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Braucht mein Kind ein eigenes Konto?

Und wenn ja, ab welchem Alter? Fast alle Banken und Sparkassen werben um kleine Kunden. Das muss nicht schlecht sein.

Kleine Kinder freuen sich noch über Kleingeld.
Kleine Kinder freuen sich noch über Kleingeld. © 123rf.com

Von Falk Zielke und Susanne Plecher

Einen Euro Taschengeld pro Woche – das empfiehlt das Deutsche Jugendinstitut allen Eltern von Sechsjährigen. Jüngere Kinder freuen sich, wenn sie es direkt ausgezahlt bekommen. „Dadurch wird das abstrakte Thema für sie erfahrbar. Münzen kann ich schließlich in der Hand halten“, sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Potsdam. Gibt es mehr als ein paar Münzen, zum Beispiel, wenn der Taschengeldsatz steigt oder die Großeltern etwas angespart haben, könnte ein eigenes Konto für das Kind sinnvoll werden.

„Im Prinzip können Kinder schon sehr früh mit einem eigenen Konto etwas anfangen“, sagt Schaarschmidt. „Vor einem Alter von zehn Jahren ist das aber nicht unbedingt sinnvoll.“ Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg findet selbst das noch zu zeitig. „Ein Girokonto braucht man im Grunde erst, wenn regelmäßige Einkünfte bezogen oder Zahlungen wie Miete, Stromrechnungen oder Abos zu leisten sind“, erklärt der Finanzexperte. „Also mit dem ersten Nebenjob, mit der Ausbildung oder wenn man bei den Eltern auszieht.“

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Während es Sparkonten schon für Babys gibt, können Kinderkonten frühestens ab dem siebten Lebensjahr eröffnet werden, erklärt der Bundesverband deutscher Banken. Erst ab diesem Alter sind Kinder beschränkt geschäftsfähig. Die Eltern tragen dennoch die Verantwortung, bis das Kind volljährig ist. In der Regel werden die Konten minderjähriger Kunden daher ausschließlich auf Guthabenbasis geführt.

Bei der Suche nach dem passenden ersten Konto ist es sinnvoll, den Blick über den Tellerrand zu wagen. Denn nach Ansicht der Stiftung Warentest lohnt sich die Hausbank der Eltern nur dann, wenn wirklich alle Kriterien passen. Immer wichtig aus Sicht der Experten: Kontoführung und Kartennutzung sollten gratis sein. Außerdem müsse die Bank am Wohnort erreichbar sein, sagt Schaarschmidt. „Wichtig sind in jedem Fall genügend Automaten fürs kostenlose Geldabheben.“ Wer auf dem Land lebe, seine Direktbank dort aber keine Automaten aufgestellt habe, müsse mit hohen Kosten rechnen. Denn Abhebungen an fremden Automaten können bis zu fünf Euro pro Abhebung kosten.

Manche Geldinstitute locken mit Vergünstigungen

Einige Banken bieten Modelle an, die Kinder am besten schon von Geburt an als Kunden binden sollen. Je nach Alter und Bedürfnis lässt sich etwa das „Saxx Life“ von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden umwandeln – von einem Sparkonto ab Geburt in ein Taschengeldkonto ab dem siebenten Lebensjahr bis hin zum vollwertigen Girokonto, wenn das Kind 14 Jahre alt ist. „Beim Taschengeldkonto sind schon die ersten Sparkassen-Cards inklusive. Das Kind lernt mit diesem Modell den Umgang mit Geld und Karten“, so Sparkassensprecher Marcus Herrmann. Auch die Volksbank Chemnitz bietet ein Konto ab Geburt an, das die Kinder lange begleiten kann. „Die IBAN bleibt erhalten, wenn die Funktionen des Kontos in späteren Lebensphasen geändert oder erweitert werden“, sagt Unternehmenssprecherin Janet Hahn.

Zinsen für Guthaben sind, wie auch bei Konten für Erwachsene, derzeit meistens nicht der Rede wert. Nach Angaben der Stiftung Warentest gibt es selten mehr als 0,5 Prozent – eher weniger. So zahlt die Deutsche Bank für Guthaben auf dem „Jungen Konto“ derzeit 0,01 Prozent. Die Volksbank Chemnitz zahlt 0,5 Prozent Zinsen bis zu einem Guthaben von 999,99 Euro. Die Ostsächsische Sparkasse Dresden zahlt ein Prozent für Guthaben bis 1.000 Euro auf allen Kinder- und Jugendkontomodellen. Die Sparkasse Mittelsachsen verzinst Einlagen bis 500 Euro auf dem Knax-Kinderkonto mit derzeit 1,25 Prozent.

Manche Geldinstitute locken nicht mit Zinsen, sondern mit anderen Vergünstigungen. So bietet die Commerzbank einen Vorteils-Newsletter mit Rabatten für Online-Shops.

Für Auslandsreisen, zum Beispiel bei einem Schüleraustausch, ist eine Kreditkarte sinnvoll. Für Minderjährige gibt es meist Prepaid-Karten, die mit Guthaben aufgeladen werden können. Eine normale Kreditkarte gibt es nur für Volljährige. Bei beiden Kreditkartenarten sind die Konditionen laut Stiftung Warentest sehr unterschiedlich, von kostenfrei bis 42 Euro im Jahr.

Eine Einschränkung gibt es aus Sicht von Verbraucherschützer Nauhauser bei Konten von Filialbanken: Sie sind zwar für Jugendliche meist kostenfrei. „Allerdings kann das nach Wegfall bestimmter Voraussetzungen wie dem Alter oder dem Ende der Ausbildung extrem teuer werden.“

Eine Alternative sind Girokonten bei Direktbanken. „Die haben überdies den Vorteil, dass man sich nicht auf die üblichen Verkaufsgespräche in der Filiale einlassen muss“, erklärt Nauhauser. „Wer wenig Geld hat, braucht in der Regel weder Bausparvertrag noch Rentenversicherung.“

Auch einzelne Dienstleistungen können ins Geld gehen: So werden bei manchen Konten Gebühren für Überweisungen fällig. Unter Umständen ist es daher sinnvoll, gleich ein Online-Konto zu eröffnen. Hier können die Jugendlichen nicht nur den Kontostand checken, sondern auch Überweisungen selbst tätigen, raten die Warentester. (dpa mit rnw)


Eltern müssen Ja sagen

Minderjährige brauchen für die Einrichtung eines Girokontos die Zustimmung der Eltern. Unterschreiben müssen den Antrag beide Elternteile, erklärt die Stiftung Warentest. Ob eine Vollmacht reicht und somit nur ein Elternteil anwesend sein muss, hängt vom Geldinstitut ab.

Die Steuer-Identifikationsnummer des Kindes ist dabei notwendig.

Sind Eltern getrennt, geschieden oder ist einer verstorben, geht der Sorgeberechtigte mit dem Kind zur Bank. Diese will dann mitunter die Sorgerechtsbestätigung, Scheidungs- oder Sterbeurkunde sehen. (dpa)

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