merken
PLUS

Bautzen

Breitet sich die Krätze aus?

Die Zahl der gemeldeten Fälle ist im Landkreis Bautzen drastisch gestiegen. Das Landratsamt nennt vor allem einen Grund.

© Symbolfoto: dpa/Daniel Naupold

Bautzen. Es juckt zwischen den Fingern, am Ellenbogen, am Bauchnabel oder an den Knöcheln, dazu Bläschen oder Knötchen auf der Haut. Es klingt wie ein normaler Ausschlag, aber es könnte auch Krätze sein. Die Zahl der gemeldeten Fälle hat im Landkreis Bautzen in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Allein in den ersten Wochen dieses Jahres sind dem Gesundheitsamt 14 Fälle angezeigt worden – im Jahr zuvor waren es zur selben Zeit nur sechs. Die SZ gibt einen Überblick.

Was genau ist Krätze überhaupt?

Anzeige
Lust auf neue Kunden?

Wie Sie mit der sz-Auktion gleich doppelt gewinnen und was Sie dafür tun müssen.

Krätze, auch Skabies genannt, ist eine Hauterkrankung, die durch Skabies- oder Krätze-Milben ausgelöst wird. Die Milben bohren sich unter die Haut, es bilden sich die juckenden Bläschen. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) kommen Skabies weltweit vor und können Personen jeden Alters treffen. Übertragen wird die Erkrankung durch Haut-zu-Haut-Kontakt von Menschen. „Skabiesmilben bevorzugen Areale mit verhältnismäßig hoher Temperatur und dünner Hornschicht“, ordnet das RKI ein. Dazu gehören zum Beispiel Körperfalten, wie sie zwischen den Fingern, am Ellenbogen oder auch an den Geschlechtsteilen zu finden sind. Kopf und Nacken sind selten befallen.

Wo im Kreis Bautzen gab es in den vergangenen Jahren Krätzefälle?

„Das gesamte Kreisgebiet“, sagt eine Sprecherin des Landratsamtes gegenüber der SZ, sei von Skabies-Fällen betroffen. Die Zahlen steigen. Während in den Vorjahren vor allem Fälle in Pflegeheimen bekannt geworden sind, gab es im vergangenen Jahr auch einige Fälle in Schulen und Kitas.

Wie oft sind in den vergangenen Jahren Krätzefälle gemeldet worden?

Die Zahlen im Landkreis Bautzen sind in den vergangenen Jahren drastisch angestiegen. Eine umfassende Meldepflicht für Krätze gibt es nicht. Ausnahmen gelten für Gemeinschafts- und Pflegeeinrichtungen, Gefängnisse, Obdachlosen- oder Asylbewerber-Unterkünfte. Hier muss das Gesundheitsamt über Erkrankungen informiert werden. Das Amt unterteilt die Fallzahlen deshalb in Einzelmeldungen und solche aus diesen Einrichtungen.

Die Zahl der Meldungen aus Einrichtungen mit mehreren Menschen blieb in den vergangenen Jahren zunächst relativ konstant: 2016 gab es sechs Meldungen aus Altenpflegeheimen und eine aus einem Heim für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. 2017 gab es nur eine Meldung aus einem Altenpflegeheim, zwei aus Asylunterkünften und eine aus einem Heim für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. 2018 blieb es bei zwei Meldungen aus Altenheimen.

2019 sind dann deutlich mehr Fälle angezeigt worden: Neun Mal meldeten Schulen Fälle, elf Erkrankungsmeldungen gab es in Kitas, vier in anderen Einrichtungen. Ein noch drastischerer Anstieg ist bei den Einzelfallmeldungen zu verzeichnen, die in der Regel durch Ärzte angezeigt wurden. Im Jahr 2016 sind neun Einzelfälle bekannt geworden, 2017 stieg die Zahl auf 21. 2018 waren es 34 Fälle und im vorigen Jahr sogar 104 Erkrankungen.

Ist Krätze also jetzt wieder auf dem Vormarsch?

Das Bautzener Landratsamt erkennt für die gestiegenen Zahlen vor allem einen Grund: „Der drastische Anstieg muss mit der gestiegenen Sensibilisierung im Hinblick auf die Krätze begründet werden“, erklärt die Sprecherin. Und: Die Zahlen könnten lückenhaft sein, da eben keine Meldepflicht besteht. Während auch Dresden in den vergangenen Jahren von steigenden Fallzahlen berichtet hatte, hatte das Landratsamt des Kreises Görlitz vor Kurzem für dieses Jahr noch gar keine Fälle gemeldet.

Auch das Robert-Koch-Institut ist der Frage, ob die Fallzahl steigt, nachgegangen. Seit 2010 habe deutschlandweit die Zahl der Skabies-Diagnosen zugenommen, eine Abfrage bei Gesundheitsämtern habe aber ein uneinheitliches Bild geboten. „Die lokale Häufigkeit der Skabies unterliegt laut mehreren Autoren langjährigen Zyklen, deren Ursachen jedoch unklar sind“, erklärt das RKI.

Wie kann man Krätze behandeln und sich vor einer Ansteckung schützen?

Wer an Krätze erkrankt ist, dem kann in der Regel eine Creme helfen, die die Milben abtötet. Auch Tabletten gibt es. Sich im Vorfeld zu schützen, ist laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schwierig. Sie empfiehlt Menschen, die Kontakt mit Erkrankten hatten, mögliche Anzeichen von Krätze zu beobachten – und im Zweifel zum Arzt zu gehen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Krätze verschont Görlitz

In diesem Jahr gab es noch keine Fälle der Hautkrankheit. Andere Regionen in Sachsen haben weniger Glück.

Symbolbild verwandter Artikel

Hunderte Krätze-Fälle in Dresden

Besonders Kitas und Schulen sind betroffen. So erfolgt die Ansteckung.

Wer den Kontakt zu Erkrankten nicht vermeiden kann, sollte langärmelige Kleidung und Einweghandschuhe tragen, empfiehlt die BZgA. Bei bereits Erkrankten sind bestimmte Hygienemaßnahmen notwendig. Darüber informiert auch das Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen betroffene Einrichtungen.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.