten zu dem Haus aus. Das Feuer an einer der drei Eingangstüren ging von allein wieder aus, so dass die Kameraden nicht eingreifen mussten.

Benzin als Brandbeschleuniger

Die Feuerwehrleute bemerkten allerdings starken Benzingeruch am Gebäude. An allen drei Eingängen sowie auf der kompletten Terrasse war Benzin verteilt worden. "Rings um das Haus wurde Benzin verkippt", bestätigt Polizeisprecherin Katharina Korch auf Anfrage von Sächsische.de.

Nur weil der Täter von der Bewohnerin gestört wurde, konnte ein Großbrand am Wohnhaus verhindert werden. Nach Zeugenaussagen habe der Täter zwei Dinge bei seiner Flucht vergessen: einen Benzinkanister, der noch auf der Terrasse stand, und eine Bierflasche voller Benzin im Vorgarten.

Die beiden Hausbewohner blieben glücklicherweise unverletzt. Ob der Brandanschlag zielgerichtet verübt wurde oder das Ehepaar zufällig Opfer wurde, ist Teil der polizeilichen Ermittlungen.  

Ein Täter mit hoher krimineller Energie

Die Menschen in Großharthau sind für Ereignisse wie diese sensibilisiert. Erst vor reichlich einem Jahr hatte es in der unmittelbaren Nachbarschaft gebrannt, sagt Bürgermeister Jens Krauße (SPD). In einer Märznacht 2019 wurde eine Scheune abgefackelt, die direkt neben einem Wohnhaus stand. Wie durch ein Wunder wurde von den beiden Familien, die auf dem Hof leben, niemand verletzt. Aber der Sachschaden war enorm. In einem der Wohnhäuser hatten sich durch die Hitze die Balken des Zwischengeschosses verzogen. Ein in der Scheune geparkter Pkw war nicht mehr zu retten; ein daneben abgestelltes Auto wurde stark beschädigt. "Diese Erinnerungen sind sofort wieder da, wenn man vom jetzigen Brand hört", sagt Jens Krauße. 

In der Vorgehensweise des jetzigen Täters mit Benzin als Brandbeschleuniger stecke "sehr viel kriminelle Energie", fügt er hinzu. Offenbar nahm der Täter billigend in Kauf, dass Menschen bei dem Anschlag auch hätten ums Leben kommen können. Und keiner weiß, ob er wieder zuschlägt. 

"Großharthau war bisher ein Dorf, in dem man ruhig und sicher leben kann", sagt der Bürgermeister. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Deshalb hoffe er, dass der Täter so schnell wie möglich ermittelt wird. 

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