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Brandstifter verurteilt

Zwei Männer, sechs Feuer im Herbst 2013 in Bischofswerda. Das Jugendschöffengericht reagiert milde.

© Thorsten Eckert

Von Ingolf Reinsch

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Wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Sachbeschädigung standen jetzt zwei Bischofswerdaer in Bautzen vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes. Der Ältere von ihnen, Stephan H., jetzt 21 Jahre alt, wurde zu vier Wochen Jugendarrest verurteilt. Außerdem muss er einen kürzlich begonnenen sozialen Trainingskurs erfolgreich beenden und an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen. Das heißt: Unter Vermittlung des Bautzener Brücke-Vereins soll nach Wegen der Wiedergutmachung gegenüber den Geschädigten der Brände gesucht werden. Das können Geldzahlungen sein, aber auch Arbeitsstunden, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Weisel bei der Urteilsbegründung. Der jüngere Angeklagte, Benjamin B., 16 Jahre, wurde vom Gericht verwarnt. Er muss Auflagen des Jugendamtes erfüllen und das gegenüber dem Gericht nachweisen. Außerdem muss auch er sich an der Wiedergutmachung beteiligen. Ein dritter Brandstifter, Anton S., 16 Jahre, war im Dezember im Zusammenhang mit anderen Straftaten zu einer Jugendstrafe von 18 Monaten verurteilt worden, die das Gericht zur Bewährung aussetzte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die drei Bischofswerdaer im Oktober 2013 sechs Brände im Stadtgebiet vorsätzlich gelegt und dabei auch in Kauf genommen haben, dass Gegenstände und Gebäude vollständig niederbrennen. Als erstes steckten sie am 18. Oktober die Tür einer Gartenlaube in der Kleingartenanlage „Zum Wiesengrund“ in Brand – nachdem sie beim Versuch gescheitert waren, die Tür aufzubrechen. Es folgten drei Containerbrände am 20. Oktober an Beethoven-, Geschwister-Scholl- und Gartenstraße. Am Abend des 26. Oktober setzte das Trio einen Unterstand auf einem Feld bei Pickau in Brand, wo sich Jugendliche trafen. Einen Abend später brannte die Wanderhütte am Parkplatz auf dem Weg zum Butterberg.

Benjamin B. und Stephan H. gestanden die Taten. Nach ihrer Aussage habe jeder der drei Beteiligten abwechselnd das Feuer gelegt, während die anderen beiden zugesehen haben. Den beiden Angeklagten zufolge spielte Anton S. dabei die dominierende Rolle, obwohl er fünf Jahre jünger als H. ist. Er habe die anderen beiden unter Druck gesetzt und B. auch damit gedroht, ihn wegen Drogenkonsums bei der Polizei zu verpfeifen. Ein wirkliches Tatmotiv gab es nicht. Richter Manfred Weisel sagte, der „Nährboden der Taten sei Langeweile und ein Überfluss an Tagesfreizeit“ gewesen.

Stephan H. kommt aus einer stabilen Familie. Bis zu seinem 14. Lebensjahr habe es mit ihm keine Probleme gegeben, sagte Jörg Freudenberg von der Jugendgerichtshilfe. Dann ließen die Leistungen in der Schule nach. Er fand einen Freundeskreis, den die Eltern kritisch sahen. Es kam zu Alkoholproblemen, dem Abgang von der Schule ohne Abschluss, einem missglückten Berufseinstieg. Vor dem gestrigen Prozess stand H. schon viermal vor Gericht – wegen Beleidigung, Nötigung, Körperverletzung. Obwohl er zur Zeit der Brandserie bereits 20 Jahre alt gewesen ist, verurteilte ihn das Gericht nach dem Jugendstrafrecht. Unter anderem warb die Jugendgerichtshilfe dafür und begründete es mit Defiziten in der persönlichen Entwicklung. Nach dem Erwachsenenrecht wäre das Strafmaß höher ausgefallen. Bis zu zehn Jahren Haft sind bei vorsätzlicher Brandstiftung möglich. Für das Gericht ein Balanceakt. Stephan H. fährt als Einziger der drei Angeklagten einen Pkw. „Damit haben Sie die Straftaten erst möglich gemacht“, sagte Staatsanwältin Sophie Stolberg.

Benjamin B. lebt in Bischofswerda bei seiner Mutter. Er begann jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Altenpflege und möchte anschließend den Hauptschulabschluss nachholen. Da sein Vorstrafenregister bisher keine Eintragungen ausweist, beließ es das Gericht bei der Verwarnung. Eine Woche haben die Verurteilen Zeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Tun sie es nicht, wird es rechtskräftig.

Andere Brände vom Oktober 2013, darunter in der Hentschelmühle und an der Fronfeste, spielten am Donnerstag vor Gericht keine Rolle. Da man sie den drei Männern nicht nachweisen konnte, wurden sie dafür nicht angeklagt.

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