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Bautzen

Warum Blutspenden gerade jetzt wichtig ist

Die Corona-Krise verunsichert viele Blutspender: Welche Regeln jetzt für sie gelten - und was für ihre Sicherheit getan wird.

Blutspenden werden auch in Zeiten der Corona-Krise gebraucht, nicht für Infizierte, aber für anderweitig schwer Erkrankte.
Blutspenden werden auch in Zeiten der Corona-Krise gebraucht, nicht für Infizierte, aber für anderweitig schwer Erkrankte. © dpa

Bautzen. Weshalb Blutspenden gesunder Menschen besonders in der kommenden Zeit lebensrettend werden, erklärt Kerstin Schweiger im Gespräch mit sächsische.de. Schweiger ist Pressesprecherin des gemeinnützigen Blutspendedienstes Nord-Ost beim Deutschen Roten Kreuz. 

Frau Schweiger, derzeit rufen die Blutspendedienste verstärkt zum Spenden auf. Werden die Reserven knapp?

Wir helfen Händlern der Region Sächsische Schweiz Osterzgebirge
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Corona ist bedrohlich. Für die Gesundheit, aber auch für Händler und Gewerbetreibende vor Ort. Hier können Sie helfen – und haben selbst etwas davon.

Nein, aber die Kliniken müssen an 365 Tagen im Jahr Spenderblut für die Behandlung Schwerkranker vorrätig haben. Aufgrund der derzeitigen Situation ist es wichtig, die Spendenbereitschaft auch in den kommenden Wochen hoch zu halten. Blutkonserven haben eine sehr kurze Haltbarkeit – die diktiert den Rhythmus, in dem wir neue Spender gewinnen müssen. Wir müssen Versorgungslücken verhindern.

Kerstin Schweiger, Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost
Kerstin Schweiger, Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost © Sascha Radke

Das heißt, wenn jetzt alle Spendenwilligen gleichzeitig losrennen würden, wäre das sogar kontraproduktiv?

Es ist so, dass eine bestimmte Anzahl von Blutspenden entnommen werden muss, um in der jeweils kommenden Woche die Versorgung zu garantieren. Wichtig ist, dass sich das Ganze verteilt und auch im weiteren Verlauf dieser Ausnahmesituation möglichst viele gesunde Menschen die Spendentermine wahrnehmen. Damit eben trotz eines möglichen Fortgangs des Infektionsgeschehens – bei dem uns ja dann Spender auch noch ausfallen – in jeder Woche genügend Blutspenden zusammenkommen, um den Bedarf zu decken. Es geht hierbei nicht um Corona-Patienten, sondern um Patienten mit sehr schweren Erkrankungen. Für sie sind Präparate aus Spenderblut unverzichtbar.

Es ist also mitnichten so, dass jetzt mehr Blut gebraucht wird, sondern die Sorge der Blutspendedienste begründet sich darin, dass die Menschen aus Angst vor Ansteckung nicht mehr spenden gehen?

Genau. Eine solche Reaktion der Spender wäre verheerend für Schwerkranke. Mehr denn je gilt heute, dass Gesunde Verantwortung für kranke Menschen übernehmen müssen.

Was wird getan, damit Spendenwillige sich nicht beim Blutspenden mit dem Coronavirus infizieren?

Ganz wichtig ist: Blutspende gehört zur systemrelevanten Infrastruktur. Es gibt dafür Ausnahmegenehmigungen, und es wird stets erlaubt sein, das Haus zu verlassen, um Blut zu spenden. Natürlich gibt es auch weitreichende Auflagen, um die Sicherheit von Spendenwilligen und Mitarbeitern des Blutspendedienstes zu garantieren. Das heißt, es kann nicht einfach jeder Spendenwillige zur Tür hereinspazieren. Es gibt zwei Schleusen. Vor dem Haus wird ermittelt, ob der Spender in einem Risikogebiet war, Kontakt zu einem Corona-Verdachtsfall hatte oder irgendwelche Infektsymptome zeigt. Wenn das ausgeschlossen ist, wird an der nächsten Station Fieber gemessen. Erst dann kann man überhaupt den Spendenort betreten. Dort gilt ein Minimum von 1,5 oder besser zwei Metern Sicherheitsabstand zwischen einzelnen Personen.

Werden die Blutspenden im Anschluss noch einmal auf den Coronavirus getestet?

Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass das Virus über das Blut übertragbar ist. Sollte sich das ändern, würden Testungen angewiesen. Darauf sind wir vorbereitet. Derzeit besteht dazu aber kein Anlass. Das ist auch ganz wichtig für die Spender zu wissen: Wir testen bei einer Blutspende nicht auf Corona. Das ist nicht der Sinn der Aktion. Auch deswegen gilt: Wer Symptome hat, soll bitte nicht auf einen Blutspendetermin kommen. Das gebietet allein die Fairness.

Wo können Spendenwillige sich informieren, wann die nächsten Termine sind und ob ihre Blutgruppe aktuell gebraucht wird?

Auf der Seite des Blutspendedienstes Nord/Ost sind alle Termine verzeichnet, die in dieser Situation auch wirklich stattfinden. Außerdem kann man sich einen Termin reservieren. Das hilft uns insofern, als dass wir damit gewährleisten können, dass immer nur eine bestimmte Anzahl von Personen gleichzeitig vor Ort ist. Darüber hinaus veröffentlichen wir dort ein Blutspende-Thermometer, auf dem tagesaktuell der Füllstand an Blutkonserven verzeichnet ist. Man sieht dann eindeutig, welche Blutgruppe gebraucht wird. Das ist auch für Spendenwillige eine gute Entscheidungshilfe.

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