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Großversuch auf der Dresdner Carolabrücke

Erstmals testet die Stadt bei einem großen Projekt Carbonbeton. Welche Vorteile er auf dem Fußweg bringen soll.

Von Peter Hilbert
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Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner zeigt auf der Carolabrücke einen der neuartigen Basalt-Bewehrungsstäbe. Dieses leichte und flexible Material ermöglicht es, dass der Geh- und Radweg bei der Sanierung um einen knappen Meter verbreitert wird.
Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner zeigt auf der Carolabrücke einen der neuartigen Basalt-Bewehrungsstäbe. Dieses leichte und flexible Material ermöglicht es, dass der Geh- und Radweg bei der Sanierung um einen knappen Meter verbreitert wird. © Christian Juppe

Für Kraftfahrer gibt es jetzt deutliche Einschränkungen auf der Carolabrücke. Seit einer Woche rollt dort der Verkehr auf nur noch einer Spur in jede Richtung über die Elbe. So kann der elbaufwärts liegende Brückenzug saniert werden. Den Auftrag hatte die Bautzner Firma Hentschke Bau erhalten. Dafür investiert die Stadt rund 4,7 Millionen Euro.

Der Zeitdruck: Schäden so groß, dass im Winter begonnen werden muss

Eigentlich sollte die Sanierung der Carola-brücke bereits im September beginnen. Doch der Zeitplan war geplatzt, da die erhofften Fördermittel vom Freistaat nicht bestätigt wurden. Der Stadt gelang es letztlich, dass das Geld bereitgestellt werden konnte. So hatte sie bei anderen Projekten, der Albertbrücke, mehr Fördermittel bekommen als erwartet.

Die Sanierung sei so dringend notwendig, dass während der kalten Jahreszeit begonnen werde, erklärte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) am Montag vor Ort. Dies sei besonders wichtig, damit nicht noch in einem weiteren Winter Tausalz in die Brückenkonstruktion eindringt und die Korrosion beschleunigt. Es besteht die Gefahr, dass Spannglieder als Haupttragelemente der Brücke angegriffen werden. Rost kann zum schlagartigen Versagen führen. Dann wäre die Standsicherheit der Brücke nicht mehr gewährleistet. Im Bereich der Betonflächen von Geh- und Radwegen auf der Neustädter Seite sind schon Teile abgeplatzt, sodass die Elbwiesen darunter mit Bauzäunen abgesperrt werden mussten.

Der Auftakt: Die Fußwegplatte wird mit Säge zerteilt

Die bis zu sechs Zentimeter starke Asphaltschicht auf der Fahrbahn sei bereits abgefräst, erläutert Brücken-Abteilungsleiter Andreas Gruner vom Straßenbauamt. Derzeit werden die Granit-Bordsteine abgebaut. Die Bauleute beginnen jetzt damit, den Geh- und Radweg abzubrechen. Geplant ist, die sogenannte Kappe in zwei Meter breite Teile zu zersägen und auszuheben. Diese Arbeiten werden sich voraussichtlich bis Anfang kommenden Jahres hinziehen.

Bis Ende 2020 rollt der  Verkehr auf der Carolabrücke über nur eine Fahrspur in jede Richtung.
Bis Ende 2020 rollt der Verkehr auf der Carolabrücke über nur eine Fahrspur in jede Richtung. © Christian Juppe

Das Spezialmaterial: Bewehrung im Beton rostet künftig nicht mehr

Geplant ist, die Dichtungen und die Fahrbahn zu erneuern. Außerdem sollen Schäden am Spannbeton-Tragwerk saniert und die Brückenentwässerung instand gesetzt werden. Erstmals wird hier beim Großbrückenbau Carbonbeton eingesetzt, verweist der Baubürgermeister auf die Besonderheit. Dadurch wird es möglich, die Kappe des Geh- und Radweges von 3,6 auf 4,25 Meter zu verbreitern. Statt der herkömmlichen Stahlbewehrung werden Stäbe aus Carbon oder Basalt eingebaut, die von Kunststoff umhüllt sind.

Eine Hälfte des Fußwegs bis zur Brückenmitte wird aus Carbon-, die andere aus Basaltbeton gebaut. Das leichtere und flexiblere Material ist umfassend getestet und zugelassen worden. Es rostet nicht, ist gegen Streusalze resistent und eröffnet neue Möglichkeiten. Zwar ist das Material teurer als Stahl, erläutert Gruner. Doch es ist deutlich fester, sodass viel weniger Beton für die schlankere Platte benötigt wird. Während bisher bis zu sechs Zentimeter Beton über der Stahlbewehrung nötig sind, werden es beim neuen Material nur 1,5 Zentimeter sein. Das neue Verfahren wird in Zusammenarbeit mit der TU Dresden umgesetzt.

Bereits abgefräst ist der Asphalt auf der Fahrbahn des elbaufwärts liegenden Teils der Carolabrücke.
Bereits abgefräst ist der Asphalt auf der Fahrbahn des elbaufwärts liegenden Teils der Carolabrücke. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Die Perspektive: Finale an Carolabrücke erst in vier Jahren

Dieser Brückenzug soll bis Ende kommenden Jahres saniert werden. Danach wird es jedoch dort erst einmal eine Pause geben. 2021 komme wieder die Albertbrücke an die Reihe, erklärt Straßenbauamtschef Robert Franke. Dort wurden seit Mitte 2018 die Bogenunterseiten weitgehend saniert. Zum Abschluss werden noch die Sandstein- und Betonflächen der drei Bögen direkt über der Elbe gereinigt und instand gesetzt. Diese Arbeiten wurden verschoben, da dafür Einschränkungen auf der Brücke nötig sind. Wegen Hängegerüsten wird es oben eng, sodass eine Fahrspur wegfällt.

Ist das geschafft, wird die Sanierung der Carolabrücke fortgesetzt. Geplant ist, 2022 den mittleren und 2023 den elbabwärts liegenden dritten Zug instand zu setzen, kündigt Franke an. Geprüft wird, ob man einen Radweg zwischen beiden Brückenzügen anlegen kann. Damit wäre es auch möglich, sichere Radweganschlüsse am Carola- und Rathenauplatz herzustellen.

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