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Braucht diese Kreuzung ein Schild?

Seit es demontiert wurde, sind schon zwei Unfälle passiert. Laut StVO ist aber alles richtig.

© SZ Thomas Eichler

Von Romy Kühr

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Hätten Sie’s gewusst? Nein? Dann ganz schnell nochmal nachschlagen in der Straßenverkehrsordnung (StVO). Dort steht es nämlich in Paragraf 10 ganz eindeutig: „Wer [...] über einen abgesenkten Bord hinweg auf die Fahrbahn einfahren will, hat sich so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“ Für Ausfahrten ist das jedem klar: Hier muss man warten und den anderen die Vorfahrt gewähren. Es gilt aber auch für untergeordnete Straßen, die, so sagt Paragraf 10 weiter, durch „bauliche Maßnahmen“, zum Beispiel einen abgesenkten Bordstein, von der Vorfahrtsstraße getrennt sind. Soweit alles klar?

Ein praktisches Beispiel bietet jetzt in Ebersbach die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Hofeweg. Wer aus Richtung des Pflegestifts kommend den Hofeweg befährt und an die Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße auf Höhe der Apotheke gelangt, hat Vorfahrt. Auch vor denjenigen, die von rechts aus der Friedrich-Ebert-Straße kommen. Das war schon immer so. Trotzdem sind Autofahrer verwirrt. So sehr, dass es nun schon zwei Mal hier gekracht hat. Denn bis vor Kurzem hatte ein Hauptstraßenschild an der Kreuzung darauf hingewiesen, dass man hier Vorfahrt hat. Das ist nun einer Neuregelung der Straßenverkehrsordnung zum Opfer gefallen: „So viele Schilder wie nötig, so wenige wie möglich“, steht dort in Paragraf 45 als Grundsatz geschrieben. Das Schild kam weg, weil nun eine andere Tatsache die Vorfahrt regelt. Auf der Friedrich-Ebert-Straße wurde gebaut. Im Zuge dessen wurden neue, abgesenkte Bordsteine eingesetzt. Deshalb – wir erinnern uns an Paragraf 10 – ist hier klar: der Autofahrer auf der Friedrich-Ebert-Straße befindet sich auf einer untergeordneten Straße und der Hofeweg hat Vorrang. Logisch, oder? Weil das gute alte und jedem bekannte Hauptstraßenschild aber wegrationalisiert wurde, sind Autofahrer nun irritiert. Manche glauben, sie hätten Vorfahrt, wenn sie von rechts aus der Friedrich-Ebert-Straße kommen. Denn in der Fahrschule haben wir eine einfache Regel gelernt: Wenn kein Schild steht, hat der von rechts Kommende Vorrang. Oder doch nicht immer? Nein, da war doch was: die Sache mit dem abgesenkten Bordstein.

„Das weiß doch aber niemand“, berschwerte sich jetzt CDU-Stadtrat Karl-Ernst Simm. Außerdem: „Wenn Schnee liegt, sieht man die Bürgersteigkante gar nicht“, merkte er an. Das sei eine völlig unnötige Unfallquelle. Die Stadt ist in einer Zwickmühle. Einerseits sieht sie die Gefahr, die das birgt. Andererseits, sagt Hauptamtsleiterin Alexandra Kind: „Wir dürfen kein Hauptstraßenschild aufstellen. Das wäre gegen die Straßenverkehrsordnung.“ So wie der Zustand jetzt ist, sei er völlig richtig und konform mit der StVO. Denn der Paragraf über den abgesenkten Bordstein regele ja die Vorfahrt automatisch und es sei gar kein Schild nötig. Auch der Vorschlag von Stadträten, ein Hinweisschild aufzustellen, ist hier keine Lösung. „Was soll man da draufschreiben?“, fragt die Amtsleiterin. „Achtung Vorfahrt geändert“ würde keinen Sinn machen, denn an der Vorfahrtsregelung hat sich ja schließlich nichts geändert.

Da bleibt wohl nur eins: sich im Zweifel an Paragraf 1 der StVO zu halten: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständig Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.“

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