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Brandgefährlich

In Kottmar musste die Wehr wegen illegaler Feuer ausrücken. Der Bürgermeister erwägt, Feuersünder zur Kasse zu bitten.

© Nikolai Schmidt

Von Romy Altmann-Kühr

In Windeseile haben sich die Feuerwehrkameraden in Eibau und Walddorf die schweren Einsatzkombis angezogen und sind an diesem heißen Sommerabend mit Blaulicht ausgerückt – so wie immer, wenn sie alarmiert werden und jemand scheinbar in Not ist. Als sie aber am Einsatzort am Ebersbacher Weg in Eibau ankamen, fanden sie dort keinen Brand vor, sondern ein Feuer in einer Feuerschale. Das hatten Anwohner angezündet, um sich einen lauschigen Abend zu machen. Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage gewesen, dass die Feuerwehren in Kottmar ausrücken mussten – obwohl es gar nicht ernsthaft brannte. Erst in der Vorwoche gab es einen Fall. Da war ein nicht angemeldetes Lagerfeuer der Grund für einen unnötigen Einsatz gewesen. „Die Kameraden sind zunehmend frustriert“, sagt Kottmar-Bürgermeister Michael Görke (parteilos).

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Obwohl es im Prinzip erlaubt ist, warnt er davor, momentan auch kleinere Hausfeuer oder Feuer in Feuerschalen abzubrennen. „Bei der aktuellen Trockenheit sollte man das wirklich sein lassen“, so Görke. Was beim Abbrennen von Feuern generell erlaubt ist, regeln die Gemeinden in ihren Polizeiverordnungen. In Kottmar gilt, dass für offene Feuer eine Erlaubnis von der Gemeinde eingeholt werden muss. Mindestens eine Woche vorher muss die Feuer-Genehmigung beantragt werden, schreibt die Polizeiverordnung vor. Es gibt aber auch Ausnahmen: Koch- und Grillfeuer mit trockenem unbehandeltem Holz oder Grillbriketts in befestigten Feuerstätten bis zu einem Durchmesser und einer Flammenhöhe von maximal 1,30 Meter bedürfen beispielsweise keiner Genehmigung. Ebenfalls ohne Erlaubnis jederzeit abgebrannt werden können Feuer in handelsüblichen Feuerkörben. Generell ist trockenes, unbehandeltes Holz zu verwenden. Doch auch daran halten sich Einwohner oft nicht, wie der Bürgermeister weiß.

Aktuell reiche schon ein bisschen Funkenflug, dass sich Wiese oder Sträucher entzünden, so Görke. Auch auf ihrer Homepage mahnt die Gemeinde jetzt die Einwohner zu mehr Vernunft. „Wir appellieren an alle Bürger, offene Feuer in Feuerschalen oder anderen festen Feuerstellen zu unterlassen. Lagerfeuer werden derzeit grundsätzlich nicht genehmigt“, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde.

Offiziell gilt laut Sachsenforst und Deutschem Wetterdienst rund um den Kottmar derzeit die Waldbrandwarnstufe drei, das bedeutet mittlere Gefahr. Die Warnstufen reichen von eins bis fünf, fünf bedeutet sehr hohe Gefahr. Warnstufe vier herrscht aktuell im Norden des Landkreises, zum Beispiel um Niesky, Rothenburg und Rietschen. Das Landratsamt in Görlitz spricht aufgrund der langanhaltenden Trockenheit von einer „gegenwärtig besonders hohen Waldbrandgefährdung“.

Gleichzeitig bittet der Bürgermeister um mehr Rücksicht auf und Verständnis für die Feuerwehrleute. Sie würden mitunter auch harsch angegangen, wenn sie bei einem vermeintlichen „Brand“ pflichtbewusst auf der Matte stehen. Das war zum Beispiel bei dem nicht angemeldeten Lagerfeuer in der Vorwoche der Fall gewesen. Da hatten die Kameraden sogar die Polizei hinzuziehen müssen, weil der Grundstückseigentümer laut Bürgermeister die Feuerwehrleute daran hinderte, die Feuerstelle zu untersuchen.

Die Kameraden tun ihren Dienst ehrenamtlich und opfern ihre oft knappe Freizeit für das Wohl und die Sicherheit der Allgemeinheit, so Görke. Da sei ein entsprechender Umgang mit den Feuerwehrkameraden angebracht. Jedem könne es passieren, dass er ihre Hilfe braucht. „Und schlussendlich kann es nicht sein, dass die Wehren am Einsatzort eintreffen, um dann vor qualmenden Feuerschalen zu stehen oder illegale Müllverbrennungen zu registrieren“, kritisiert der Bürgermeister.

Im jüngsten Fall am Mittwoch am Ebersbacher Weg gab es starken Qualm und Funkenflug. Das hatte besorgte Anwohner veranlasst, die Feuerwehr zu alarmieren. „Das ist auch völlig richtig“, so Bürgermeister Görke. „Lieber rücken die Kameraden einmal mehr aus als zu wenig.“ Dennoch wünschte er sich, dass Anwohner vielleicht auch „erst mal über den Gartenzaun schauen, ob es wirklich ernsthaft brennt“. Im Zweifel sei es aber auf jeden Fall immer besser, die 112 anzurufen. Dafür werde auch niemand belangt, wenn der Einsatz dann doch unnötig war.

Belangt werden können die Verursacher illegaler Feuer hingegen sehr wohl. „Wir haben das bisher nicht gemacht“, sagt Görke. Nach den aktuellen Vorfällen sei aber zu überlegen, ob man nicht doch mal jemanden zur Kasse bitten sollte, der ein nicht genehmigtes Feuer abbrennt. Denn, wenn die Wehr ausrückt, entstehen Kosten. Selbst dann, wenn am Ende kein Einsatz erfolgt. Schließlich brauchen die Feuerwehrautos Sprit, die Kameraden erhalten Entschädigungen, Geräte müssen bereitgehalten werden. Die Kosten, erklärt Görke, richten sich danach, wie viele Fahrzeuge im Einsatz waren und wie lange.