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Breitband-Ausbau im Landkreis stockt

Die Netzabdeckung ist schlecht, zentrale Initiativen fehlen. Der Bund will nun Abhilfe schaffen.

Von Matthias Weigel

Die drei Buchstaben WWW stehen in etlichen Regionen des Landkreises wohl nicht für das World Wide Web (Internet), sondern eher für Welt-Weites Warten. Denn die Geschwindigkeit, mit der die Haushalte ans Datennetz angebunden sind, macht bequemes und schnelles Surfen kaum möglich – zumal die Datenmengen mit Videos, grafisch aufwendigen Seiten und Audiodaten immer größer werden. Doch das soll sich ändern: Bis 2018, so das erklärte Ziel der Bundesregierung, sollen flächendeckend Geschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit pro Sekunde verfügbar sein. Das ist nicht nur eine Herausforderung, sondern in den meisten Kommunen des Landkreises ein großes Problem.

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Wie ist im Landkreis die

aktuelle Breitband-Abdeckung?

Laut Aussagen des Bundes-Breitbandbüros rangiert der hiesige Landkreis insgesamt im Bundesvergleich im hinteren Drittel, was die verfügbaren Geschwindigkeiten anbelangt (siehe auch Tabelle). In manchen Orten ist man heute froh, wenn 2 Mbit/s anliegen – also vier Prozent dessen, was in vier Jahren Standard sein soll. Während andere Kreise den Ausbau zentral vorantreiben und damit erste Erfolge vorweisen können, hat der hiesige Kreistag im Herbst 2009 beschlossen, dass „es am günstigsten und effektivsten ist, wenn die Umsetzung dezentral, also durch die Kommunen selbst erfolgt“, heißt es aus dem Landratsamt.

Welche Aktivitäten gab es

bislang zum Netzausbau?

Tatsächlich gab und gibt es in einzelnen Orten Initiativen. In Freital hatte 2010 ein Rahmenvertrag der Großvermieter für den Durchbruch gesorgt. Das Netz der Telekom hielt bis dato zwar auch Breitbandanschlüsse parat – hatte aber große, weiße Flecken. Der Anbieter Tele Columbus rüstete das vorhandene TV-Kabelnetz auf und baute es weiter aus und kann seither in Freital und Bannewitz rund 10 000 der insgesamt 14 000 angeschlossenen Haushalte auch mit schnellem Internet bis zu 128 Mbit/s versorgen. „Etwa jeder Dritte hat sich bereits für die Nutzung entschieden“, so Sprecher Hannes Lindhuber.

Bannewitz nahm einen anderen Weg. Eine Bedarfsanalyse im Oktober 2010 hatte gezeigt, dass alle zwölf Ortsteile unterversorgt sind. Für gut 300 000 Euro wurden mit der Telekom und Fördermitteln der EU 2 000 Haushalte ans schnelle Netz mit bis zu 16 Mbit/s gebracht. Für derartige Projekte können bis zu 90 Prozent der Kosten aus Fördertöpfen kommen. Ähnlich lief es in Höckendorf. Altenberg ist gerade dabei und investiert rund eine Dreiviertelmillion Euro. Fast 1 400 Haushalte und Unternehmen sollen noch in diesem Jahr schnelles und erschwingliches Internet mit bis zu 50 Mbit/s bekommen. Das ist technisch zum Teil schon verfügbar wie im Müglitztal, aber für Normalverbraucher viel zu teuer. Andere Kommunen doktern bis heute an möglichen Lösungen. Und die Karten zeigen vor allem bei höheren Bandbreiten noch immer große Lücken in der Region.

Kann die Verfügbarkeit innerhalb so kurzer Zeit tatsächlich erhöht werden?

Mit dem Ziel der Bundesregierung im Hinterkopf sieht der Bundestagsabgeordnete der Region, Klaus Brähmig (CDU), die Gefahr, dass der Landkreis den Anschluss verpasst. Er will die Initiativen bündeln und hatte deswegen jüngst Unternehmer, Einwohner, Bürgermeister und Vertreter von Institutionen zum Breitbandgipfel nach Freital eingeladen. Im Ergebnis sieht Brähmig, dass entweder der Beschluss des Kreistages zu kippen ist oder man einen Zweckverband gründen müsse. „Ohne gemeinsame Strategie geht es nicht. Wir haben hier 40 Kommunen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen und Ständen“, sagt Brähmig. Die 80 Millionen Euro, die aktuell in Sachsen für den Breitbandausbau bereitstünden, könne man nicht verfallen lassen – um sie abzurufen, brauche es aber konkrete Maßnahmen. Doch die gibt es vielerorts noch gar nicht. Fakt ist auch: Das Geld wird im Freistaat nicht für alle reichen.

Im Landratsamt hat man die Bedeutung von flächendeckendem schnellen Internet sehr wohl erkannt. „Vor allem wegen des Wettbewerbsvorteils.“ Schließlich haben schon Firmen, wie in Pirna, eine Ansiedlung mangels entsprechender Datenleitung abgesagt, wurde auf dem Gipfel berichtet. Und auch der Wert von Immobilien richtet sich stärker nach einer Netzanbindung. Schulen und Behörden sind auf schnelle Netze quasi angewiesen. Aktiv werden, um einen neuen Beschluss zu fassen, will das Landratsamt von sich aus dennoch nicht. Alle Beteiligten seien stattdessen gefordert „gemeinsam über den Weg nachzudenken“, heißt es auf Anfrage.

Wie gehen die Aktivitäten beim Breitbandausbau nun weiter?

Bis Sommer will das Breitbandbüro mit Brähmigs Unterstützung und den Kommunen den Bedarf bzw. Ist-Stand erfassen und analysieren, was mit welchem Ergebnis bereits unternommen wurde. Die Karten sind teils lückenhaft und veraltet, die Daten unvollständig. Funk- oder Mobilfunklösungen schließt man aber aus, da physische Anschlüsse unabhängiger und verlässlicher seien, so das Büro. Nach der Analyse würde man Anbieter für mögliche Lösungen kontaktieren. Die Bahn sitzt bereits mit im Boot, um vorhandene Trassen für den Netzausbau zu nutzen. Die Ergebnisse sollen dann bei einem erneuten Gipfel im Sommer diskutiert werden, ebenso die Möglichkeit eines Zweckverbands und das weitere Vorgehen. „Die Ansichten und die Zusammenarbeit im Landkreis müssen sich ändern, wenn man das Ziel nicht verfehlen will“, heißt es aus dem Büro. (mit SZ/ks)

Jeder kann sich im Übrigen im Breitbandbüro des Bundes zu den Ausbauzielen und Ist-Ständen informieren und Defizite benennen. 030 60404060, www.breitbandbuero.de