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Riesa

Braucht Gröditz eine Ortsumfahrung?

Die Pläne existieren bereits seit mehr als 20 Jahren, nun will der Kreis sie weiter vorantreiben. Dabei hätten es andere Orte viel nötiger, sagt ein Experte.

Die B 169 verläuft mitten durch die Stadt Gröditz. Nicht nur Autos rollen täglich durch die Stadt, auch zahlreiche Lkw nutzen die Bundesstraße. Eine Umgehung könnte das ändern.
Die B 169 verläuft mitten durch die Stadt Gröditz. Nicht nur Autos rollen täglich durch die Stadt, auch zahlreiche Lkw nutzen die Bundesstraße. Eine Umgehung könnte das ändern. © Eric Weser

Gröditz. Wenn im Altkreis Riesa über Ortsumfahrungen diskutiert wird, denken viele sofort an Glaubitz und Strehla. Schon seit Jahren kämpfen die Anwohner dort für eine Entlastung der Ortskerne. Besonders der Lkw-Verkehr soll raus aus den Orten – und sie dadurch sicherer und ruhiger machen. Der Verkehr auf der Umfahrung könnte dagegen dann deutlich schneller fließen.

Und genau das will der Landkreis Meißen nun nutzen, um das Westlausitzer Braunkohlerevier besser an den hiesigen Wirtschaftsraum anzubinden. Mittels einer Ortsumfahrung für Gröditz wolle man qualifizierten Arbeitskräften aus der Lausitz eine gute Anbindung an den Raum rund um Riesa bieten, heißt es in einer entsprechenden Vorlage für die nächste Kreistagssitzung. Dort sollen die Räte entscheiden, ob sich der Landkreis Meißen künftig dafür einsetzen wird, eine Ortsumfahrung für Gröditz in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen.

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Die Idee klingt erst einmal überraschend, ist aber keineswegs neu. „Bereits Anfang der 90er-Jahre gab es erste Pläne für eine Ortsumfahrung“, weiß der Gröditzer Verkehrswächter Siegfried Janetzki. Die Umfahrung sollte den damaligen Plänen nach bei Pulsen beginnen und an Frauenhain vorbei an die B 101 bei Wainsdorf anbinden. „Das Vorhaben ist dann aber zurückgesetzt worden“, erinnert sich Siegfried Janetzki. Grund dafür sei wohl das damals noch deutlich niedrigere Verkehrsaufkommen gewesen.

In den Jahren danach wurde es ruhiger um die Pläne für eine Gröditzer Ortsumfahrung. Nur gelegentlich tauchte das Thema noch in der Öffentlichkeit auf. Auch wenn im Hintergrund weiterhin an dem Vorhaben gearbeitet wurde. So befasste sich beispielsweise das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) mit der Umgehung. Schon 2013 lagen für die Gröditzer Ortsumfahrung diverse Pläne vor. Damals ging man im Lasuv davon aus, dass die rund acht Kilometer lange Umgehung insgesamt rund 21 Millionen Euro kosten würde.

Viel Geld, das laut Siegfried Janetzki von der Kreisverkehrswacht auch für andere Projekte ausgegeben werden könnte. „Ich habe absolut nichts gegen eine Ortsumfahrung für Gröditz“, sagt Janetzki. „Aber es gibt Orte, in denen ist die Umgehung viel wichtiger als hier.“ Als Beispiele führt der Straßenwächter die angestrebten Ortsumfahrungen in Glaubitz, Wildenhain und Schönfeld an. Dort sei die Situation teils weitaus gefährlicher als in der Röderstadt. Siegfried Janetzki führt das vor allem darauf zurück, dass sich die B 169 weitestgehend geradlinig durch Gröditz zieht. Dadurch verringere sich das Gefahrenpotenzial. „Die Fahrzeugdichte ist in Gröditz natürlich auch groß“, weiß der Experte. „Aber nicht so groß wie etwa auf der B 98.“

Der Straßenwächter würde es deshalb begrüßen, wenn das Geld eher für die Erneuerung der Straßen in und rund um Gröditz eingesetzt werden würde. Als Ablehnung des Projektes will er seine Haltung aber nicht verstanden wissen. „Es wäre erfreulich für Gröditz, wenn die Umfahrung kommt“, so Janetzki. „Aber der Kreistag sollte andere Prioritäten setzen.“

Stadtchef Jochen Reinicke (parteilos) war für die SZ zu diesem Thema nicht zu erreichen. In der Vergangenheit hatte er sich aber schon mehrfach für die Umfahrung eingesetzt – unter anderem beim Bundesverkehrsminister.

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