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Braucht der Landkreis die Biotonne?

Eine Studie des regionalen Abfall-Zweckverbandes brachte es an Tag: Im Landkreis Riesa-Großenhain wird mehr Müll zur Deponie gefahren als in anderen Kreisen des oberen Elbtals. Die Ursache sehen die Verbands-Experten vor allem darin, dass Riesa-Großenhain keine Bio-Abfalltonne anbietet.

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Eine Studie des regionalen Abfall-Zweckverbandes brachte es an Tag: Im Landkreis Riesa-Großenhain wird mehr Müll zur Deponie gefahren als in anderen Kreisen des oberen Elbtals. Die Ursache sehen die Verbands-Experten vor allem darin, dass Riesa-Großenhain keine Bio-Abfalltonne anbietet. SZ sprach mit Dezernatsleiter Albrecht Hellfritzsch und Abfallamts-Chef Gert Nitzsche.
Spitzenplatz beim Restmüll-Aufkommen - muss das Müll-Erfassungssystem des Landkreises nachgebessert werden? Hellfritzsch: Nein, immerhin hat der Landkreis Riesa-Großenhain im Verbandsgebiet das geringste Aufkommen an wilden Müllablagerungen. Das heißt: Was anderswo in die Landschaft gekippt wird, wandert bei uns in der Regel in die Restmüll-Tonne.
Pro Einwohner und Jahr fallen im Landkreis im Schnitt 30 Kilogramm Restmüll mehr an als etwa in Dresden. Das hat sicher nicht nur mit der illegalen Verkippung zu tun. Hellfritzsch: Möglicherweise wird der Müll bei uns nicht so gründlich getrennt wie in anderen Landkreisen. Im Zweckverband haben der Weißeritzkreis und die Landeshauptstadt bereits das sogenannte Transponder-System eingeführt. Die Tonne wird nur noch geleert, wenn man sie vors Tor stellt. Das regt zum Sparen an und senkt - wie auch immer - die Restmüll-Menge. Das Transponder-System ist ja auch bei uns in der Diskussion. Wir müssen abwarten, welche Entscheidung der Kreistag trifft.
Warum hat sich der Landkreis von der Idee der Biotonne verabschiedet? Hellfritzsch: Wir führten 1997 umfangreiche Untersuchungen durch und stellten fest, dass die Einführung der Biotonne unter unseren Bedingungen teurer ist als die Entsorgung auf der Deponie. Deshalb verzichtete der Kreistag darauf und zog das Alternativ-Angebot vor - die Grünschnitt-Erfassung . . .
Die Biomüll-Entsorgung per Tonne geht noch über die Grünschnitt-Erfassung hinaus und ist umweltfreundlicher. Warum tut sich der Landkreis so schwer damit? Nitzsche: Es gibt im Landkreis keine eigene Kompostieranlage. Es gab 1997 einen Versuch, auf der Anlage in Laußnitz bei Königsbrück zu kompostieren. Aber den Biomüll von der westlichen Kreisgrenze nahezu 80 Kilometer dorthin zu fahren, wäre finanziell nicht tragbar gewesen. Andere Varianten - wie die Entsorgung im Brandenburgischen - scheiterten an der Landes-Gesetzgebung.
1998 schränkte der Kreistag dann selbst die Grünschnitt-Annahme wieder ein. Hellfritzsch: Zuvor war übers gesamte Jahr Grünschnitt angenommen worden, ab 1999 nur noch von März bis Mai und von September bis November. Das geschah aus zwei Gründen. Zum einen fällt in den Sommermonaten ausschließlich Rasenschnitt an, der sich in der Masse nur sehr schlecht kompostieren lässt. Zum anderen wurden gerade aus den ländlichen Gebieten ganze Traktor-Ladungen Gras angeliefert. Das hätte der Masse der Gebührenzahler unverhältnismäßig hohe Kosten auferlegt.
Wenn auch die Grünschnitt-Annahme ihre Schwächen hat, wird dann die Biotonne wieder aktuell? Nitzsche: Nein. Wir denken gegenwärtig darüber nach, die Grünschnitt-Annahme wieder zu erweitern. Der Vertrag mit der Agrargenossenschaften Kreinitz läuft zum Jahresende aus, die Entsorgung muss neu ausgeschrieben werden. In diesem Zusammenhang steht die Frage, ob über den Sommer wenigstens einmal im Monat Grünschnitt angenommen wird. An bestimmten Stellen vielleicht auch im Januar - wegen der Weihnachtsbäume. Darüber wird zurzeit noch im Umweltausschuss diskutiert.
Ein Riesaer Unternehmen bietet bereits die Grünschnitt-Tonne an - gegen Extra-Bezahlung. Ist die privatwirtschaftliche Entsorgung eine Alternative? Hellfritzsch: Im Moment schon. Allerdings entbindet sie den Landkreis nicht von seiner Entsorgungspflicht.
Das Gespräch führte Manfred Müller.