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Braucht kreative Kunst einen kreativen Rahmen?

Der Dresdner Maler Wieland Richter erzählt ein phantasievolles Märchen in einem farbenfrohen Aquarell mit dem Titel „Es gibt Momente, die tragen uns davon“. Umgeben ist das Bild von einem hellschattierten Rahmen aus Blattmetall.

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Von Wolfgang Zimmermann

Der Dresdner Maler Wieland Richter erzählt ein phantasievolles Märchen in einem farbenfrohen Aquarell mit dem Titel „Es gibt Momente, die tragen uns davon“. Umgeben ist das Bild von einem hellschattierten Rahmen aus Blattmetall. So erlebt es eine zusätzliche Aufwertung. Dieter Beirichs Aquarell „Himmel“ ordnet sich dem edlen Rahmen aus Edelmetall und Tempera sogar gewissermaßen unter, ebenso wie der Lichtdruck von Theodor Rosenhauer, der eine Straße in „Radebeul im Winter“ zeigt.

Holzmaserung von Edelmetall umgeben

Andere Bilder haben es weniger leicht: Horst Hilles Miniaturölbild „Stillleben mit Likörglas“ wirkt durch seinen Steinpatinarahmen eher noch kleiner. Und die Radierung „Windhunde“ eines unbekannten Künstlers ist von einem höhlenartigen Rahmen umgeben, der das Bild nichts erzählen lässt.

Doch die Maler sollen nicht wichtig sein in dieser Ausstellung in der Sparkasse in Radebeul-Mitte. Sie haben „nur“ ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt. Die „Bilderrahmenwerkstatt“ Kruschel hat diese nach ihren eigenen Vorstellungen gerahmt.

Dass da durchaus Differenzen mit Künstlern und Ausstellungsbesuchern auftreten können, ist nur natürlich. Die Skala des ästhetischen Empfindens geht zum Glück weit auseinander. Wäre dem nicht so, machte das Leben mit der Kunst sehr viel weniger Freude. Und man könnte alles auf folgende, ein wenig simple Beziehung reduzieren: Das Bild ist der Bewohner, sein Haus ist der Rahmen. Doch ganz so einfach ist es am Ende doch nicht.

Ein wahrer Ästhet wäre nun mal nicht glücklich, bekäme er eines der farbenfrohen Bilder von Irene Wieland in einem nüchternen Plasterahmen angeboten. Doch wie muss der Rahmen beschaffen sein, wie sollte er aussehen, aus welchem Material sollte er sein – kurz; zu welchem Bild passt welcher Mantel.

Einige dieser Fragen versucht die Ausstellung zu beantworten, die noch bis 30. Oktober im Kundencenter der Kreisparkasse Meißen in Radebeul-Mitte zu sehen ist.

„Kunst im Kreativrahmen“ ist vordergründig eine Ausstellung des „Designerkreises Rahmenkunst e.V.“, in dem sich vor 15 Jahren bundesweit Rahmenateliers zusammenfanden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind es immerhin schon 20 solcher Ateliers, die auf dieser Basis zusammenarbeiten. Darunter als erstes und bisher einziges ostdeutsches die „Bilderrahmenwerkstatt“ von Andreas und Martina Kruschel in Radebeul-Ost.

Künstler stellen Arbeiten als „Inhalt“ zu Verfügung

Sie ist es auch, die den Inhalt dieser Ausstellung maßgeblich bestimmt. Doch Rahmen ohne Füllung? Das wäre nur eine halbe Sache. Martina Kruschel hat daher Maler und Grafiker aus Radebeul und der näheren Umgebung angesprochen, die ihr den „Inhalt“ für die Rahmen – also ihre künstlerischen Arbeiten – zur Verfügung stellten. Darunter sind neben den bereits genannten auch noch Jochen Rohde, Bärbel Kuntsche, Dieter Weise, Ralf Uhlig, Werner Wittig, Johann Mittag, Klaus Liebscher und eine Reihe weiterer Künstler.

Hinzu kommen noch einige gerahmte Arbeiten von anderen Rahmenateliers, die Arbeiten von Künstlern aus der jeweiligen Region vorstellen.