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Brandstifter von Kamenz muss in Haft

Ein Mann zündete die Wohnung seiner Ex-Freundin an. Dass nichts Schlimmeres passierte, ist ihrem Vater zu verdanken. Jetzt kam der Fall vor Gericht.

Im März zündete ein Mann in Kamenz die Wohnungstür seiner Ex-Freundin an. Nun schickte ihn Richter Dirk Hertle dafür ins Gefängnis.
Im März zündete ein Mann in Kamenz die Wohnungstür seiner Ex-Freundin an. Nun schickte ihn Richter Dirk Hertle dafür ins Gefängnis. © SZ/Theresa Hellwig

Bautzen/Kamenz. An Handschellen wird der Angeklagte in den Schöffengerichtssaal des Bautzener Amtsgerichts geführt. Sein Gang ist breit, aufrecht sitzt er kurz darauf auf seinem Stuhl. Als der Richter ihn befragt, verschränkt er abwechselnd die Arme oder lehnt sich vor auf dem Tisch. Laut und deutlich sagt er die entscheidenden Worte: „Ja, ich hab das angezündet.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, im März dieses Jahres die Wohnungstür seiner Ex-Freundin in Kamenz in Brand gesetzt zu haben. Doch damit nicht genug: Auch in der Wohnung und auf dem Bett der Frau hatte der Mann zuvor Universalverdünner verteilt. Schon Tage vorher soll er ihr per Chat gedroht haben, die Wohnung anzünden zu wollen – unabhängig davon, ob die Frau sich darin befinde. Und so geschah es dann auch.

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Kinder auf den Balkon gerettet

Nicht nur seine Ex-Lebensgefährtin, sondern auch die gemeinsame Tochter, nur etwa ein Jahr alt, und ein älterer Sohn der Frau befanden sich zum Tatzeitpunkt in der Wohnung. Auch der Vater der ehemaligen Lebensgefährtin war dort. „Meine Tochter brüllte plötzlich, dass es brennt“, erinnert sich der Mann vor Gericht. „Als ich gucken ging, kamen die Flammen auch schon zur Tür rein.“ Er habe dann die Kinder auf den Balkon gebracht und Decken geholt. Die warf der Mann dann auf die Flammen, um das Feuer zu ersticken. „Die volle Badewanne war in der Nähe, aber in dem Moment denkt man darüber so nicht nach“, erinnert er sich. Panik hätte er gehabt, denn der ganze Flur sei voller Rauch gewesen. Der wurde ihm zum Verhängnis: Der Vater der Ex-Lebensgefährtin erlitt eine Rauchgasvergiftung. Aus dem Krankenhaus wurde er am Folgetag entlassen, aber der Vorfall steckte ihm noch deutlich länger in den Knochen. „Ich war alle“, sagt der Mann vor Gericht mit leiser Stimme.

Zwei Kinder in der Wohnung, auch das eigene Kleinkind – wie kommt jemand auf die Idee, dann die Wohnung anzuzünden? „Ich hab in dem Moment nicht mehr überlegt“, erklärt der Angeklagte den Richtern. Eine kurze Flamme hätte es geben sollen, ein bisschen Angst. Als Grund nennt er die Trennung seiner Freundin. „Ich wollte, dass es zwischen uns wieder was wird, dass ich wieder einziehen kann“, sagt er. Mehrere Male sei er an dem Tag in die Wohnung gekommen, um mit seiner Ex-Partnerin zu reden – das Gespräch brachte nicht den für ihn gewünschten Erfolg. Beide haben, so erzählt es der Angeklagte, Drogen genommen. Seine Ex-Lebensgefährtin schaffte den Absprung, er nicht. Weil er weiterhin konsumierte, sei es immer wieder zum Streit gekommen. Als er ihr gegenüber handgreiflich wurde, trennte sie sich.

Mehrfach vorbestraft

„Es tut mir leid“, sagt er. Mit geschürzter Lippe nimmt der Angeklagte das Urteil auf. Mehrfach vorbestraft ist der Mann bereits. Noch einmal muss er nun hinter Gitter. Das Schöffengericht befindet ihn der schweren Brandstiftung schuldig, verurteilt ihn zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Dass die Tat im vierten Stock stattfand und die Familie nicht so leicht hätte fliehen können, wird erschwerend gewertet. „Die Aktion hätte leicht tödlich enden können“, begründet der Vorsitzende Richter Dirk Hertle. „Wenn der Vater Ihrer Ex-Lebensgefährtin nicht da gewesen wäre, dann hätte es Tote gegeben“, ist er überzeugt. Vor allem an die kleine Tochter denkt er dabei, denn für das ein Jahr alte Kind wäre der Rauch besonders gefährlich gewesen.

Nur etwa dreieinhalb Monate nach der Tat wird der Mann an Handschellen wieder aus dem Gerichtssaal geführt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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